Fishermen Friends

Ob Bier, Butter oder Fisch – um diese Lebensmittel haltbar zu machen, müssen sie gekühlt werden. Erst mit der Erfindung der ersten Kältemaschine 1874 durch Carl Linde konnten Lebensmittel gekühlt werden. Interessant dabei ist, dass die deutschen Brauer die ersten waren, die die Notwendigkeit erkannten. Denn nur gekühltes Bier ist haltbar. Bis dato mussten im Winter sozusagen Eiszapfen geerntet werden und im Eiskeller eingelagert werden. Dafür wurden besondere Gestelle neben den Brauereien in der Winterzeit aufgebaut und mit Wasser berieselt. Was passiert heute, um Lebensmittel zu kühlen. Luckx – das magazin hat recherchiert, wie indonesische Fischer das Problem lösen.

Solar-Eismaschine

Indonesiens Kleinfischer können ihre Fische wegen fehlender Kühlmöglichkeiten oft nicht zu den Verbrauchern transportieren. So können sie zwar die Fische fangen. Bis sie dann auf dem Markt zum Verkauf angeboten werden können, ist ein Teil der Ernte schon verdorben. So muss immer mehr Fisch zur Versorgung der Bevölkerung gefangen werden als erforderlich ist. Indonesiens Politik will aber die Fischbestände erhalten und das Einkommen der Fischer in abgelegenen Gebieten sichern. Entscheidend ist dafür die lückenlose Kühlung des Fangs. Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) hat die Entwicklung einer sonnenbetriebenen Eismaschine angestoßen und begleitet. Zusammen mit mehreren indonesischen, deutschen und europäischen Unternehmen wurde zudem die Produktion in Indonesien etabliert. Die Entwicklung hat 2016 begonnen, die Pilotanlage lief 2018 erfolgreich an – im aktuellen Jahr 2021 wird in Indonesien die erste kommerzielle Anlage in Betrieb gehen.

Die Technologie stellt gemäß der Leitidee Industrie 4.0 eine dynamische und automatisch an die zur Verfügung stehende Sonnenenergie angepasste Eisproduktion von bis zu 1.2 Tonnen Blockeis pro Tag sicher. Dazu ist weder ein Stromanschluss noch ein teurer großer Batteriespeicher nötig. Dadurch können Eisblöcke in Orten abseits von Stromnetzen hergestellt und für die Kühlung von lokal gefangenem Fisch genutzt werden.

Technische Herausforderungen

Steffen Sinn, Area Sales Manager für Asien beim Ventilatorenhersteller Ziehl-Abegg, erklärt die Technik: „Die Solarmodule sind keine starke Stromquelle, daher mussten extrem energiesparende Ventilatoren eingebaut werden.“ Ziehl-Abegg ist globaler Technologieführer bei Ventilatoren mit einem optimierten bionischen Profil. „Wir haben uns abgeschaut, warum Eulen besonders leise und auch energiesparend fliegen können“, erklärt Sinn. Daher sind gerade diese bionischen „Eulen-Ventilatoren“ im Solar Ice Maker eingesetzt worden. Entwickelt wurde dieser neuartige Anlagentyp im Rahmen einer mehrjährigen deutsch-indonesischen Zusammenarbeit. „Die Fische verderben nicht, die Eisproduktion funktioniert völlig klimaneutral“, freut sich Frank Stegmüller von der GIZ. „Das ist eine echte deutsch-indonesische Erfolgsgeschichte.“

Indonesien ist die weltweit führende Thunfischproduktionsnation und der zweitgrößte Fischproduzent überhaupt. Doch Kleinfischer, die umweltverträgliche Fangmethoden praktizieren, können ihre Fische wegen fehlender Kühlmöglichkeiten oft nicht zu den Verbrauchern transportieren. Die Folge: Die Kleinfischer können sich gegenüber der Industriefischerei kaum behaupten; viele Fische verderben, die Fischer verarmen. Jetzt können die Fischer das Eis kaufen und die Fische mit ihren Booten zum Markt transportieren. Diese kommen dann frisch bei den Verbrauchern in hoher Qualität an. So können die Fischer auch ihr Einkommen sichern.