Es wird immer weniger wert

Wir erleben es fast täglich: Mal wird das Brot teurer, dann das Benzin und wenig später der Jogurt. Doch die Einkommen steigen nicht im gleichen Maße, um diese Teuerung auszugleichen. Doch wie funktioniert dieser Teuerungskreislauf eigentlich, fragt luckx – das magazin.

Geldentwertung

Hinter dem täglichen Preisschock an der Supermarktkasse steckt kein wirtschaftlicher Zufall, sondern ein festes makroökonomisches Muster. Der sogenannte „Inflationszyklus“ fungiert als der unsichtbare Motor hinter unserer Wirtschaft und bestimmt maßgeblich über Wohlstand und Kaufkraft. Wer diesen Rhythmus versteht, verliert die Angst vor der Teuerung und gewinnt die nötige Souveränität, um fundierte Finanzentscheidungen zu treffen. So ist die Inflation kein einmaliges Ereignis, sondern in einen Prozess eingebunden. Die Inflation tritt nicht schlagartig auf und verschwindet ebenso wenig über Nacht. Sie folgt einem Kreislauf, der wirtschaftliche Ursachen mit politischen Reaktionen verbindet. Für Konsumenten und Investoren ist das Verständnis essenziell, um an wirtschaftlichen Wendepunkten proaktiv statt reaktiv zu handeln:

Initiale Preisimpulse (Auslöserphase) entstehen durch Nachfrageüberhänge, expansive Fiskalpolitik oder angebotsseitige Schocks wie Rohstoffverknappung. Die Teuerung verfestigt sich durch einsetzende Zweitrundeneffekte (Beschleunigungsphase) und steigende Erwartungen. Die Teuerung erreicht ihren zyklischen Höhepunkt (Hochinflationsphase); Unternehmen nutzen ihre Preissetzungsmacht. Danach wirken geldpolitische Bremsmanöver (Disinflation). Damit lässt der Preisdruck spürbar nach. Die Inflation nähert sich dem Zielkorridor (Normalisierung, ca. 2 %) an; die Dynamik stabilisiert sich.

Überraschungen

Dieses Wissen schützt vor der Überraschung an wirtschaftlichen Kipppunkten. So beschreibt der Inflationszyklus die wiederkehrenden Phasen, in denen Preisdruck entsteht, sich verstärkt, ein zyklisches Hoch erreicht und schließlich durch geld- und wirtschaftspolitische Maßnahmen wieder zurückgeführt wird. Besonders kritisch für die Stabilität ist die Beschleunigungsphase. Hier regiert nicht mehr die Statistik, sondern die Psychologie. Sobald Marktteilnehmer mit dauerhaft steigenden Preisen rechnen, wird die Teuerung zur „selbsterfüllenden Prophezeiung“. Unternehmen erhöhen präventiv die Preise, Arbeitnehmer fordern zum Ausgleich höhere Löhne – es entstehen Lohn-Preis-Dynamiken. Für Zentralbanken ist dieser Moment brandgefährlich, da sich die Inflation hier vom ursprünglichen Auslöser (wie etwa einer Rohstoffknappheit) entkoppelt und eine schwer zu kontrollierende Eigendynamik entwickelt.

Geldpolitik

In der Hochinflationsphase erreichen die Preise ihren Zenit. Unternehmen verfügen in diesem Umfeld oft über eine erhöhte Preissetzungsmacht, was die Inflation zusätzlich stützt. Um den Kreislauf zu durchbrechen, müssen Zentralbanken restriktiv eingreifen, meist durch deutliche Zinsschritte. Es ist eine notwendige wirtschaftliche Ironie: Um Preisstabilität zurückzugewinnen, ist eine bewusste Abkühlung der Konjunktur – steigende Kreditkosten, sinkender Konsum und rückläufige Investitionen – ein unvermeidbares Übel. Erst wenn diese Bremswirkung greift und sich zudem angebotsseitige Lieferengpässe auflösen, beginnt die Phase der Disinflation.

Auf Grundlage dieser Kenntnisse ist erfolgreiches Investieren kein Glücksspiel, sondern das Resultat präzisen Timings innerhalb des makroökonomischen Zyklus. Jede Assetklasse (also Investionsklasse) reagiert spezifisch auf den vorherrschenden Preisdruck. So profitieren Aktien häufig in der frühen Inflationsphase von nominal steigenden Umsätzen, zählen jedoch zu den Verlierern der Hochinflation, wenn steigende Kosten und Zinsen die Margen und Bewertungen drücken. Anleihen verzeichnen bei Zinsanstiegen Kursverluste, da neue Papiere höhere Kupons bieten (inverse Beziehung von Zins und Kurs). Sie werden jedoch massiv attraktiv, sobald die Disinflation einsetzt und die Renditen ihren Zenit überschritten haben. Dagegen zeigen Rohstoffe und Edelmetalle ihre größte Stärke in der Auslöserphase, da sie oft selbst der Grund für den initialen Preisschock sind. Immobilien reagiert aufgrund der hohen Fremdkapitalquote höchst sensibel auf die Finanzierungsbedingungen und leidet unter restriktiver Geldpolitik.

Nach vorn schauen

Der Weg zur Normalisierung ist oft anstrengend, folgt aber einem vorhersehbaren Mechanismus. Wenn sich die Inflationsrate wieder der Zielmarke von 2 % nähert und die Lohn-Preis-Dynamiken abflauen, ist das Ende eines Zyklus erreicht. Dies gibt den Zentralbanken den Spielraum, perspektivisch wieder neutralere oder expansive Maßnahmen zu ergreifen. Wer die Zeichen der Zeit liest, blickt der nächsten Phase gelassen entgegen. Deshalb kann in jeder Phase für Investoren der richtige Einstieg für ihre Investments sein; je nach Auslegung der Prioritäten. So können Inflationszyklen, Zinsumfeld und Marktphasen Kapitalmärkte beeinflussen. Außerdem können statische Anlagestrategien in solchen Phasen an ihre Grenzen stoßen. Entscheidend ist jedoch nicht nur das Verständnis dieser Zusammenhänge, sondern deren konsequente, regelbasierte Umsetzung in der Praxis. Zu theoretisch? Mag sein. Doch das Verständnis dafür kann hilfreich für die eigene wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung sein.