Gebäudehülle

Gern wird immer die Gebäudehülle als Energieverschwender Nummer eins angesehen. Sicherlich geh über Wände, Fenster, Türen und Kellerdecken viel Energie verloren. Doch, so hat die KfW schon vor längerer Zeit erforscht, stehen die Kosten in keinem Verhältnis zum Energieertrag, wie luckx – das magazin recherchierte.

Energetische Einsparziele

Deutschland drohen wegen der Verfehlung der Einsparziele für Treibhausgasemissionen aus der EU-Klimaschutzverordnung ESR (Effort Sharing Regulation) empfindliche Ausgleichs- und Strafzahlungen. Die geringen Anstrengungen zur CO2-Reduzierung, insbesondere im Gebäude- und Verkehrssektor, kosten die deutschen Steuerzahler bis 2030 voraussichtlich mehr als 100 Milliarden Euro. Das zeigt eine Untersuchung des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle e.V. (BuVEG). So sollte Deutschland dringend den Sanierungs-Turbo für energetisch schlechte Gebäude zünden. Diese Gebäude sind nicht nur eine Energiekostenfalle für ihre Bewohner, sondern werden auch zu einer unnötigen Belastung für alle Steuerzahler. Nur eine ambitionierte Gebäudesanierungspolitik kann verhindern, dass Deutschland in eine wirtschaftliche und klimapolitische Sackgasse gerät. Eine konsequente Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie EPBD wäre ein guter Anfang. Die Bundesregierung sollte nicht fahrlässig den Verlust von 100-Milliarden in Kauf nehmen. Dieses Geld wäre besser zur Steigerung der Energieeffizienz unserer Immobilien angelegt, führte der Verband aus.

Kosten für Eigentümer, Mieter und Vermieter

Die Kosten der Sanierung lassen sich unter strengen Auflagen auf die Mieter verteilen. Diese Mietsteigerungen hören sich im ersten Schritt nicht nach viel Geld an. Zwar sind die Mietsteigerungen schon in den letzten Jahren enorm gewesen, so dass vielleicht 60,- Euro pro Monat Mieterhöhung fürs Energiesparen nicht viel sind. Doch wenn sich dadurch bei den Heizkosten nur 5,- Euro einsparen lassen, ist das sowohl für Mieter als auch für Vermieter unbefriedigend. Mieter fühlen sich abermals übervorteilt und Vermieter können die energetisch sanierten Wohnung aufgrund der Mieterhöhung schlechter vermieten. Darüber hinaus bleiben sie auf einen höheren Kostenanteil sitzen. Wenn sie nur um 10 bis 20 Euro erhöht hätten, wäre eine Vermietung auch einfacher.

Zwar wird Deutschland die Emissionsreduktionsziele bis 2030 aller Voraussicht nach deutlich verfehlen. Auf Grundlage geringerer politischer Ambitionen ergibt sich in einem realistischen Einsparszenario bis 2030 ein hochgerechnetes Gesamtdefizit von rund 350 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. Dieses Defizit muss am Markt aus- oder durch eine EU-Sanktion beglichen werden. Mit einem zugrunde gelegte ESR-Zertifikatepreis von 300 Euro pro Tonne – Orientierung an Einschätzungen (UBA etc.) – ergeben sich Kosten von rund 105 Mrd. Euro. Erhöht sich der CO2-Preis oder das Defizit, entweder einzeln oder gemeinsam, steigen die zu erwartenden Zahlungen. Doch auch hier lässt sich heute schon absehen, dass diese Beträge nicht anfallen werden. Denn dadurch wird die wirtschaftliche Entwicklung geschwächt, was auch dem BuVEG bekannt sein sollte.

Gebäudesektor muss aufholen

Unbenommen ist, dass vor allem der Gebäudesektor aufholen muss. Denn seit Jahren werden die Zwischenziele zur Emissionsminderung verfehlt. Der Gebäudebestand verursacht knapp 40 Prozent der CO2-Emissionen. Rund 30 Prozent der Gebäude in Deutschland gehören zu den schlechtesten Effizienzklassen G und H. Die Sanierungsquote liegt derzeit nur bei etwa 0,7 Prozent – nötig wären mehr als zwei Prozent jährlich, um die Ziele noch zu erreichen. An der energetischen Gebäudesanierung hängen rund 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Wertschöpfung bei Produktion und Durchführung ist nahezu vollständig heimisch. Doch aufgrund der erheblich gestiegenen Baukosten wird aktuell kein Eigentümer und Vermieter hierfür die Geldkassette öffnen.