Seit ein paar Tagen steigen die Temperaturen. Das sorgt weniger für kalte Füße. Doch nun kommen Augen und Nase mit steigenden Temperaturen in einen Konflikt. Denn der Pollenflug sorgt bei Allergikern für laufende Nase und tränende Augen, weiß luckx – das magazin.
Urbane Vegetation
Es ist ein ganz klarer Fall: Stadtgrün ist gut für die individuelle Gesundheit und das innerstädtische Klima. Leider wird nur ans Grün gedacht. Was so ein Grün anrichten kann, findet nicht oft in der Entscheidung den passenden Raum. So kann das schönste Grün für Allergiker zur Belastung und zur Falle werden. Wissenschaftler am Lehrstuhl für Umweltmedizin der Universität Augsburg beschäftigen sich mit der Frage wie urbane Vegetation Allergien beeinflusst. Sie entwickeln mit anderen eine internationale Leitlinie zur gesundheitsförderlichen Stadtplanung und erstellten eine hochaufgelösten Kartierung allergener Hotspots. Ebenfalls am Lehrstuhl entwickelt wurde die Pollen-Warn-App PollDi, die nach einer Testphase in Augsburg und Bad Hindelang nun frei verfüg- und nutzbar ist.
Denn klar ist, sobald der Winter uns mit Schnee und Eis verlässt, spüren Allergiegeplagte schon die ersten Symptome. Hasel- und Erlenpollen fliegen bereits. Gerade Haselsträucher sind in innerstädtischen Parks und als Hecken häufig zu finden. Mit der Frage wie sich Stadtgrün auf die Gesundheit auswirkt und wann es für Allergiker zur Belastung wird, beschäftigen sich Forscher in der Umweltmedizin. Während eine internationale Leitlinie die gesundheitliche Bedeutung urbaner Grünflächen grundsätzlich bewertet, zeigt eine zweite Studie am Beispiel Augsburgs, wie sich allergene Belastungen innerhalb einer Stadt konkret verteilen.
Grünflächen als Gesundheitsfaktor
In der Fachzeitschrift Allergy wurden unter Augsburger Beteiligung jüngst neue Leitlinien der European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI) veröffentlicht. Die Empfehlungen fassen den aktuellen Stand der Forschung zur Bedeutung von Grünflächen in urbanen Räumen für die Prävention von Allergien und Asthma zusammen. Die Zentrale Botschaft: Stadtgrün ist aus gesundheitlicher Sicht grundsätzlich wertvoll, es fördert Biodiversität, unterstützt die psychische Gesundheit und kann das Immunsystem positiv beeinflussen. Gleichzeitig kommt es jedoch auf die konkrete Ausgestaltung an. Artzusammensetzung, Pflege, Standortbedingungen und Klimafaktoren entscheiden darüber, ob Grünflächen zur Entlastung beitragen oder die Allergenexposition erhöhen. Die Leitlinie plädiert daher für eine gesundheitsorientierte Stadtplanung, die ökologische und allergologische Aspekte zusammendenkt und Biodiversität als Schwerpunkt sieht.
Allergen-Hotspots
Wie komplex diese Zusammenhänge im Detail sind, zeigt eine zweite Studie des Lehrstuhls für Umweltmedizin. Darin entwickelten Forscher ein Verfahren zur hochaufgelösten, raum-zeitlichen Kartierung allergener Belastungen in Städten. Am Beispiel von Augsburg wurden sogenannte „allergene Hotspots“ identifiziert, also Stadtbereiche, in denen die Belastung durch bestimmte Pollenarten besonders hoch ist. Die Analyse macht sichtbar, dass Allergenexposition nicht gleichmäßig verteilt ist, sondern stark von Vegetationsstruktur, Biodiversität, Luftverschmutzung und Mikroklima abhängt. Selbst innerhalb weniger hundert Meter können deutliche Unterschiede auftreten. Gemeinsam zeigen beide Arbeiten: Die Frage ist nicht, ob Stadtgrün gesund ist, sondern wie es gestaltet wird. Während die internationale Leitlinie den strategischen Rahmen liefert, stellt die Augsburger Hotspot-Analyse ein praktisches Instrument bereit, um lokale Risiken zu erkennen und gezielt zu minimieren. Damit verbinden die Forscher Grundlagenwissen mit konkreter Anwendbarkeit für Kommunen, Stadtplanung und Gesundheitswesen.