Nachhaltig erzeugte Energie kann die Mobilitäts- und Energiewende unterstützen. Doch es fehlen entsprechende Energiespeicher, um zu viel Sonnen- und Windenergie für „schlechte Zeiten“ zu bevorraten. Wie es funktionieren könnte, hat luckx – das magazin recherchiert.
Batteriespeicher
Wir alle haben schon gesehen: Es ist viel Wind, aber die Windräder stehen still. Der Grund ist ganz einfach: Es gibt genug Strom für alle und alles. Der überflüssige Strom muss sogar vernichtet werden. Doch die Windradbetreiber stört das nicht. Denn sie erhalten trotz ausreichend Wind den Stillstand vergütet. Was will man mehr? Bei den Solarenergieerzeugern ist es leider anders. Wer seine Solarenergie nicht ins Netz einspeisen kann, hat Pech gehabt. Einspeisevergütung gibt es dann nicht. Was tun? Der erzeugte Strom muss in einem Speicher bis zur Nutzung zwischengelagert werden. Da bieten sich geradezu die Batterien der vorhandenen Elektroautos an. Doch nur die wenigsten sind darauf vorbereitet, den Strom nicht nur zum Autofahren, sondern auch beispielsweise zum Betrieb der Heizung oder der Waschmaschine zur Verfügung zu stellen. Nun teilt Mercedes mit, dass sie die Einführung „im Laufe des Jahres 2026“ planen. Mit dem neuen vollelektrischen GLC soll das Fahrzeug über die Wallbox mit Ökostrom gespeist werden. Damit soll zum Ökostromtarif der Zugang zu Energiemarkt möglich werden.
Bidirektional ladbare Fahrzeug als Speicher in das Energiesystem integrieren
Mercedes-Benz kündigt nun die Einführung eines vollintegrierten Serviceangebots für bidirektionales Laden an. Damit könne Strom ins Hausnetz oder in die öffentliche Netze eingespeist werden. Den Auftakt bildet der neue vollelektrische GLC. Weitere Modelle – darunter die neue CLA-Baureihe – folgen sukzessiv. Die Markteinführung begann in Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich. Weitere Märkte werden schrittweise erschlossen.
Das Mercedes-Benz Ladeökosystem bündelt, was der Markt bislang oft getrennt anbietet. Im Zentrum steht die nahtlose Fahrzeugintegration für eine einfache, vernetzte Steuerung und volle Transparenz. Zum Start wird eine bidirektionale Wallbox über The Mobility House bereitgestellt. Die Anbindung an den Energiemarkt erfolgt ebenfalls über The Mobility House durch einen speziellen Grünstromtarif inklusive Einspeise-Vergütungen. Beratung, Installation und Onboarding kommen aus einer Hand – für einen reibungslosen Einstieg in ein neues Ladeerlebnis zu Hause.
Laden mit System
Ziel ist es, die Energiekosten privater Haushalte zu senken und gleichzeitig einen Beitrag zur Netzstabilität zu leisten. Mit dem System wird ein automatisiertes kostengünstiges, netzdienliches und optimiertes Laden von Elektrofahrzeugen möglich werden. Das System kennt die geplanten Abfahrtszeiten und den dafür gewünschten Ladestand des Fahrzeugs und wartet mit dem Ladevorgang gezielt bis zu den Zeiträumen mit besonders günstigen Stromtarifen – in der Regel über Nacht bei geringer Nachfrage oder wenn viel Strom aus erneuerbaren Quellen verfügbar ist und die Preise entsprechend niedrig sind. Über den Mercedes-Benz Energietarif wird diese Flexibilität zusätzlich vergütet. Außerdem: In Zeiten hoher Strompreise und geringer Verfügbarkeit erneuerbarer Energien kann Energie aus der Fahrzeugbatterie vergütet ins Stromnetz zurückgespeist werden. Damit wird das Fahrzeug zur aktiven Energiequelle, senkt die Energiekosten im Haushalt und hilft gleichzeitig, das Stromnetz zu entlasten.
Die Steuerung erfolgt über eine Smartphone-App. Das System orchestriert alle Prozesse im Hintergrund und nimmt den Nutzern die technische Komplexität ab. Zusätzlich ist vorgesehen, dass das Fahrzeug künftig in Verbindung mit einer kompatiblen bidirektionalen Wallbox als Energiequelle für zu Hause in einem bestehenden Back-up-Power-System genutzt werden kann.
Mit der Einführung von bidirektionalem Laden betritt Mercedes-Benz Neuland im Pkw-Premiumsegment und leistet gleichzeitig einen Beitrag zur Energiewende. Elektrofahrzeuge werden zu dezentralen Energiespeichern. Sie helfen, Schwankungen im Stromnetz auszugleichen. Bei hoher Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Quellen laden Fahrzeuge automatisch, bei hoher Nachfrage speisen sie Energie zurück ins Netz. Dadurch entsteht ein zusätzliches Speichervolumen, das Angebot und Nachfrage besser in Einklang bringt und die Nutzung von Wind- und Solarstrom optimiert – anstatt diese bei Netzüberlastung abzuregeln. Bidirektionales Laden eröffnet Kunden außerdem die Möglichkeit, aktiv Energiekosten zu senken. Durch intelligentes Laden zu Zeiten niedrigerer Strompreise und die Einspeisung überschüssiger Energie bei hohen Marktpreisen profitieren sie von einem optimierten Energiehaushalt. Mercedes-Benz und seine Elektrofahrzeuge sind bereit für bidirektionales Laden. Damit Kundinnen und Kunden das volle Potenzial von Vehicle-to-Grid nutzen können, sind in manchen Ländern jedoch noch regulatorische Rahmenbedingungen erforderlich – insbesondere für die Netzeinspeisung. Mercedes-Benz engagiert sich gemeinsam mit Partnern aus der Energiewirtschaft dafür, dass diese Voraussetzungen geschaffen werden.