Mit 70 noch aufs Dach?

Wenn Politiker Politik machen, verlieren sie schnell die Bodenhaftung. Nicht anders lässt sich die Politik der Bundesregierung beurteilen. Es fehlt seit Jahrzehnten Handwerkernachwuchs, weil Handwerksbetriebe die Ausbildung vernachlässigt haben. Nun schieß die Bundesregierung auch noch mit einer verfehlten Rentenpolitik dagegen, recherchierte luckx – das magazin.

Bedürfnisse der Bevölkerung aus dem Blick verloren

Der Dachdecker, der heute noch mit 65 Jahren aufs Dach geht. Die Erzieherin, die seit 45 Jahren das Kreischen der Kinder erlebt. Alle erfüllen jeden Tag nicht nur ihre Pflicht. Nein, ihr Beruf ist ihre Berufung, weil sie diese Aufgaben gern ausüben. Nun sollen sie trotz gestiegener Arbeitsanforderungen noch länger ihre Aufgabe erfüllen. Anscheinend ist das Ziel, dass sie als Rentner wie unsere Groß- und Urgroßeltern nur noch kurze Zeit im Rentenbezug bleiben. Denn früher war es so, dass Rentner schon kurz nach dem Renteneintritt verstarben. Vor 150 Jahren erreichten sie nicht einmal das Rentenalter, sondern verstarben mit 40 oder 45 Jahren bei der Arbeit. Sie waren einfach verbraucht. Die heutigen Rentner und die Arbeitnehmer, die demnächst ins Rentendarsein überwechseln, haben diese Leistungen erarbeitet. Sie haben in die Sozialkassen eingezahlt, woraus sich der medizinische Fortschritt erst entwickeln konnte. Und heute sollen sie dafür bestraft werden, dass sie diese Beiträge gezahlt haben, auf das Rentensystem vertrauten und nun von der Politik über den Tisch gezogen werden.

Ausbildung im Handwerk

Unter diesen Gesichtspunkten ist es verwunderlich, weshalb junge Menschen den Weg in eine handwerkliche Ausbildung suchen und nicht studieren oder sich in die soziale Hängematte legen.Allein in Bayern konnte das Dachdeckerhandwerk eine Zunahme bei den Auszubildenden vermelden. 15 % im Vergleich zum Vorjahr. Junge Menschen wollen anscheinend etwas schaffen. Zeigen, das sie etwas können. Gerade in der heute digitalisierten Welt sind wir weiterhin auf das Handwerk angewiesen. Denn eine KI deckt kein Dach und reinigt auch keine Dachrinne. Und wenn es um Zukunftsinvestitionen geht, sind Dachdecker auch bei der Montage von Solaranlagen ganz oben dabei. Die Freude über die guten Nachwuchsperspektiven wird jedoch getrübt durch den anhaltenden Reformstau in der Politik in vielen Bereichen. Es fehlen Strukturreformen. Rentenversicherung, Krankenversicherung und Arbeitszeitrecht behindern die Weiterentwicklung. Die hohen Arbeitskosten sind neben Überregulierung und Materialpreis-Krise ein lähmender Faktor in der Baukonjunktur. Nichtsdestotrotz will das Dachdecker-Handwerk nach vorne schauen und die eigene Branche zukunftsfähig machen. Das Thema Ausbau der Kreislaufwirtschaft steht daher im Blickpunkt.

Energiewende

Das Dachdeckerhandwerk ist wie viele andere Handwerker geradezu prädestiniert, die Energiewende im Gebäudesektor voranzutreiben. Ob das auch mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz (GmodG) statt mit Gebäudeenergiegesetz (GEG) gelingen soll, bezweifelt das Handwerk generell. Dagegen löste eine Entscheidung des Oberlandesgericht (OLG) Koblenz Jubel im Handwerk aus. Denn für die Planung, Installation, Inbetriebnahme und Wartung von PV-Anlagen ist die Eintragung in die Handwerksrolle als Dachdeckerbetrieb bzw. Elektrofachbetrieb zwingend erforderlich. Die Handwerker vermuten, dass Verbraucher künftig vor dem nicht selten gefährlichen Pfusch von selbsternannten Solarteuren geschützt werden. Diese würden im Akkord und ohne Fachkenntnisse im Dachdeckerhandwerk Solaranlagen auf den Dächern mehr schlecht als recht montieren. Ob dem tatsächlich so ist, ist nur eine Annahme. Denn klar ist doch auch, dass europaweit Handwerker fehlen, die Ausbildung weiterhin zu wenig voran kommt und Migration unterbunden wird. Uns fehlen bundesweit hunderttausende Arbeitskräfte in allen Branchen; vom LKW-Fahrer, über Elektriker bis zum Dachdecker. Mit diesem Urteil wird der Energiewende ein Bärendienst erwiesen.

Wo ist die Weitsicht?

Doch nicht nur Richtern fehlt die Weitsicht. Wahrscheinlich weil sie auch wie Politiker finanziell gut ausgestattet werden, ist ihnen die Wohnungsnot nicht bewusst. Fehlender Wohnraum lässt sich weder durch kluge Reden noch durch Gesetzesänderungen bauen. Es geht nur durch Handeln. Die Kosten müssen runter – zum Wohle der Menschen. Wenn beispielsweise ein ominöser Tankrabatt nur die Taschen der Mineralölkonzerne füllt, setzt Politik die falsche Signale. Aktuell ist der Ölpreis unter Trumps Irankriegsbeginn. Trotzdem müssen Autofahrer und Spediteure, Bauern und Baumaschinenfahrer hohe Kraftstoffpreise an der Tankstelle abdrücken. Dadurch steigen die Preise für Lebensmittel, Häuser bauen, Krankentransport und alles andere. Der Frust bei den Bundesbürgern steigt unaufhörlich. Und die Angst der Politiker vor den nächsten Wahlen auch. Doch die haben daran Schuld, dass es soweit gekommen ist. Nach der Wahl kommt der Bumerang zu den Wähler zurück, wenn die polnische Pflegekraft das Land verlassen muss und der rumänische LKW-Fahrer nicht mehr nach Deutschland einreisen darf. Aber vielleicht schwingt sich dann der eine oder andere AFD Günstling auf den Fahrersitz oder leert die Bettpfanne.