Wohin entwickelt sich unsere Arbeitswelt?

Nur noch selten lassen sich Schreibmaschinen im Büro finden. Meist werden diese Relikte aus der digitalen Steinzeit – wenn´s denn eine Elektrische mit Speicherfunktion ist – zum Ausfüllen irgendwelcher Verwaltungsformulare digital vernachlässigter Behörden genutzt. Doch auch „Gabriele“ wird das Büro verlassen, weil sie unwiederbringlich mit der Digitalisierung ersetzt wird. Was sonst noch in unseren Arbeitswelt passiert, hat luckx – das magazin recherchiert.

Digitalisierung und demografische Wandel

Für die Jüngeren unserer Leser sei aufgeklärt, dass Gabriele nicht fleischlichen Bluts ist, sondern es sich um das oben ersichtliche Exemplar einer Schreibmaschine handelt. Schreibmaschinen lassen sich am ehesten als eine Art Tastatur beschreiben, die mechanisch mit einem Buchstaben verbunden sind. Beim Anschlag – im wahrsten Sinne des Wortes – auf einen Buchstaben schnellt ein Hebel hervor und hinterlässt auf einem Blatt Papier einen Buchstaben.

Doch diese Behäbigkeit der Schreibmaschine charakterisiert eigentlich vortrefflich den bis wenigen Monaten real existierenden Büroalltag in Deutschland. Die Menschen gemachte oder technisch bedingte Digitalisierungsverweigerung wurde pulverisiert. Leider bis auf den Schulunterricht, wo immer noch mit Kopien und gebundenen Schulbuch gearbeitet wird, was weder umweltfreundlich noch auf der höhe der Zeit ist. Der Megatrend New Work schlich sich trotzdem in die deutsche Arbeitswelt. Doch stellt sich nun die Frage, wie der Büroalltag nach der Pandemie aussehen wird und welche Erwartungen zukünftig an die Arbeitswelt gestellt werden sollten. Einer Erhebung des Beratungsunternehmens Ernst & Young zufolge, möchten zukünftig 81 Prozent der Befragten nicht mehr an allen Wochentagen im Büro arbeiten. Demnach ist der Wunsch nach Home Office groß. So wird es voraussichtlich auch nach der Eindämmung der Pandemie vermehrt das Angebot geben, von zuhause oder mobil zu arbeiten.

Remote Arbeiten

Das Arbeiten von zuhause bietet eine Vielzahl an Vorteilen: Lange Arbeitswege entfallen, ebenso wie der damit verbundene Stress und Zeitaufwand und führen so zu einem Freizeitgewinn. Der Beginn des Arbeitstages ist deutlich entspannter. Hier ist aber auch die allgemeine Zeiteinteilung des Arbeitstages zu nennen, da Sie diese im Home Office mitunter deutlich individueller gestalten können. Für Pendler sind das Plus im Portemonnaie durch geringere Benzinkosten oder der Wegfall der monatlichen Zugfahrkarte ebenfalls willkommene Effekte. Darüber hinaus finden viele zuhause ein ruhigeres Arbeitsumfeld vor, denn besonders in Großraumbüros kann es manchmal ganz schön laut werden.

Neben den genannten Vorteilen, die diese Arbeitsform bietet, birgt sie leider auch einige Risiken. Beispielsweise steigt bei der Arbeit im Home Office die Gefahr an einem Burn-out zu erkranken nachweislich. Das liegt daran, dass bei der Heimarbeit ein höherer Leistungsdruck empfunden wird, wenn man beruflich aufsteigen möchte. Grund dafür ist der fehlende persönliche Kontakt zu den Vorgesetzten, der durch ein gesteigertes Arbeitspensum und ständige Erreichbarkeit kompensiert wird. Das Arbeiten im Home Office verlangt mehr Zeit- und Kraftaufwand und ist dadurch deutlich schwieriger. Doch auch auf sozialer Ebene gibt es Nachteile: Der Austausch mit den Kollegen, ein kleiner Plausch beim Kaffee oder jegliche weitere spontane Begegnungen sind im Home Office nicht möglich. So wird die Aufrechterhaltung sozialer Beziehungen erheblich erschwert, was zu Gefühlen der Isolation und Einsamkeit führen kann.

Arbeitsgesundheit

Natürlich ist die New Work-Bewegung nicht zwangsläufig ans Home Office gebunden. Durch die Corona-Pandemie hat sich der Fokus aber dahingehend verschoben. Es geht bei New Work vielmehr darum, dass die Arbeit zukünftig mit den individuellen Interessen, Bedürfnissen und Werten sowie dem Wohlbefinden des Arbeitnehmers im Einklang steht. Dazu gehören auch Maßnahmen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Der herkömmliche Büroalltag ist durch langes Sitzen und wenig Bewegung gekennzeichnet. Die Wahrscheinlichkeit, an Diabetes, Übergewicht oder Bluthochdruck zu erkranken, steigt erheblich. Doch durch freiere und flexiblere Arbeitseinteilungen kann die Motivation uns mehr zu bewegen und Sport zu treiben steigen. Vorausgesetzt, jeder einzelne legt auch die notwendige Disziplin an den Tag. Genau das ist essenziell, um Körper, Geist und Seele gesund zu halten. Hier setzt New Work den Grundstein für den Arbeitsplatz von morgen.

Jeder Mensch ist anders und hat andere Bedürfnisse. Wie der perfekte Arbeitsplatz der Zukunft aussieht, ist noch nicht abzusehen, da es nicht die eine Lösung für alle gibt. Fest steht jedoch, dass immer mehr Menschen Wert auf körperliche Aktivitäten im Büroalltag legen. Besonders der Rücken profitiert davon, denn das ständige Sitzen in ein und derselben Position kann dauerhaft zu starken Beschwerden führen. Es braucht also die kleinen Bewegungsverführer, die für eine zusätzliche Einheit an Aktivität im Arbeitsalltag sorgen sowie der richtigen Büroausstattung um dem entgegenzuwirken – die ein oder andere Übung am Arbeitsplatz oder auch am Feierabend hilft zusätzlich.

Die nächsten Schritte

Sowohl das aktiv-dynamische Sitzen als auch höhenverstellbare Schreibtische sind weiterhin auf dem Vormarsch und bieten eine willkommene Abwechslung für den Rücken. Aber was ist damit eigentlich gemeint? Beim aktiv-dynamischen Sitzen wird möglichst oft Ihre Sitzhaltung gewechselt. Getreu dem Motto: Die nächste Sitzhaltung ist die bessere Sitzhaltung. Gefördert wird das durch Aktiv-Bürostühle, die, je nach System, auch unbewusst für eine höhere Anzahl an Haltungswechsel sorgen, als es bei herkömmlichen „unbeweglichen“ Bürostühlen der Fall ist. Deshalb sind sie u.a. besonders empfehlenswert für Menschen, die durch ihre fast ausschließlich sitzenden Tätigkeiten auf zusätzliche Bewegungsimpulse angewiesen sind. So sind sie nicht nur die ideale Ergänzung für einen Sitz-Steharbeitsplatz – ihr Wohlbefinden und Ihre Leistungsfähigkeit werden so nachweislich gesteigert.

Doch das Sitzen ist der eine – aber wichtige – Faktor. Wer seinen Homeoffice-Arbeitsalltag individuell gestalten möchte, wird sein Büro mit aktiven Elementen ausstatten. Dazu könnte eine Yogamatte genauso wie ein Fahrradergometer oder ein Minitrampolin gehören. Neben einem Sofa, einer Musikanlage, einem Bücherregal, einem Schlagzeug und vielleicht noch einem Besprechungstisch ließe sich der Homeoffice-Arbeitsalltag schon einmal ganz individuell gestalten. Und nicht nur das: Dadurch könnten Leistungsanreize geschaffen werden.

Doch aufgepasst: Falls die Finanzbehörden von dieser Arbeitsumgebung erfahren, könnten sie schneller als gedacht das Homeoffice als Hobbyraum abtun. Dann ist nichts mehr mit steuerlicher Anerkennung. Dann wären wir wieder bei „Gabriele“, der digitalen Steinzeit und auf dem besten Weg in die wirtschaftliche Drittklassigkeit. Die Hoffnung ist, dass wir dann wirtschaftliches Asyl oder Entwicklungshilfe aus dem Jemen (oder einem anderen Staat) bekommen.