Auf nach Griechenland

Vor einem Jahr herrschte große Unruhe. Wohnmobile, Wohnwagen und Vans sollten aus Griechenland verschwinden. Die Tourismusministerin wollte ein von Campern „gesäubertes Land“ erreichen. Doch mit dem Widerstand der Wohnmobil-Community hatte sie nicht gerechnet, wie luckx – das magazin vor Ort recherchiert.

Griechenland erleben

Als wir von luckx – das magazin im April 2025 von Kreta auf den Rückweg nach Deutschland waren, war die Welt in Ordnung. Wir drehten einige Videos am Strand und an anderen Orten. Daraus sollte ein Bericht über das „wahre“ Wohnmobilreisen in Griechenland entstehen. Nicht, weil wir die „besseren“ Griechenlandkenner sind, sondern uns über einige Berichte und Videos verwundert zeigten. Beispielsweise berichtete eine Familie von ihrer mehrwöchigen Rundreise durch Griechenland und wie sparsam der Urlaub war. Eingekauft wurde beim einem auch in Deutschland bekannten Discounter. Restaurants, Tavernen, Kantinen wurden in der Zeit nur einmal besucht. Fast überall wurde frei gestanden. Okay, wir stehen auch nur frei. Doch für uns ich wichtig, Land, Leute, Essen, Strand, Meer und alles andere vom griechischen Leben kennenzulernen. So erleben wir das Land. Übrigens machen wir das nicht nur in Griechenland so. Wir frühstücken meist etwas später als üblich. Da bekommen wir leider nirgends etwas mehr zu essen. Doch am Nachmittag geht´s ins Café auf eine Waffel oder ein Crêpe. Und abends? Natürlich möchten wir die kulinarische Vielfalt genießen. Zum Glücks gibt´s keine Teller Athen oder ähnliches wie in Deutschland. Auch ein Souflaki-Spieß beim morgendlichen Wochenmarktbesuch darf es auch mal sein. Das ist Griechenland.

Rechtsvorschriften undurchsichtig

Kaum in Deutschland angekommen, trauten wir unseren Augen und Ohren nicht. Schon das Parken auf dem Supermarktparkplatz soll für Wohnmobile verboten sein und würde mit 300,- Euro geahndet. So jedenfalls berichtete einige in Griechenland Reisende Vanlifer. Wie bitte? In welchen Griechenland sind die denn? Doch nicht dort, wo wir waren. Also schrieben wir die griechische Botschaft und die Tourismusvertretung in Deutschland an und stellten unsere Fragen. Doch anstatt zu Antworten passierte – nichts. Das kann doch nicht sein, dass Griechenland nicht am Tourismus interessiert ist. Denn in machen Orten leben die Menschen zu 100 Prozent vom Tourismus. Insgesamt ist das Einkommen der Griechen zu mindestens 25 Prozent vom Tourismus abhängig. Die Bedeutung zeigt sich auch darin, dass es ein eigenes Tourismusministerium gibt. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt der Einkommensanteil durch den Tourismus etwa 15 Prozent. Das ist mehr als durch das Handwerk und etwas weniger als durch die Automobilindustrie erwirtschaftet wird. Ein Tourismusbeauftragter reicht da nicht aus, liebe Bundesregierung.

Doch in jedem Land gibt es ein gallisches Dorf. Das ist in Griechenland Thessaloniki. Der aktive Gallier dort ist Toni. Genauer Antonis Zampetas.

Rechtsvorschriften jetzt eindeutig

Tonis Familie – wie könnte es nicht anders sein – betreibt ein Handel mit Campingbedarf und Wohnmobilen. Wenn es bei diesen drastischen Beschränkungen bleiben würde, könnte die Familie den Laden schließen. Auch die anderen rund 30 Händler wären betroffen. Da die Existenz bedroht war, fuhr er nach Athen, aber nicht mit der Keule oder der Faust auf den Tisch zu schlagen, sondern mit den betreffenden Ministern zu diskutieren. Wir machen es jetzt kurz, weil der Prozess jetzt ein Jahr gedauert hat und wir von luckx – das magazin während dieser Zeit mit Toni in Kontakt stehen. Heute ist es endlich so weit: Es gibt endlich die Neuauslegung der Rechtsvorschriften zum Parken von Wohnmobilen und Wohnanhängern. Damit möchte sich Griechenland repositionieren als modernes, europäisches „Camper Friendly“-Reiseziel.

Der Verband der Wohnmobil- und Campinghändler (S.E.A.R.T.E.) kann nun mit großer Zufriedenheit die Veröffentlichung der neuen Klarstellungsverordnung des griechischen Polizeipräsidiums (Nr. Prot. 1246/26/351380) bekannt geben, die die Parkregelung für Wohnmobile und Wohnwagen in voller Übereinstimmung mit der neuen Straßenverkehrsordnung (Gesetz 5209/2025) vollständig klärt. Nach koordinierter Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Infrastruktur und Verkehr, dem Tourismusministerium, der Polizei und ELAT ist der geltende Rechtsrahmen für das Parken von Wohnmobilen und Wohnwagen nun unmissverständlich klargestellt und jegliche vorherige Fehlinterpretation beseitigt.

Mit dieser neuen, eindeutigen Verordnung stärkt Griechenland die Gastfreundschaft gegenüber dem Tourismus und stellt sicher, dass legales Parken nicht länger mit illegalem Campen verwechselt wird.

Nun gilt:

Innerhalb von Wohngebieten (Artikel 38 Absatz 6 der Straßenverkehrsordnung)

Wohnmobile bis 7,50 m Länge: Parken ist auf allen Flächen, auf denen auch andere Fahrzeuge parken dürfen, zeitlich unbegrenzt erlaubt.

Wohnmobile über 7,50 m Länge: Parken ist für maximal 24 Stunden erlaubt.

Wohnwagen (unabhängig von der Länge): Parken ist für maximal 24 Stunden erlaubt.

Außerhalb von Wohngebieten (Artikel 38 Absatz 5 der Straßenverkehrsordnung)

Parken ist auf dafür vorgesehenen Flächen, am Straßenrand oder am rechten Fahrbahnrand erlaubt, sofern kein Verbotsschild vorhanden ist. Außerhalb von Wohngebieten gibt es keine 24-Stunden-Parkdauerbegrenzung.

Klarstellung: Parken versus Campen

Die neue Verordnung betont, dass die Reservierungsklausel des Artikels 38 der Straßenverkehrsordnung vorrangig gilt. Einfaches Parken ohne Aufstellen von Ausrüstung (Markise, Tische und Stühle, Außenanlagen usw.) ist völlig legal und stellt weder illegales Campen noch eine illegale Installation dar. Mit den genannten Maßnahmen modernisiert, organisiert und verbessert unser Land bestmöglich sein Image gegenüber der europäischen Tourismusgemeinschaft, das im vergangenen Jahr beeinträchtigt wurde, und erholt sich dynamisch als freundliches, modernes und europäisches Reiseziel.

Unser Dank gilt Toni für dieses Engagement. Denn ohne ihn würde unsere Griechenlandreise sehr teuer. Und wie jeder Griechenlandreisende weiß, sind Campingplätze nur wenige Monate im Jahr – meist von Mai bis September – geöffnet.