Nun hat die Bundesregierung eine Reform der Führerscheinprüfung beschlossen. Der Verkehrsminister lässt sich davon auch nicht abbringen. So laufen Prüforganisationen und Fahrlehrer dagegen Sturm, wie luckx – das magazin recherchierte.
Unglaublich
Vor ein paar Tagen flatterte eine Petition auf den Redaktionstisch. Darin fordert doch tatsächlich ein Fahrlehrer, dass die bisherigen Bedingungen der Fahrschülerausbildung erhalten bleiben, um die Sicherheit auf den Straßen zu gewährleisten. Auch der TÜV-Verbanden bläst ins gleiche Horn und versucht mit seiner Pressearbeit Stimmung gegen die Reformpläne zu machen. Das stößt wahrscheinlich nicht nur bei uns in der Redaktion sauer auf. Denn das Ziel muss es doch sein, neben einer guten und soliden Fahrausbildung auch Fahranfänger nicht mit unsinnigen Anforderungen zu überfrachten. Denn wie jeder in der Aus-, Fort- und Weiterbildung weiß, verwirrt zu viel Wissen und macht es in der Praxis schwer umsetzbar. Deswegen ist eine Konzentration auf das Wesentliche der sinnvolle Weg. Und aus dem Lebensmitteleinzelhandel wissen wir doch, wie schwierig so manche Entscheidungen beim Einkauf sind. 10 oder 20 verschiedene Käsesorten verwirren, aber drei Sorten wie beim Discounter lassen viel schneller eine Entscheidung treffen. Und so manche Frage, liebe Fahrlehrer, bringt doch eher Konfusion als Klarheit. Aus eigener Erfahrung wissen doch Autofahrer ganz genau, wie schnell Entscheidungen bei unserem Straßenverkehr zu treffen sind. Da kann doch niemand von Fahranfängern erwarten, dass sie erst einmal am rechten Straßenrand anhalten, sich die Situation aus dem Theorieunterricht in Erinnerung rufen, wie das in der Fahrausbildung angewiesen wurde. Die Fahrschule ist keine akademische Einrichtung und der Führerschein kein akademischer Grad – auch wenn das bei mancher Frage den Anschein hat. Es bleibt keine Zeit für ausführliche Diskussionen. Es ist pragmatisch zu handeln. Das ist die Aufgabe der Fahrausbildung.
Der TÜV-Verband und die Reformpläne
Der TÜV-Verband möchte nun auch in sich Geschlossenheit zeigen. Denn als Prüforganisation ist er direkt an den Einnahmen der Fahrausbildung beteiligt. Doch sowohl die Fahrlehrer als auch die Prüforganisationen haben es in ihrer Jahrzehnte langen Tätigkeit weder geschafft, die Fahrschüler so auf den Straßenverkehr vorzubereiten, dass keine Unfälle passieren. Auch haben sie es unterlassen, konkrete Veränderungen anzustoßen. Denn allen ist doch die tägliche Situation auf den Straßen bestens bekannt. Auch ihnen muss dann aufgefallen sein, dass Reformbedarf besteht. Nun kritisieren sie, dass solche Maßnahmen wie die Digitalisierung der Fahrausbildung mit Online-Theoriekursen und Fahrsimulatoren überfällig sind. Schon seit genau sechs Jahren, zu Beginn der Corona-Pandemie, hätten sie schon von sich aus diese Online-Kurse anstoßen und umsetzen können. Darüber hinaus lehnt der TÜV-Verband pauschale Kürzungen des Fragenkatalogs und der Prüfungszeiten ab. Doch das sind die richtigen Mittel, um Fahrschüler konzentrierter auszubilden. Auch bestimmte Nacht- und Sonderfahrten müssen grundsätzlich zusammengestrichen werden. Pflichtstunden bringen nur den Fahrschulen Vorteile. Der Sicherheit im Straßenverkehr helfen sie nicht. Und wenn Fahrschüler und Fahrlehrer gemeinsam zu der Erkenntnis gelangen, dass ein oder zwei weitere Fahrstunden sinnvoll sein könnten, so ist das im Interesse der Verkehrssicherheit.
Der richtige Weg
Man muss ja nicht immer mit allen Entscheidungen unserer Bundesregierung einverstanden sein. Doch deren Plan, den Fragenkatalog für die Theorieprüfung um 28 Prozent auf 840 Fragen zu reduzieren und die Gesamtprüfungszeit bei der praktischen Prüfung um 27 Prozent auf 40 Minuten zu verringern, ist der richtige Weg. Die Zahl der verpflichtenden Sonderfahrten (Überland, Autobahn, Dunkelheit) soll um zwei Drittel von zwölf auf drei reduziert werden. Diese Reduzierung gefährdet nicht das Sicherheitsniveau, wie schon oben ausgeführt. Es verkürzt die Fahrausbildung und reduziert die Kosten. Die vorgeschlagene Ergänzungen durch den TÜV-Verband, Lernstandskontrollen im Rahmen der Fahrschulausbildung einzuführen, lässt sich sicherlich auch seitens der Regierung ergänzen. Ob sich damit die Prüfungsreife feststellen lässt und die Durchfallquoten verringert, ist nicht sicher. Denn bisher haben solche Maßnahmen auch nicht zum Erfolg geführt. Sicherlich reduzieren weniger Wiederholungsprüfungen die Kosten. Doch im Vergleich zu den absolvierenden Pflichtfahrstunden ist das eher sehr gering. Da es aktuell zu wenig Prüfer und Fahrlehrer gibt, kann die Reform nur im Interesse von Prüfern und Fahrlehrern sein. Denn dann können sie viel mehr junge (und ältere) Menschen unterrichten und auf den Straßenverkehr loslassen. Und wenn es weniger Fahrschüler geben sollte? Das regelt dann der Markt.