Wer heute in der Landwirtschaft erfolgreich sein möchte, benötigt viel mehr Land als früher. Reichten vor 40 Jahren noch 30 Hektar Ackerboden für ein auskömmliches Leben aus, so sind es heute mehrere hundert Hektar. Doch die Ausweitung ist begrenzt, so dass Bauern ausweichen, wie luckx – das magazin recherchierte.
Auf dem Ackerboden kommt Solar
Immer mehr Landwirte sehen in der Verpachtung ihres nicht so ertragreichen Ackerlandes an Stromerzeuger eine Möglichkeit, ihre Einkommenssituation zu verbessern. Das gilt besonders für Flächen, auf denen mehr Arbeit geleistet werden muss als nach dem Ernteende übrig bleibt. Doch auch Flächen beispielsweise für Gemüseanbau können mit aufgeständerten Solaranlagen neben dem Ernteertrag zusätzlich Einkünfte ermöglichen. Das ist nur ein Beispiel von einigen für Agri-PV. Darüber hinaus kann die Landwirtschaft als Stromnetz-Stabilisator wirken, wie ein aktuelles Forschungsprojekt der Hochschule Osnabrück und Technischen Universität Braunschweig zeigen. Durch erneuerbare Energien und alternative Antriebe können landwirtschaftliche Betriebe nicht nur Emissionen senken, sondern auch das Stromnetz stabilisieren. Wie das funktionieren kann, zeigt das Forschungsprojekt. Dadurch können landwirtschaftliche Betriebe einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten. Durch Photovoltaik-, Biogas- und Windkraftanlagen sowie den Einsatz alternativer Antriebe in Maschinen tragen sie zur Reduktion von Treibhausgasemissionen bei. Gleichzeitig belasten die unregelmäßige Einspeisung erneuerbarer Energien und der schwankende Eigenverbrauch das Stromnetz. Genau hier setzt das Projektteam an und untersucht, wie landwirtschaftliche Betriebe durch flexible Erzeugung, Speicherung und Laststeuerung das Netz entlasten und gleichzeitig ihre Energieautarkie erhöhen können.
Energieflüsse
„Landwirtschaftliche Betriebe bergen großes Potenzial für netzdienliches Verhalten. Durch erneuerbare Energien und alternative Antriebe können sie nicht nur Emissionen senken, sondern auch das Stromnetz stabilisieren – und so einen essenziellen Beitrag zur Energieversorgung der Zukunft leisten“, sagt Prof. Dr. Hans-Jürgen Pfisterer, Leiter des Labors Elektrische Antriebs- und Energiewandlungssysteme an der Hochschule Osnabrück. Dafür verfolgen die Forscher drei zentrale Ziele: Zunächst erfassen sie systematisch die Energieflüsse in der Landwirtschaft. Am Beispiel eines Milchviehbetriebs werden alle Energiequellen sowie Verbraucher wie Melkroboter oder die Milchkühlung analysiert. Dabei betrachtet das Team nicht nur den aktuellen Zustand, sondern auch die zunehmende Elektrifizierung landwirtschaftlicher Maschinen und den damit künftig noch steigenden Strombedarf.
Im nächsten Schritt gleicht das Team Angebot und Nachfrage ab. Mit dem Braunschweiger Verfahrensrechner kann durch Simulationen landwirtschaftlichen Verfahren und der Energieerzeugungsmodelle der mögliche lokale Ausgleich von Stromangebot und -bedarf aufgezeigt werden. Dabei werden auch Möglichkeiten der Direktvermarktung, wie beispielsweise E-Fahrzeugstrom und Speicherlösungen für die Landwirte berücksichtigt. Zum Schluss evaluiert das Projekt, welche technischen Voraussetzungen nötig sind, um den Betrieb auch bei Netzausfällen aufrechterhalten zu können, um im Krisenfall auch lokale Einrichtungen der kritischen Infrastruktur oder Einsatzkräfte unterstützen zu können.