Tourismus kann zur Entwicklung einer Region beitragen und auch den Naturschutz verbessern. Doch dazu muss meist der politische Wille vorhanden sein und die Notwendigkeiten erkannt werden. Wie so etwas funktionieren kann, hat luckx – das magazin recherchiert und setzt den Bericht des ersten Teils fort.
Naturschutz und Wiederaufbau in den Alpen
Das OLM Nature Escape versteht sich ebenfalls als Teil des regenerativen Denkens. Das Hotel setzt bewusst auf Maßnahmen, die der Natur, der Region und der Gemeinschaft zugutekommen: ein Wildgarten mit Biotop-Pflanzen, eine Küche, die regionale Kreisläufe unterstützt, nachhaltige Mobilität und die Förderung lokaler, sozialer Projekte wie den Sägemüllerhof in Gais. Auch die Gäste werden aktiv einbezogen und motiviert, ihren Urlaub ressourcenschonend zu verbringen, zum Beispiel mit dem Verzicht auf die tägliche Zimmerreinigung, der Wahl sanfter, naturverbundener Aktivitäten wie Wandern, Waldbaden oder Eisbaden sowie der Nutzung regionaler Produkte. So entsteht ein Urlaubserlebnis, das mehr zurückgibt, als es nimmt, und Gäste zum Teil des Kreislaufs macht.
Ganzheitliche regenerative Konzepte
In der ADLER Lodge RITTEN können Urlauber unter anderem beim gemeinschaftlichen Gartenbau mithelfen. Der große Bauerngarten wird zusammen mit den benachbarten Jungbauern ökologisch und artenreich betrieben – ohne Monokultur und Pestizide. Die umliegenden Wiesen kommen mit minimaler Bewässerung aus und werden von Alpakas beweidet. Das erhält die Bodenstruktur und fördert so die Artenvielfalt. Die sanfte Architektur fügt sich harmonisch in die Landschaft ein; Barfußpfade durch den Wald laden die Gäste dazu ein, sich auf die Natur einzulassen, sie mit allen Sinnen zu erleben und motivieren so, sich für ihren Erhalt einzusetzen.
In anderen Resorts finden regelmäßig Strandreinigungen an der Küste statt, an denen sich Gäste, Mitarbeitende, Einheimische und NGOs gleichermaßen beteiligen. Bio-Gärten und Sinnesgärten machen die besondere Natur Südsiziliens zusätzlich erlebbar. Zweimal pro Woche finden zudem Nachhaltigkeitstouren durch das Resort statt, bei denen Interessierte lernen, wie die Wasseraufbereitung, Wärmepumpen und Tröpfchenbewässerung funktionieren. Außerdem erkunden sie die mediterrane immergrüne Buschwald-Vegetation des Torre-Salsa-Reservats. Diese bewusste Teilnahme an ökologischen Projekten macht den positiven Einfluss auf die Umwelt für Urlauber unmittelbar erfahrbar und verständlich.
Die Renaturierung von Seeufer und das Pflegen eines Biotops wird in anderen Hotels realisiert. So ist der Wolfsgrubener See ein beliebter Badesee, der für seine hohe Wasserqualität bekannt ist und oft als einer der saubersten Süßwasserseen Italiens bezeichnet wird. Uraluber erleben die Umgebung durch sanften Tourismus wie Spazierengehen, Sonnenliegen, Baden oder beim Rundgang um den See. Durch Informationen am Wegesrand und Impulse zum achtsamen Erleben wird den Gästen bewusst gemacht, wie wichtig respektvolles Verhalten für die Regeneration des Ökosystems ist.
Förderung der Biodiversität
Im Naturresort Gerbehof am Bodensee wird Artenvielfalt auf jedem Quadratmeter praktiziert: Auf den biozertifizierten, landwirtschaftlichen Flächen werden Blühstreifen für Bienen angelegt, im Wald wird auf einen gesunden Baumbestand geachtet, Käferholz entfernt und laufend Jungbäume nachgepflanzt. Im Frühjahr bleibt der Hotelgarten ungemäht, damit Gäste die Vielfalt der Blumen und Insekten erleben können; Rasenroboter sind hier nicht im Einsatz. Darüber hinaus knüpft das Naturresort an das Bildungsprojekt Überlinger Weltacker an: Auf einem Hektar wird dort anschaulich gezeigt, wie viel Land rechnerisch jedem Menschen zur Ernährung zur Verfügung steht, welche Pflanzen weltweit angebaut werden und wie nachhaltige Landwirtschaft funktioniert.
Wirtschaften im Kreislauf der Natur
Ein Baustein des regenerativen Ansatzes ist die zirkuläre Wirtschaft: Materialien werden im Wertstoffkreislauf gehalten, Energie effizient genutzt, Biodiversität gefördert und Emissionen reduziert oder (über-)kompensiert. Hotels, die diesem Prinzip folgen, schaffen Orte, an denen Gäste erleben können, wie nachhaltige Konzepte konkret wirken. Im Hotel Luise in Erlangen wird die Kreislaufwirtschaft ganzheitlich umgesetzt: Unversiegelte Flächen, ein eigens angelegter Mikrowald und vielfältige Artenschutzmaßnahmen sorgen dafür, dass Naturraum nicht nur erhalten, sondern aktiv inmitten der Stadt erschaffen wird. Gleichzeitig verfolgt das Hotel konsequente Ressourcenschonung, von Wiederverwertungskonzepten bis hin zur CO₂-Überkompensation durch Baumpflanzungen.
Mehr zurückgeben als nehmen
Die Beispiele der Green Pearls Hotels zeigen eindrucksvoll, dass Reisen mehr sein kann als bloßer Konsum von Landschaften und Freizeitangeboten. Regenerativer Tourismus bietet die Möglichkeit, dass Gäste nicht nur Zuschauer sind, sondern aktive Teilnehmer.
Von der Wiederbelebung historischer Dörfer in Ligurien über nachhaltige Projekte in Kroatien und Peru bis hin zur sensiblen Nutzung von Berg- und Küstenlandschaften in Deutschland, Österreich und Italien wird deutlich: Ein erneuernder Ansatz stellt ökologisches Engagement in den Mittelpunkt und verbindet es mit sozialen und kulturellen Themen. Für Reisende bedeutet dies, dass jede Reise zu einer Gelegenheit wird, einen positiven Beitrag zum Erhalt der Urlaubsregion zu leisten – aktiv und bewusst.
Ein Gedanke zu „Tourismus als Naturschutz“
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