Hotelurlauber kennen das Problem: Kaum ist der erste Sonnenstrahl am Horizont zu entdecken, geht der Run auf die Poolliegen los. Wer etwas länger schlafen möchte, geht leer aus. Doch das könnte nun in diesem Sommer vorbei sein, wie luckx – das magazin recherchierte.
Immer wieder Ärger
Der Sänger Barde Reinhard Mai sang 1972 einmal ein von der heißen Schlacht am Kalten Buffet. Im Urlaub ist es dann meist umgekehrt. So findet zuerst die Schlacht am heißen Pool um die Liegen statt, bevor es dann zum Frühstückbuffet geht. Wer zuerst sein Handtuch abgelegt hat, hat schon einmal die Schlacht um die Liege gewonnen. Wer zuerst kommt, malt zuerst, denken die Meisten. Doch nun wurde die Schlacht anders entschieden, als sich die Urlauber es vorstellen konnten. So erhielt ein deutscher Urlauber nach einem Streit um mit Handtüchern reservierte Sonnenliegen rund 900 € Entschädigung. Zahlen musste es der Reiseveranstalter. Es ist also kein Einzelfall, wie wir von luckx – das magazin recherchierte. Viele Reisende ärgern sich nicht nur über schlechtes Benehmen im Urlaub – sie geben auch zu, selbst dazu beizutragen. Ob das Reservieren von Liegen per Handtuch oder das Abspielen von Videos ohne Kopfhörer – die Ergebnisse offenbaren eine gewisse Doppelmoral zwischen dem, was Reisende selbst tun, und dem, was sie von anderen erwarten. So kommt es alle Jahre wieder zum Kampf um die besten Liegen am Pool. Interessant ist aber, dass Reisende selbst zugeben, Teil des Problems zu sein. In ganz Europa ist ein wiederkehrendes Muster zu beobachten. So zeigen Urlauber schnell mit dem Finger auf das, was sie stört. Selbst machen sie aber häufig vieles davon. Es geht weniger um einzelne Störenfriede als um alltägliche Dinge, die sich summieren und besonders an vollen Urlaubsorten zum Ärgernis werden.
Reservierung
In Deutschland geben 19 % der Reisenden zu, schon einmal eine Liege am Pool mit einem Handtuch belegt zu haben. Gleichzeitig empfinden 44 % genau dieses Verhalten als eine der nervigsten Unarten im Urlaub. Anscheinend ist in Deutschland diese Diskrepanz besonders auffällig. Mehr als doppelt so viele Menschen ärgern sich über so ein Verhalten, im Gegensatz zu denen, die zugeben, es selbst zu tun. Das deutet darauf hin, dass den meisten die Wirkung durchaus bewusst ist – im entscheidenden Moment siegt aber der Wunsch nach Komfort, vor allem wenn die Konkurrenz um Plätze groß ist.
In Spanien geben nur 10 % der Befragten zu, Liegen am Pool zu reservieren – dennoch empfinden 37 % dieses Verhalten als eine der frustrierendsten Unarten im Urlaub. So nervt diese Angewohnheit die Menschen sehr, obwohl vergleichsweise wenige Reisende zugeben, selbst Sonnenliegen zu belegen. Das zeigt, wie stark ein solches Verhalten – besonders an gemeinsam genutzten Orten wie Hotelpools – das Urlaubserlebnis anderer prägen kann. Darüber hinaus reagieren spanische Reisende besonders empfindlich auf Lärm. So gehören laute Gespräche und das Abspielen von Medien ohne Kopfhörer zu den größten Ärgernissen.
In Frankreich geben 30 % der Reisenden zu, am Handy zu hängen und dabei zu vergessen, die Umgebung zu genießen – damit ist es eine der häufigsten Gewohnheiten im Urlaub. Klassisch störende Verhaltensweisen wie das Reservieren von Poolliegen bleiben hingegen vergleichsweise selten (11 %).
So hat sich das Reiseverhalten geändert. Es geht nicht immer darum, was andere stört, sondern auch darum, wie präsent man selbst im Urlaub ist. In Frankreich spielt Ablenkung eine große Rolle. Viele Reisende merken, dass sie das eigentliche Erlebnis verpassen – auch wenn ihr Verhalten andere nicht direkt beeinträchtigt.
Europaweiter Trend
In ganz Europa zeigt sich immer wieder dieselbe Dynamik: Die nervigsten Urlaubsgewohnheiten sind oft zugleich die verbreitetsten. So beschweren sich Reisende nicht nur über schlechtes Benehmen – sie geben zu, selbst einige schlechte Angewohnheiten zu haben. Je mehr Menschen sich an einem Ort tummeln, desto stärker fallen selbst kleine Dinge ins Gewicht. So gehören das Belegen einer Sonnenliege, Telefonieren über Lautsprecher oder das Beanspruchen von zusätzlichem Platz in Bus und Bahn zu den größten Ärgernissen. Diese sind im Urlaub keine Extremfälle. Eigentlich sind es die alltägliche Gewohnheiten, die man nur schwer ablegt. Rücksichtnahme gegenüber anderen wird damit genauso wichtig wie die Reiseplanung selbst – besonders dort, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen.