Wir kennen alle irgendwelche Dinge, die verboten sind und auch bestraft werde. Jeder sieht wahrscheinlich ein, dass es verboten ist, einen anderen Menschen zu töten. Doch immer wieder passiert es. Zwar ist es kein guter Vergleich: Auch das Telefonieren beim Autofahren ist verboten, weil zu viele Todesfahrten dabei schon passiert sind, wie luckx – das magazin recherchierte.
Große Gefahr
In Deutschland sterben jährlich Hunderte Menschen durch ablenkungsbedingte Verkehrsunfälle Dabei spielen die Nutzung des Handys eine zentrale Rolle. Offiziellen Statistiken zufolge ist Ablenkung jährlich für über 100 Todesopfer verantwortlich. Experten gehen jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus, da eine Handynutzung nach Unfällen oft schwer nachweisbar ist. So wissen wir Menschen davon. Doch wir tun es trotzdem. So sind Handyverstöße am Steuer nach einer aktuellen Untersuchung des ADAC trotz der hohen Unfallgefahr weiterhin stark verbreitet. Während jährlich rund 400.000 Fälle registriert werden, muss davon ausgegangen werden, dass die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher ist. In einer aktuellen Verkehrsbeobachtung mit Fokus auf den fließenden Verkehr in fünf deutschen Großstädten wurden bei 2,7 Prozent der Kfz-Fahrer Handyverstöße festgestellt. Rechnet man dieses Ergebnis auf das gesamte Kfz-Verkehrsaufkommen in Deutschland im Jahr hoch, ergibt sich daraus eine enorme Zahl von rund einer Milliarde Verstöße – und damit ein hohes Risiko für die Verkehrssicherheit.
Auch beim Radfahren
Die Ergebnisse zeigen zudem, dass Radfahrer mit 1,4 Prozent seltener Handyverstöße begehen und dass unabhängig vom Verkehrsmittel bei einem Großteil der Verstöße das Handy in der Hand und nicht am Ohr gehalten wird. Wer tippt oder etwas auf dem Smartphone sucht, wendet den Blick und die Aufmerksamkeit von der Straße ab, mit potenziell gravierenden Folgen. Denn wer bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h nur 2 Sekunden auf sein Handy schaut, fährt 28 Meter im „Blindflug“ und riskiert so, einen Unfall zu verursachen. Ergänzend belegt eine repräsentative Umfrage die hohe Verbreitung und das große Risikopotenzial. Mehr als jeder zweite Autofahrer gibt an, das Smartphone schon einmal während der Fahrt genutzt zu haben. 41 Prozent berichten zudem von gefährlichen Situationen im Straßenverkehr im Zusammenhang mit der Handynutzung anderer Verkehrsteilnehmer. Gleichzeitig besteht in der Bevölkerung eine breite Zustimmung für konsequentere Maßnahmen: Rund 70 Prozent sprechen sich für den Einsatz sogenannter Handy-Blitzer aus, die Verstöße automatisiert erfassen können.
Kontrollen erforderlich
Es gibt sicherlich viele Mitmenschen, die in der Lage sind, trotz Autofahrt auch das Mobiltelefon zu bedienen. Doch leider gelingt das nicht jeden. Nun soll auch die Bedienung von serienmäßig verbauten Geräten bestraft werden. Das soll auch die Klimaanlage betreffen. Ein wichtiges Aggregat zum Wohl der Fahrzeuginsassen. So etwas geht nun völlig am Ziel vorbei. Zwar schlägt der ADAC eine deutliche Ausweitung der Kontrollen als einen wichtigen Schritt zu mehr Verkehrssicherheit vor. Doch das allein auf die Fahrzeug- und Telefonbedienung zu reduzieren, ist nicht ausreichend. Wenn auf der Autobahn zwei PKW mit Anhänger über 120 km/h fahren, der Anhänger hin und her wackelt, ist das Risiko genauso groß, dass andere Fahrzeuge und deren Insassen geschädigt werden. Zur Verbesserung der Verkehrssicherheit ist die Verkehrssicherheit insgesamt zu optimieren. Mit flächendeckenden Einsatz von Handy-Blitzern, wie der ADAC fordern, wird nur ein Teil erreicht. Ziel muss sein, durch konsequente Maßnahmen die Ablenkung im Straßenverkehr zu reduzieren und die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu erhöhen.