Der Tourismus ist eine der unterschätzten Branchen. In manchen Ländern stellt er den wichtigsten Wirtschaftszweig dar. Deshalb ist es völlig unverständlich, dass er äußerst stiefmütterlich behandelt wird. Das gilt besonders für Deutschland und Europa, meint luckx – das magazin.
Urlaubsreisen 2026
Die ersten Urlaubsmessen zeigten und zeigen Reisewilligen die möglichen Reiseziele auf. Auch bisher nicht auf der bucket list notierten Destinationen drängen sich den Europäer auf. So stellte sich Angola als Partnerland der CMT in Stuttgart vor. Auch während der größten Tourismusmesse ITB in Berlin ist Angola Partnerland. Natur, endlose Strände und faszinierende Tierwelt sollen Reisende nach Afrika locken. Denn jeder Touristiker auch in der entferntesten Region der Welt weiß, Touristen bringen nicht nur Müll, neue Ideen und eine andere Zivilisation ins Land, sondern auch viel Geld. Das schafft Beschäftigung insbesondere in wirtschaftlich schwachen Regionen und Ländern. Wenn dann immer noch viele Gegner des Flugverkehrs das Rollfeld blockieren, sollten sie bitte viel mehr arbeiten, damit wir wie in der Vergangenheit durch Entwicklungshilfe dort für Einkommen sorgen können. Dabei gibt es doch nichts unbefriedigenderes als von Hilfe abhängig zu sein. Erst durch reguläre Arbeit können sich Menschen, kann sich eine Volkswirtschaft entwickeln. Entwicklungshilfe hat in der Vergangenheit leider gezeigt, dass sie durch Wohltaten nicht unbedingt den Kern der Bedürfnisse trifft, sondern durch Korruption die Taschen weniger füllt. Und wenn es dann zu viel wird, ist das Geschrei groß. Die Demonstrationen und Gewalt gegen Touristen in überfüllten Orten und Regionen ist hausgemacht. Denn es sind nicht die Touristen, die die Situation so gemacht haben, wie sie Einheimische und Politik bemängeln. Wer den Tourismus fördert, darf sich nicht über die Gäste beschweren, die zu Besuch kommen. Regelt es bitte untereinander, warum keine Wohnungen zur Verfügung stehen, warum Wasserknappheit vorhanden ist, warum die Gegend durch Müll verschmutzt wird. Denn wer Gäste tätlich angreift, macht sich nicht nur strafbar, sondern zerstört seinen eigenen Arbeitsplatz sowie das Ansehen einer Region und seines Landes.
Startbedingungen für den Tourismus 2026
Schon im Januar 2026 hat die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. (FUR) eine erste vorläufige Bilanz des Tourismusjahres 2025 erstellt und die touristischen Trends des neuen Jahres ermittelt. So wuchs der internationale Tourismus weiter. Weltweit wird die Zahl der Ankünfte von internationalen Gästen voraussichtlich bei ca. 1.536 Mio. liegen, nach 1.468 Mio. in 2024 [Quelle: UNWTO und Schätzung FUR]. Damit liegt das Volumen des internationalen Tourismus über dem Niveau von 2019. In Deutschland stieg in den ersten zehn Monaten des Jahres 2025 die Zahl der Gästeübernachtungen im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum kaum auf 433,5 Mio. (+0,1%) [Quelle: Statistisches Bundesamt, 2025]. Für das ganze Jahr 2025 wurden 497,5 Mio. Übernachtungen in Deutschland gezählt. 2024 und 2019 waren es 496 Mio. gewesen. Für den Bereich der Urlaubsreisen (min. 5 Tage Dauer) der in Deutschland lebenden Bevölkerung erwartet die FUR nach den vorläufigen Daten auf der Basis der RA online vom Jahresende für 2025 ein stabiles Niveau der Nachfrage mit einem Volumen von ca. 69 Mio. Urlaubsreisen (68,3 Mio. im Vorjahr 2024). Die Zahl der Kurzurlaubsreisen (Dauer zwei bis vier Tage) liegt bei etwa 98 Mio. (+ 1% ggü. Vorjahr) [Quelle: Trendabschätzungen auf der Basis der RA 26, RA online Erhebung im Nov. 25]. Reisebüros, Reiseveranstalter, Airlines und Kreuzfahrtreedereien berichten für das Jahr 2025 wachsende Umsätze bei etwa identischen Gästezahlen. Die Zahl der Flugreisen ins Ausland ist gestiegen, liegt aber immer noch unter dem Niveau von 2019.
Auch Camping beliebt
Die Zahl der Übernachtungen auf Campingplätzen in Deutschland stieg in 2025 um etwa 4,2 % auf 44 Mio., was einem Marktanteil von 10% entspricht. Bei rund 6% der Urlaubsreisen der Deutschen werden Wohnmobil, Wohnwagen oder Zelt als Unterkunft genutzt. Weit größer ist das Potenzial für die Zukunft: 10% der Deutschen interessieren sich für einen Wohnmobilurlaub, 6% für einen Wohnwagenurlaub in den nächsten drei Jahren [Quelle RA 25].
Wirtschaftliche Lage
Die Indikatoren für die touristische Nachfrage im Jahr 2026 spiegeln zunächst die als angespannt wahrgenommene wirtschaftliche Situation wider. Hinsichtlich der erwarteten allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung sind die Deutschen eher pessimistisch: 59% erwarten hier eine Verschlechterung. Besser wird die persönliche wirtschaftliche Entwicklung eingeschätzt: 24% (Vorjahr 22%) erwarten, dass sich ihre persönliche wirtschaftliche Situation in einem Jahr verbessert haben wird; 30% (Vorjahr 34%) befürchten eine Verschlechterung. Die restlichen 46% erwarten keine Veränderung.
Ob jemand 2026 tatsächlich eine Reise antritt, ist vor allem eine Frage des Könnens (Zeit und Geld?) und des Wollens (Urlaubslust?). FUR fragte direkt danach. So ist die Urlaubslust mit 59% auf einem hohen Stand; das gilt auch für den Faktor Zeit (69%). Ebenfalls eine Mehrheit (60%) ist sich sicher, dass das Geld für Urlaub auch 2026 vorhanden ist.
Nach konkreten Reiseabsichten gefragt, planen bereits 67% der Bevölkerung eine oder mehrere Urlaubsreisen. Nur 9% haben keinerlei Reiseabsicht. Gegenüber dem Vorjahr haben weniger Befragte konkrete Urlaubsreisepläne für 2026. Gewachsen ist die Zahl derjenigen, die hinsichtlich einer Urlaubsreise 2026 noch unsicher sind. [Quelle: RA 2026, Erhebung RA online 11/2025]
Entwicklungen und Trends
Das Urlaubsgeschehen im Jahr 2025 oder 2026 ist eingebettet in eine langfristige Entwicklung vieler Faktoren und Determinanten, etwa die Struktur der Bevölkerung (Altersaufbau), die technologische Entwicklung oder die Einstellungen zu urlaubsrelevanten Themen. Die Zeitreihen der Daten aus der Reiseanalyse zeigen, dass der demographische Wandel fortschreitet, aber im Tourismus keine große Dramatik entwickeln wird. Der Wandel in der Informationstechnologie beeinflusst vor allem Informationsstrategien und Buchungsprozesse, ohne dass jedoch Reisebüros oder Reiseveranstalter überflüssig werden. Gegenüber der Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI) für Urlaubsreisen sind viele Urlauberinnen und Urlauber offen (48% positiv, 24% negativ). Bei den Einstellungen fällt die starke Wertschätzung von Urlaubsreisen auf. Immer mehr Deutsche (2025: 22%, 2013: 13%) wollen es in den Ferien so richtig luxuriös und haben dafür eine hohe Ausgabebereitschaft. [Quelle: RA 2025, 2026, Erhebung RA online 9 und 11/2025].
Für 2026 sind die Vorzeichen in der Tourismusnachfrage insgesamt positiv. Beim Volumen der Reisen ist Stabilität auf hohem Niveau zu erwarten. Das Verreisen ist den Deutschen eine liebgewonnene Gewohnheit. Aus dem gesellschaftlichen Umfeld gibt es langfristige Herausforderungen und auch Unsicherheiten wegen aktueller Krisen, die den Tourismus beeinflussen können. Auf der Nachfrageseite sind Zukunftssorgen aber nicht grundsätzlich ein Hindernis für Urlaubsreisen.
Es wird wieder deutlich, dass den Urlaubsreisenden viele verschiedene touristische Angebote zusagen. Sie sind kompetente Kunden, multioptional, flexibel und neugierig: 48% planen, in diesem Jahr ein Ziel zu besuchen, in dem sie noch nicht gewesen sind. [Quelle: RA 2026, Erhebung RA online 11/2025].