Mängel am Truck

Mit bis zu 40 Tonnen rasen LKW über unsere Straßen. Immer unter Zeitdruck, der eigentlich nicht sein darf. Baustellen, Staus, einzuhaltende Lenkzeiten bremsen den fristgerechten Transport. Das alles trägt nicht zur Sicherheit bei. Nun kommt auch eine erhebliche Mängelquote am Fahrzeug dazu wie luckx – das magazin recherchierte.

Hauptuntersuchung

LKW müssen jedes Jahr eine Hauptuntersuchung über sich ergehen lasen. Dass das sinnvoll erscheint, zeigt die Mängelquote der erheblichen Mängel über alle Tonnagen hinweg auf. Zwar bleibt die Quote etwa gleich mit 20,3 Prozent. Auf lange Sicht verschlechtern sich einzelne Baugruppen dagegen deutlich. Das zeigen die Ergebnisse des aktuellen TÜV-Reports Nutzfahrzeuge 2026. Demnach sind die Quoten vor allen Dingen bei Licht, Ölverlust und der Abgasuntersuchung gestiegen. Dabei spielt auch eine Rolle, dass die Anforderungen an Bauteile aufgrund des gestiegenen Durchschnittsalters gewachsen sind. Zudem steht die Branche enorm unter Druck, höhere Wartungsanforderungen kommen noch dazu.

Branche unter Druck

„Die EM-Quote (erhebliche Mängel-Quote) bei den Nutzfahrzeugen bleibt beinahe konstant. Trotzdem fallen die Fahrzeuge – vor allem die Älteren – vermehrt mit Mängeln an bestimmten Bauteilen auf. Die Gründe dafür sind vielfältig und sicher auch auf das längere Halten der Fahrzeuge zurückzuführen. Bei höherem Alter (Durchschnitt aktuell knapp neun Jahre) steigt auch die Beanspruchung an die konstruktive Auslegung der Bauteile. Mit zunehmender Nutzungsdauer steigen die Anforderungen an die Qualität“, stellt der TÜV fest. Sorgen machten der Branche daher auch die zunehmende Anforderung an die Wartung und das vor dem Hintergrund schwieriger Zeiten für die Branche. Die Transportbranche steht unter Druck. Am höchsten bleiben die Mängelquoten weiterhin beim Licht – eigentlich eine leicht zu behebende Sache. 2,3 Prozent EM vorne und 2,5 Prozent hinten zwingen die Laster über alle Gewichtsklassen hinweg bereits bei der ersten HU in die Werkstattrunde. Nach drei oder vier Jahren fangen Motoren und Antrieb an, mit Ölverlust hervorzustechen (3,3 beziehungsweise 4,4 Prozent EM). Bei der Abgasuntersuchung (AU) geht es dann auch los: 2,2 beziehungsweise 2,7 Prozent EM. Positiv zu bewerten ist, dass auch noch nach zehn Jahren und durchschnittlich 176.000 Kilometern auf der Uhr beinahe 73 Prozent der Laster die HU auf Anhieb schaffen, 90,3 Prozent sind es bei den Einjährigen (49.000 Kilometer).

Verschleiß

Mit aktuell 21,5 Prozent EM ist die Quote bei den typischerweise als „Kurier-, Express und Paket“- (KEP) genutzten Fahrzeugen erneut gestiegen. Bei den ganz Leichten bis 3,5 Tonnen sorgen die Belastung durch Stopp-and-Go und der harte Zustelleralltag zunehmend für Verschleiß. Die allgemein schwierige wirtschaftliche Lage trägt dazu bei. Platzierung: Vorletzter beim Gewichtsklassenvergleich.

Der Zustand der schweren Transporter und leichten Laster von 3,5 bis 7,5 Tonnen verschlechtert sich weiter. Lichtmängel, Ölverlust und hohe Abgaswerte werden auch hier am häufigsten von den Sachverständigen beanstandet. Die Folge: Nach einem Jahr fahren noch 78,7 Prozent ohne Mängel durch die Prüfgasse – beim vergangenen Report Nutzfahrzeuge waren es noch 81,9 Prozent. Nach sechs Jahren und durchschnittlich 127.000 Kilometern auf dem Tacho fängt auch das Fahrwerk an, negativ aufzufallen. So sorgen extrem hohe Laufleistungen sowie Kosten- und Zeitdruck bei den zahlreichen Leih-Modellen beispielsweise für mehr kaputte Lampen als im Durchschnitt. Die EM-Quote beim TÜV-Debüt steigt bei den Lampen um 1,5 Punkte auf aktuell 3,7 Prozent. Mangelnde Wartung oder Nachlässigkeiten bei der Abfahrtskontrolle spielen eine Rolle genauso wie das höhere Alter der Fahrzeuge.

Ganz oben auf dem Treppchen: Lkw zwischen 7,5 und 18 Tonnen. Trotzdem verlieren auch die Könige der Autobahn einen Prozentpunkt EM nach dem ersten Jahr. 87 Prozent meistern die erste HU ohne Beanstandungen. Im vergangenen Betrachtungszeitraum war die Quote dagegen noch um 1,7 Prozentpunkte gestiegen. Die Zahl der Laster, die sich bereits nach dem ersten Mal wieder vorstellen müssen, bevor es die Plakette gibt, hat sich mit einer EM-Quote von 16,3 Prozent bei den erheblichen Mängeln ebenfalls verschlechtert. Auffällig sind Mängel an der Lenkung, Ölverlust und bei den Älteren auch Bremsen, die den Sachverständigen auffallen. Die Ausschläge sind größer geworden: Ab dem zweiten Jahr sinkt die Zahl der Fahrzeuge, die sofort durch die HU kommen, drastisch: nach fünf Jahren kommen noch 66,7 Prozent ganz ohne Mängel durch. Danach verändert sich die Quote wenig.

Die schweren Lkw jenseits der 18 Tonnen stehen bei der ersten Untersuchung noch gut da. Auch wenn die Zahl der Einjährigen ohne Mängel leicht gesunken ist auf 86,9 Prozent. Das sind nur 0,1 Prozentpunkte unter dem Wert der 7,5- bis 18-Tonner. Altersbedingt nehmen die Beschwerden dann aber deutlich zu. Auch hier ein ähnliches Bild wie bei der Gewichtsklasse darunter: Nach fünf Jahren sind es nur noch 66,5 Prozent, nach zehn Jahren nur noch knapp über die Hälfte. Die Ursachen für die Langzeitsymptomatik sind schnell ausgemacht: Hohe Arbeitsbelastung in bedrohlichem Ambiente – etwa auf Baustellen oder im Wald – wenig Regeneration. Der harte Nutzungsstil führt vor allem zu häufigen Beanstandungen an der Lenkung, Ölverlust und schlechten Umweltwerten. Ungefähr jeder Vierte muss sich in hohem Alter neu vorstellen, bevor er die Plakette für die Weiterfahrt bekommt.

Zum Schluss noch ein Blick auf die Anhänger. Hier bleiben die Werte stabil auf gleich gutem Niveau. Bei denen zwischen 3,5 und 10 Tonnen verbessert sich die EM-Quote sogar leicht.

Insgesamt sind die Nutzungsvarianten von Lkw derart vielfältig, dass der Kauf eines Gebrauchten eine komplizierte Angelegenheit ist. Vor diesem Hintergrund bietet der Blick auf die Wartungsintervalle eine gute Orientierung. Wer ganz sicher gehen will, lässt sich fachkundig unterstützen. Die Fachleute untersuchen das Fahrzeug und fertigen einen umfassenden Prüfbericht an.