Fast alle Fahrzeuge müssen eine Hauptuntersuchung über sich ergehen lassen. Fahrräder gehören nicht dazu. Doch PKW, Motorräder, LKW und Busse kommen ohne diese Prüfung nicht mehr auf die Straße. Nun wurden mehr Mängel bei Bussen festgestellt, wie luckx – das magazin recherchierte.
Sicherheit im Straßenverkehr
Wenn über so manche Mängel vielleicht hinweggesehen werden kann, so gilt das nicht für das Bremsverhalten. Besonders bei Bussen. Denn darin werden viele Menschen transportiert. Wie wichtig das ist, haben wir von luckx – das magazin einmal in einem südwesteuropäischen Land erlebt. Auf dem Weg in die nächste Stadt ging die Fahrt etwas bergab. Die Straße mündet auf eine andere, vorfahrtsberechtigte Straße. Mit viel Mühe bekam der Busfahrer das Fahrzeug erst auf der vorfahrtsberechtigten Straße zum Stehen. Ob er den eigenen Hacken einsetzte, konnten wir nicht erkennen. Doch es war Rettung in letzter Not. Nun hat sich der sicherheitstechnische Zustand von Reise- und Linienbussen auch in Deutschland deutlich verschlechtert. In den Jahren 2024 und 2025 ist fast jeder fünfte geprüfte Bus (19,2 Prozent) mit „erheblichen“ oder „gefährlichen Mängeln“ bei der Hauptuntersuchung (HU) durchgefallen. Im Vergleich zum Bus-Report 2024 ist das ein Anstieg um 5,1 Prozentpunkte. Weitere 11 Prozent sind mit „geringen Mängeln“ beanstandet worden (plus 0,5 Punkte). Der Anteil mängelfreier Busse sinkt um 5,6 Punkte auf 69,8 Prozent. „Die Ergebnisse des aktuellen Bus-Reports sind alarmierend“, sagt Richard Goebelt vom TÜV-Verband. „Die Mängelquoten steigen zum zweiten Mal in Folge kräftig. Insbesondere jüngere Fahrzeuge schneiden bei den Prüfungen schlechter ab. Bereits ein Jahr nach der Neuzulassung fällt jeder zehnte Bus durch die HU.“ Der Anteil liegt mehr als doppelt so hoch wie noch vor zwei Jahren. Unter den vier Jahre alten Fahrzeugen hat gut jeder fünfte Bus erhebliche Mängel. „Viele Unternehmen in der Personenbeförderung stehen unter einem erheblichen wirtschaftlichen Druck“, sagt Goebelt. „Das führt offenbar dazu, dass sie der Wartung und Pflege ihrer Fahrzeuge nicht die nötige Aufmerksamkeit widmen. Das geht über kurz oder lang zulasten der Verkehrssicherheit.“
Mängelquoten steigen mit dem Alter der Fahrzeuge
Für den TÜV-Report Omnibus 2026 sind rund 67.000 Hauptuntersuchungen in den Jahren 2024/2025 ausgewertet worden. Fahrzeuge für die Personenbeförderung müssen einmal pro Jahr zur HU. Ab dem dritten Jahr nach der Neuzulassung findet alle drei Monate eine Sicherheitsprüfung statt, sofern nicht die HU ansteht. Mit dem Alter der Fahrzeuge steigen die Mängelquoten an. 21 Prozent der 5 Jahre alten Busse werden bei der HU mit erheblichen oder gefährlichen Mängeln beanstandet und bei den 15-Jährigen 24,1 Prozent. Das Durchschnittsalter von Bussen liegt laut Kraftfahrt-Bundesamt aktuell mit 8,3 Jahren auf dem Niveau des Vorjahres und ist seit Jahren stabil, was für reglemäßigen Ersatz spricht. Zum 1. Januar 2026 ist der Bus-Bestand in Deutschland um 2,3 Prozent auf rund 87.500 Fahrzeuge gestiegen. Das ist ein historischer Höchststand. Im Nahverkehr hat der Bustransport das Corona-Jahr wieder erreicht. Dagegen liege der Fernverkehr weiter um die Hälfte darunter. Die durchschnittliche Laufleistung der Fahrzeuge liegt bei 396.000 Kilometern – ein leichtes plus von 2 Prozent im Vergleich zum letzten Report.
Technische Mängel können bei Busunfällen eine Rolle spielen
Der am häufigsten auftretende technische Mangel ist mit 6,3 Prozent Ölverlust an Motor oder Antrieb, der bei Unfällen brandbeschleunigend wirken kann (plus 1,2 Punkte). Weitere Schwachstellen sind Beleuchtungsmängel, vor allem defekte Rückleuchten mit 4,2 Prozent (plus 0,4 Punkte), sowie Mängel an der Bremsanlage wie riefige Scheiben, defekte Bremsleitungen oder Störungen der Bremsfunktion (aggregiert 5,3 Prozent). Diese Mängel sind bei regelmäßiger Wartung leicht zu entdecken und in der Regel mit geringem Aufwand zu beheben. Trotz aller Mängel gelten Busse als sehr sichere Verkehrsmittel. Dennoch kommt es immer wieder zu schweren Bus-Unfällen, bei den Menschen zu Schaden kommen. Im Jahr 2024 hat das Statistische Bundesamt 6.118 Verkehrsunfälle mit Personenschaden registriert, an denen Reise- oder Linienbusse beteiligt gewesen sind (plus 3 Prozent). Dabei sind 9.917 Personen verunglückt (plus 4,5 Prozent), von denen der Großteil leicht verletzt worden ist. 61 Personen sind im Jahr 2024 bei Busunfällen getötet und 839 schwer verletzt worden. Unfallursache ist in der Regel menschliches Fehlverhalten, aber auch technische Mängel können eine Rolle spielen. Daher sei es wichtig, dass die Busunternehmen verstärkt in die Wartung und Pflege ihrer Fahrzeuge investieren. Darüber hinaus müssen die bei der Personenbeförderung vorgeschriebenen Abfahrtskontrollen gewissenhaft durchgeführt und die Einhaltung der Anschnallpflicht in Reise- und Fernbussen kontrolliert werden.