Mehr Gesundheit wagen

Krankheit belastet nicht nur die Betroffenen. Auch das Umfeld leidet darunter. Sowohl Familie als auch Arbeitgeber, besser die Kollegen, müssen im Krankheitsfall die liegenbleibenden Aufgaben miterledigen, recherchierte luckx – das magazin.

Fehlzeiten sind kein Zufall

Gesundheit ist das A und O. Jeder auch noch so kleine Erkrankungen bereitet Verdruss. Aus Fürsorge für die Familie und für die Kollegen erscheinen Erkrankte trotzdem auf der Arbeitsstelle, nachdem sie zuhause erst einmal alles gemanagt haben. Zwar ist ein leichter Schnupfen wahrscheinlich nicht so schlimm. Doch dadurch können Familienmitglieder und Kollegen angesteckt werden und ein Teufelskreis setzt sich fort. So sollten Menschen unbedingt auf ihre Gesundheit achten. Das scheint auch bei vielen Arbeitgebern angekommen zu sein. So steht bei diesen das Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) auf der Agenda. Denn seit Jahren gibt es bei Fehlzeiten von Mitarbeitenden nur einen Trend: sie steigen. Natürlich muss jedes Unternehmen mit einem Sockel von Krankheitstagen der Beschäftigten leben. Studien haben jedoch gezeigt, dass mindestens ein Drittel der Fehlzeiten nicht medizinisch begründet, sondern motivationsbedingt und damit steuerbar sind. Was also können Unternehmen tun, damit Mitarbeitende sich nicht aufgrund von privaten Problemen, als Retourkutsche für Konflikte oder als Simulanten krankmelden?

Reduzierung ungeplanter Fehlzeiten

Manuel Fink, Autor des Buches „Fehlzeiten aktiv managen“ stellt mit seiner R.U.F-Methode (Reduzierung ungeplanter Fehlzeiten) fest: Im ersten Schritt empfiehlt er Unternehmen, das Bewusstsein im Betrieb dafür zu schaffen, dass Fehlzeiten eben kein Zufall und beeinflussbar sind. Dazu sollten Kennzahlen erfasst, ausgewertet und kommuniziert werden – nur so sind auch Fortschritte kontrollierbar. Als dritten Step sollten Führungskräfte sensibilisiert werden, jede Abwesenheit zu kennen und im Blick zu haben. Kommen Arbeitnehmende nach der Erkrankung zurück in den Betrieb, sollte immer ein souveränes Rückkehrgespräch geführt werden: „Mir ist aufgefallen, dass du nicht da warst. Schön, dass du wieder da bist! Hatte deine Fehlzeit etwas mit dem Betrieb zu tun?“.

So gibt es vier Stellschrauben, an denen Unternehmen arbeiten können: Zunächst gilt es, Mitarbeitenden wo und wie möglich Autonomie in ihren Aufgaben zu geben. Eine Chance für Führungskräfte ist beispielsweise das Ziel zu definieren, den Weg dahin aber als Gestaltungsmöglichkeit für Mitarbeitende offen zu lassen. Eine weitere Stellschraube ist die Ausgewogenheit von Geben und Bekommen. Beschäftigte stellen dem Betrieb ihre körperliche, psychische und soziale Arbeitskraft zur Verfügung. Neben dem Entgelt können sie dafür natürlich auch Anerkennung, Wertschätzung, einen Status, ein Gemeinschaftsgefühl oder das Gefühl gesehen zu werden bekommen. Denn wer sich ausgenutzt fühlt, kommt nicht gerne zur Arbeit. Die dritte Möglichkeit, berufliche Zufriedenheit täglich neu herzustellen ist psychologische Sicherheit. Unternehmen und Führungskräfte sollten ein Arbeitsklima gestalten, in dem Mitarbeitende auch unkomfortable Dinge aussprechen können, ohne sich dabei unkomfortabel zu fühlen. Der letzte wichtige Punkt ist, Gerechtigkeit und Fairness zu erleben. Wie werden beispielsweise Urlaubstage an Brückentagen vergeben? Gibt es ein roulierendes System? Haben neue Mitarbeitenden gleiche Rechte und Chancen wie langjährige oder werden diese bevorzugt? Wer darf auf Dienstreisen oder zu Veranstaltungen gehen? Wie findet die Auswahl für Entwicklungsprogramm statt?

Mental Health

Auch die mentale Gesundheit ist kein kurzer Trend. Genau wie die Verteilung der Urlaubstage gibt es viele weitere Ereignisse, die Mitarbeiter im Unternehmen bewegen. So gehört zur Unternehmenskultur nicht nur was passiert, sondern was nicht passiert. So sollten Führungskräfte und Mitarbeiter während der Arbeit durchaus persönlich werden und dürfen. Dabei geht es nicht darum, Privates zu erzählen, sondern Emotionen Raum zu geben, statt diese unter Verschluss zu halten. Als Wurzel für die eigene mentale Gesundheit ist das Setzen von Grenzen essentiell.