Es erscheint schon kurios. Von heute auf morgen verlieren die Krankenkassen Milliarden Euro. Ende 2025 waren rund 2 Milliarden an Überschuss vorhanden. Und heute ist sparen angesagt. Luckx – das magazin fragt, wo gespart werden kann.
Sparzwang
Das Gesundheitswesen ist zu teuer. So tönt es einstimmig von Krankenkassen und Politik. Sparzwang, Beitragsexplosion und notwendigen Einschnitten im Gesundheitswesen werden gefordert. Sicherlich, in vielen Bereichen könnte gespart werden. Zum Beispiel bei der Bezahlung von Krankenhausleistungen. Dort fehlen Pflegepersonal und Ärzte. Ungeachtet dessen werden trotzdem Pflegeleistung im vollem Umfang erstattet, obwohl Personal fehlt, dass die Leistung erbringen müsste. Rund 5 Milliarden Euro werden so jedes Jahr ausgezahlt – wohlgemerkt ohne entsprechende Gegenleistung. Nun sorgten die Bezüge von Kassenvorständen über Unmut. Denn diese haben sich ihr Gehalt mal eben erhöht und das mit Bonuszahlungen verbunden. Besonders der Freie Verband Deutscher Zahnärzte (FVDZ) kritisiert diese deutlichen Gehaltssteigerungen heftig. Denn den Zahnärzten soll quasi die Kassenzulassung genommen werden, weil künftig Patienten Zahnleistungen nicht mehr erstattet bekommen. „Wenn Versicherte immer höhere Zusatzbeiträge zahlen müssen und Leistungserbringer permanent zu Sparmaßnahmen aufgefordert werden, dann sind steigende Vorstandsgehälter und üppige Boni das völlig falsche Signal“, sagt der FVDZ-Bundesvorsitzende Dr. Christian Öttl. „Beispielhafte Zurückhaltung wäre angebracht.“
Finanzkrise?
Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) steckt überraschenderweise anscheinend in einer tiefen Finanzkrise. Beitragssteigerungen werden regelmäßig mit steigenden Ausgaben und knappen Kassen begründet. Gleichzeitig wird von allen Beteiligten – Ärzten, Zahnärzten, Kliniken und Patienten – verlangt, ihren Beitrag zur Stabilisierung des Systems zu leisten. Umso schwerer nachvollziehbar sei es, dass ausgerechnet an der Spitze der Krankenkassen offenbar sehr großzügige Vergütungssteigerungen möglich seien. „Gerade erst hat die Gesundheitsministerin gesagt, die von ihr eingesetzte GKV-Finanzkommission habe den Auftrag, 25 Milliarden Euro Sparpotenzial zu heben – und dann kommt die Nachricht über Bezüge und Boni der Kassenvorstände“, kritisiert Öttl. Wer von allen Akteuren im Gesundheitswesen Sparsamkeit fordere, müsse selbst mit gutem Beispiel vorangehen, ist der FVDZ-Bundesvorsitzende überzeugt. Die GKV sei zudem keine gewinnorientierte Industrie, sondern Teil der solidarischen Daseinsvorsorge. Exzessive Bonusstrukturen und stetig steigende Vorstandsvergütungen passten nicht zu diesem Auftrag.
Kostendruck
Für den FVDZ ist klar: In einer Phase, in der Praxen, Kliniken und Patienten mit wachsendem Kostendruck konfrontiert sind, braucht es mehr Transparenz, mehr Maß und vor allem mehr Verantwortungsbewusstsein bei der Vergütung von Kassenmanagern. „Die GKV-Misere lässt sich nicht allein durch Sparappelle an Leistungserbringer und Versicherte lösen“, sagt Öttl. Gerade in Zeiten knapper Mittel müsse gelten: Maßhalten mit den Beiträgen der Versicherten muss gerade die Spitze.