W(S)o lässt sich arbeiten?

Es gibt wohl nichts schöneres, als sich seinen Arbeitsplatz auszusuchen. Haben wir mit Beginn der Corona-Pandemie noch den Laptop auf den Knie oder Küchentisch abgelegt, so können wir jetzt auch an den schönsten Orten der Welt arbeiten. Worauf dabei zu achten ist, hat luckx – das magazin recherchiert.

Workation

Dank der Pandemie haben sich eine Vielzahl von Arbeitsmodell rasend schnell entwickelt. Auch wenn einige der Unternehmen gern ihre Mitarbeiter „auf oder in ihrem Schoß“ hätten, sind sie weiterhin aufgrund des Fachkräftemangels zu Kompromissen bereit. Oder besser: gezwungen. Auch die Politik kommt nun wieder auf dumme Ideen, will das Streikrecht verändern oder das Renteneintrittsalter erhöhen anstatt nach kreativen Lösungen zu suchen. Damit wird die Kooperationsbereitschaft der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer während der Corona-Pandemie verordneten Heimarbeit regelrecht mit Füßen getreten. Die sich entwickelten flexiblen Arbeitsmodelle wie Home-Office oder mobiles Arbeiten sind etabliert, sodass sie auf dem Arbeitsmarkt bleiben werden. Darüber hinaus haben sich weitere Trends entwickelt wie Workation. Jedoch lauern beim “remoten” (englisch für fern, abgelegen) Arbeiten auch einige Fallstricke.

Workation“ setzt sich aus den englischen Begriffen „Work“ für Arbeit und „Vacation“ für Urlaub zusammen. Das ist kein Widerspruch. Denn je weiter die Digitalisierung in vielen Branchen voranschreitet, desto mobiler wird das Arbeiten – und zwar dort, wo andere Urlaub machen. Eine Workation muss nicht zwingend im Ausland stattfinden. Aber wenn es Arbeitnehmer in ein anderes Land zieht, befindet sich der Hauptarbeitsplatz in der Regel weiterhin in Deutschland und die Zeit im Ausland ist begrenzt.

Gründe

Laut einer Studie würden über 80 Prozent der Befragten eine Workation dazu nutzen, die winterliche Kälte in Deutschland gegen die wohlige Wärme des sonnigen Südens – vor allem der Spaniens – einzutauschen. Ebenfalls über 80 Prozent sind davon überzeugt, dass Workation zu einer besseren Work-Life-Balance beitragen kann. Knapp 80 Prozent sind zudem davon überzeugt, dass ortsunabhängiges und auch grenzüberschreitendes Arbeiten ihre Zufriedenheit im Job und die eigene Produktivität erhöhen.

Grundsätzlich bleibt das deutsche Arbeitsrecht anwendbar. Aber je nachdem, in welchem Land gleichzeitig gearbeitet und geurlaubt wird, können neben dem deutschen Arbeitsrecht andere oder zusätzliche Schutzrechte gelten, die sich beispielsweise auf Arbeits- und Pausenzeiten, Vergütungsvorschriften oder Feiertagesregelungen auswirken. So müssen digitale Nomaden im Ausland z. B. an einem deutschen Feiertag unter Umständen arbeiten, können sich aber an den nationalen Feiertagen der jeweiligen Arbeits-Destination entspannt zurücklehnen. Solche Details sollten möglichst vorher mit dem Arbeitgeber besprochen werden, ebenso wie Zeiten der Erreichbarkeit, vor allem, wenn es Zeitverschiebungen gibt.

Versicherung

Innerhalb der Europäischen Union, des Europäischen Wirtschaftsraums sowie der Schweiz sind Arbeitnehmer während ihrer Workation-Zeit weiterhin in der deutschen Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung versichert. Dabei darf der Aufenthalt nicht länger als 24 Monate dauern und Arbeitnehmer benötigen zudem eine sogenannte A1-Bescheinigung, mit der sie von der ausländischen Sozialversicherungspflicht befreit sind. Die Bescheinigung erhalten gesetzlich Versicherte bei ihrer Krankenkasse; bei Arbeitnehmern mit einer privaten Krankenversicherung ist der Rentenversicherer zuständig. Bei Drittstaaten, mit denen kein Sozialversicherungsabkommen besteht, kann es zur doppelten Beitragspflicht kommen. Zudem sollten Arbeitnehmer über eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung nachdenken, die explizit auch bei beruflichen Tätigkeiten im Ausland leistet. Zudem wird durch solch eine Zusatzversicherung auch der Kostenanteil abgedeckt, der von der deutschen Krankenversicherung womöglich nicht bezahlt wird.

Eine private Krankenversicherung bietet hingegen weltweit einen kompletten Versicherungsschutz mindestens einen Monat lang; dieser Zeitraum kann allerdings je nach Versicherung variieren. Wer eine längere Workation plant, sollte ebenfalls eine private Auslandskrankenversicherung abschließen und sich gleichzeitig bei seiner privaten Krankenversicherung informieren, ob der Versicherungsvertrag während des Auslandsaufenthaltes leistungsfrei gestellt werden kann. In der Regel bieten Versicherer auch Anwartschaftsversicherungen an, die ein Rückkehrrecht einräumen.

Steuern

Während der Workation zahlt ein Arbeitnehmer seine Steuern in der Regel weiterhin in Deutschland, wenn er weniger als 183 Tage fern der Heimat arbeitet und sein Gehalt weiter von seinem deutschen Arbeitgeber bekommt. Besteht zwischen Deutschland und dem Zielland allerdings ein Doppelbesteuerungsabkommen, kann dort unter Umständen etwas anderes geregelt sein und der Arbeitnehmer auch schon früher im Ausland steuerpflichtig werden. Eine Steuerpflicht im Ausland kann womöglich auch begründet werden, wenn der deutsche Wohnsitz aufgegeben wird.Deshalb ist es ratsam, sich vor dem Start der Workation steuerlich beraten zu lassen. Für Selbstständige und Freiberufler gilt Ähnliches: Bleibt der offizielle Wohnsitz in Deutschland, muss das Einkommen, egal, wo auf der Welt es erzielt wurde, in Deutschland versteuert werden. Wer seinen Erstwohnsitz im Ausland hat, aber in Deutschland Einkommen erzielt, muss dies ebenfalls nach deutschem Recht versteuern.

Was noch zu regeln ist

Fällt die Wahl des Auslandsarbeitsplatzes auf ein Nicht-EU-Land, kann ein Arbeitsvisum nötig sein, dessen Ausstellung unter Umständen einige Wochen dauern kann. Für die EU ist grundsätzlich kein Visum nötig. Genaue Auskünfte können die deutschen Auslandsvertretungen des jeweiligen Landes liefern. Was aber auf jeden Fall ins Gepäck gehört, sind Personalausweis oder Reisepass, die mindestens für die Dauer des Auslandsaufenthaltes gültig sein müssen. Wer unbedingt eine Workation ausprobieren möchte, aber keine Präferenz für ein bestimmtes Land hat, kann sich vielleicht am Tui Workation Index orientieren: Jedes Jahr werden hier die besten 50 Destinationen in puncto Remote-Work-Bedingungen verglichen. Dabei kommt es auf Kriterien wie z. B. schnelles Internet, Zeitzonen, Sonnenstunden oder Mietpreise an. Den ersten Platz des aktuellen Vergleichs gewinnt Portugal; dahinter folgen Dänemark und Malta.