Ja, es geht wieder los. Für einige sind es die ersten Schultage. Andere sehen eher das Ende ihrer Schulzeit auch sich zukommen. Für die jüngeren Schülerinnen und Schüler setzt sich wieder die „SUV-Karawane“ in Bewegung zum Ärger von Schule und Polizei, recherchierte luckx – das magazin.
Sicherheit auf dem Schulweg
Es ist eigentlich nur zu verständlich: Eltern wollen ihre Kinder beschützen. So werden die Kleinen mit dem Auto zur Schule gebracht. Doch damit wird meist ein Verkehrschaos vor und im Umfeld der Schule ausgelöst. Kommunen haben gemeinsam mit der Polizei darauf reagieren müssen und Halte- sowie Durchfahrtsverbote erlassen. Doch die Sorge der Eltern ist nicht unbegründet. Statistisch gesehen verunglückte 2024 alle 19 Minuten ein Kind im Straßenverkehr. Während die Zahl der dabei verletzten Kinder laut Statistischem Bundesamt mit 27.260 nahezu unverändert zum Vorjahr war, ist die Zahl der getöteten Kinder von 44 auf 53 gestiegen. Dabei zeigt sich deutlich: Vor allem der Schulweg stellt ein Risiko dar. Je nach Wohnort gelangen Kinder auf unterschiedlichste Art zur Schule. Grundschulen sind oft fußläufig zu erreichen, in sehr ländlichen Regionen fahren Schulbusse, in Städten dienen die Öffis als Transportmittel. Fahrrad oder Tretroller sind auch oft geeignet, allerdings erst für ältere Kinder.
Grundsätzlich sollte das Auto nicht das Transportmittel der Wahl sein, um Kinder zur Schule zu bringen. Denn ‚Elterntaxis‘ sorgen dafür, dass vor den Schulen regelrechte Gefahrenzonen entstehen, da die Kinder nicht selten einen gefährlichen Slalomlauf durch zahlreiche Autos absolvieren müssen. Zum anderen tut man auch den Kindern selbst keinen Gefallen, wenn die ‚Generation Rücksitz‘ überall hin chauffiert wird. So entwickeln sie infolge der fehlenden aktiven Auseinandersetzung mit dem Straßenverkehr meist keine ausreichende Verkehrskompetenz. Wer auf dem Rücksitz ständig nur auf sein Handy schaut, anstatt sich selbst im Straßenverkehr zurechtfinden zu müssen, bekommt das im schlimmsten Fall noch beim Führerscheinerwerb zu spüren – auf jeden Fall werden die hohen Durchfallquoten in Theorie und Praxis auch damit in Verbindung gebracht. Sollte der Sprössling dennoch einmal zur Schule gefahren werden, gilt es auf jeden Fall darauf zu achten, etwas weiter entfernt von der Schule sicher zu parken und die Kinder immer auf der Gehwegseite aussteigen zu lassen.
Verkehrswelt entdecken
Mehr als 800.000 Kinder werden Jahr für Jahr eingeschult. „Die ABC-Schützen entdecken mit Schulbeginn eine völlig andere Welt. Nicht nur lernen sie täglich neue Dinge, sie erweitern auch ihren Aktionsradius und werden selbstständiger“, erläutert Isabella Finsterwalder, Pressesprecherin des Automobilclub KS e.V. „Ein wichtiger Teil des neuen ABC-Schützen-Kosmos ist die Entwicklung von Verkehrskompetenz. Die Verkehrs- und Mobilitätserziehung in der Schule und das praktische Üben mit den Eltern spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Reflexion der eigenen Erfahrungen im Straßenverkehr. Nur so lernen die Kleinen, Gefahrensituationen richtig einzuschätzen und sich im Straßenverkehr sicher und selbstbewusst zu bewegen“, so die Pressesprecherin weiter.
Zu Fuß
Wichtig ist, eine sichere Strecke zu wählen. Anstelle des kürzesten Wegs immer die sicherste Route bevorzugen, sprich eine mit Gehwegen, Ampeln und Zebrastreifen.
Der Schulweg ist einüben und auf Gefahrenstellen aufmerksam machen. Rechtzeitig vor Schulbeginn den Weg einüben, dabei besonders gefährliche Stellen wie schlecht einsehbare Kreuzungen oder Ausfahrten erklären und den Kindern beibringen, Blickkontakt mit Autofahrern zu suchen, bevor sie eine Straße queren – und zwar selbst dann, wenn die Fußgängerampel auf Grün steht.
Besonders wichtig ist der rechtzeitig Start zu hause. Wer unter Zeitdruck zur Schule hetzen muss, ist unaufmerksam im Straßenverkehr. Deshalb frühzeitig starten!
Gemeinsam sollte der Schulweg mit anderen Schülern gegangen werden. Das erzeugt mehr Selbstständigkeit und Bewusstsein für Risiken. Eventuell können auch Erwachsene für Begleitung sorgen. Gleichzeitig wird dabei die soziale Interaktion gestärkt und die anderen Eltern werden entlastet.
Wichtig ist die Konzentration auf den Straßenverkehr. Kinder sollen ihre gesamte Aufmerksamkeit auf den Verkehr richten; Handys und Kopfhörer sind deshalb auf dem Schulweg tabu.
Mit dem Schulbus
Viele Dinge werden gern übersehen. So sollten Wartende auf den Schulbus mindestens 1 Meter Abstand zur Bordsteinkante halten.
Insbesondere beim Weg zur Haltestelle und dann zur Schule Als auch zurück nach Hause sollten sie Schüler niemals hinter oder vor dem Bus über die Straße rennen. Immer sollte auf freie Sicht gewartet werden.
Da wo es möglich ist, sollten Schulweghelfer eingesetzt werden. Gerade an stark befahrenen Straßen können freiwillig eingesetzte Schülerlotsen hilfreich sein, da sie den Überblick behalten.
Mit Öffentlichen Verkehrsmitteln
Mehr noch als zu Fuß kommt es mit Zug, Tram, Linienbus, U-Bahn oder S-Bahn darauf an, dass das Kind den Schulweg sicher beherrscht und zudem in der Lage ist, die Uhr zu lesen und Fahrpläne zu verstehen. Dabei sollte vor allem ausreichend Zeit für sämtliche Wegstrecken inklusive eines eventuellen Umsteigens eingeplant werden. Auch sollte das Kind wissen, was es tun muss, wenn eine Bahn nicht fährt oder der Bus verpasst wurde.
Nicht nur die Wege einüben, sondern dem Kind alles erklären: Welches ist die richtige Tram? An welchem Bahnsteig fährt der Zug ab? Woher weiß ich, wann ich aussteigen muss? Wohin während der Fahrt mit dem Schulranzen? Oder: Was tun, wenn ich eine Haltestelle zu weit gefahren bin? Später heißt es dann, die Rollen zu tauschen und das Kind erklären zu lassen, was zu tun ist.
Mit dem Fahrrad oder Tretroller
Im Rahmen der Verkehrserziehung bieten die Grundschulen in der 3. oder 4. Klasse eine Fahrradprüfung an. Erst mit bestandener Prüfung geben viele Grundschulen ihr offizielles „Go“, dass die Schülerinnen und Schüler (allein) mit dem Rad zur Schule fahren dürfen. Das ist umso wichtiger, als jüngeren Kindern oft noch die nötige Reife fehlt, mit dem vergleichsweise schnellen Fahrrad Verkehrssituationen und Geschwindigkeiten richtig einzuschätzen.
Tretroller – im Unterschied zu motorisierten E-Rollern – werden als besondere Fortbewegungsmittel nach § 24 StVO betrachtet, für die entsprechend die Vorschriften für den Fußgängerverkehr gelten. Gesetzlich spricht nichts gegen die Nutzung der kleinen Flitzer auch für jüngere Kinder, jedoch sind diese oftmals noch nicht in der Lage, den Roller verantwortungsvoll zu bedienen und Gefahren schnell genug einzuschätzen. Hier sind generell die Eltern gefragt, die ja für den Schulweg ihrer Sprösslinge verantwortlich sind. Zudem sind hier die Regelungen der jeweiligen Schulen zu beachten, die oftmals gesonderte Vorgaben zur Benutzung von Tretrollern, aber auch Fahrrädern für ihre Schüler treffen.
Sowohl auf Fahrrad als auch Roller sollten Kinder einen Helm tragen. Zusätzlich helfen – und das gilt für alle Kinder, die unterwegs sind – gerade bei schlechten Sichtverhältnissen, spätem Sonnenaufgang und Schmuddelwetter in Herbst und Winter reflektierende Kleidung oder Reflexstreifen auf Schulranzen, um gesehen zu werden. Selbstverständlich gilt es zudem, das Fahrrad mit gut funktionierenden Bremsen, Licht, Klingel und Reflektoren auszustatten.