Kriege und Krisen behindern den Blick auf unsere Umwelt. So scheint im Angesicht dieser Ereignisse die Vermüllung der Ozeane außer Kontrolle zu geraten. Entschlossenes politisches Handeln? Fehlanzeige, wie luckx – das magazin recherchierte.
Vermüllung der Meere
Die Verschmutzung der Meere hat ein dramatisches Ausmaß erreicht: Jährlich gelangen weltweit bis zu 23 Millionen Tonnen Plastik in die Gewässer – mit verheerenden Folgen für die marinen Ökosysteme und damit auch für unsere Lebensgrundlagen. Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) hat dem Bundesumweltministerium ein umfassendes Positionspapier vorgelegt und fordert entschlossene politische Maßnahmen, anstatt die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu ignorieren und eine Ausweitung der Umweltkatastrophe in Kauf zu nehmen. Ob es auch bei der in der Ostsee versuchten Rettung eines Wales auch Plastik im Magen zu finden sein würde, werden wir wohl nie erfahren. Aber ein Delfin, dessen Atemwege durch eine Plastiktüte blockiert sind, wurde dokumentiert. Doch Mikroplastik bedroht das Plankton als Fundament marinen Lebens. Diese Fälle sind keine Ausnahmen, sondern stehen stellvertretend für eine globale Krise. Die Kontamination der Meere mit Plastik ist neben der Klimakrise und dem Verlust der Biodiversität die dritte große Umweltkrise unserer Zeit und verdeutlicht gleichzeitig das Versagen der Politik – zuletzt beim Scheitern des so dringend erforderlichen globalen Plastikabkommens im August vergangenen Jahres. Obwohl die Ursachen bekannt und die Folgen gravierend sind, fehlt es weiterhin an verbindlichen und wirksamen Maßnahmen. „Wir ersticken die Meere in Plastik und reden uns ein, Recycling würde das Problem lösen. Die Wahrheit lautet: Wir produzieren weiter Kunststoffe, als gäbe es kein Morgen“, betont Sigmar Solbach, 1. Vorsitzender der GRD.
Eskalierende Umweltkrise
Plastik befindet sich heute in allen Meeresregionen – von der Wasseroberfläche bis zur Tiefsee. Einmal dort angekommen, zersetzt es sich im Laufe der Zeit zu Mikroplastik und belastet für Jahrzehnte die Meeresumwelt. Von Kleinstlebewesen wie Plankton bis zum Blauwal gibt es kein Entkommen. Bedroht werden nicht nur sämtliche Meeresorganismen, sondern die Funktion ganzer Ökosysteme. Die Folge: Auch die für uns Menschen so lebenswichtigen Ökosystemleistungen der Ozeane wie Sauerstoffproduktion, Nahrungsversorgung und Klimaregulation werden negativ beeinflusst. Vor diesem Hintergrund und Prognosen, die bis zum Jahr 2050 noch einmal von einer Verdopplung der weltweit produzierten Kunststoffe ausgehen steckt die Welt längst in einer eskalierenden Umweltkrise, deren Dimensionen kaum zu überblicken sind. Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. nimmt daher die Bundesregierung in die Pflicht und fordert die Einnahme einer Führungsrolle bei der Bekämpfung der Plastikflut. Dies beinhaltet neben dem Einsatz für ein ambitioniertes und rechtlich verbindliches UN-Plastikabkommen auch die konsequente Umsetzung bestehender EU-Vorgaben auf nationaler Ebene.
Verbindliche Maßnahmen gefordert
„Der aktuelle Zustand der Meeresumwelt verdeutlicht schonungslos die unzureichende Wirkung bisheriger Maßnahmen. Ohne konkrete und verbindliche Maßnahmen auf nationaler, EU- und globaler Ebene wird sich die Plastikkrise weiter verschärfen. Es drohen irreversible Schäden für die marine Biodiversität und die Lebensgrundlagen der Menschen“, erklärt die GRD-Biologin Kira Heinemann. Ach ja, auch wir Urlauber wollen weder in Fäkalien noch im Plastikmüll unseren Urlaub genießen. Deshalb ist es im Interesse aller Urlaubsländer aktiv für ein sauberes Wasser zu sorgen. Fäkalien, Plastikflaschen und Plastiktüten sehen wir. Doch Mikroplastik ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen.