Europas Automarkt

Seit 2019 nimmt die Fahrzeugproduktion in Deutschland und Europa rapide ab. Das ist keine neue Nachricht. Nach heutiger Mitteilung des Automobilverbandes steigen die Verkaufszahlen für E-Fahrzeuge. Doch das Geld wird weiterhin mit Verbrennern verdient. Das nützt auch keine Förderung, wie luckx – das magazin recherchierte.

Automobilbarometer

Wer nun meint, Europa oder Deutschland ist allein vom Produktionsrückgang betroffen, sollte andere Länder in die Betrachtung mit einbeziehen. Vor wenigen Tagen meldete der weltweit größte Automobilhersteller Toyota erheblich wirtschaftliche Schwierigkeiten. Auch aus China, dem Land mit der größten E-Mobil Produktion, kommen dramatische Nachrichten. Die Halden sind voll mit E-Fahrzeugen, so dass die Preise fallen und der Export zusammenbricht. Chinesische Fahrzeuge sind bis auf wenige Ausnahmen weder in Europa noch in Nordamerika gefragt. Da nützt es auch nichts, dass die Kilowattstunde in China für etwa ein Cent die Batterie wieder füllt. Außerdem hat sich bei den Chinesen eine Wegwerfmentalität ähnlich wie beim Mobiltelefon entwickelt. Junge gebrauchte Fahrzeuge werden zu hunderttausenden gestapelt. Ein recyceln findet nicht statt. Zwei bis fünf Jahre alte Fahrzeuge werden so entsorgt.

Nun legte die Consors Finanz eine Studie vor. Daraus wurde deutlich, dass Autofahren beliebt ist. Doch der Kauf eher zurückgestellt wird. Denn hohe Preise halten viele Verbraucher vom Autokauf ab. Aus ihrer Sicht müssen vor allem die Hersteller handeln, um den Markt wieder in Schwung zu bringen. Klar wird daraus: Ein eigenes Auto bleibt weltweit für die meisten Menschen unverzichtbar – doch beim Neuwagenkauf ziehen viele die Handbremse. Der Hauptgrund: zu hohe Preise.

Konsumentenverhalten

Laut dem Automobilbarometer 2026 von Consors Finanz halten neun von zehn Konsumenten weltweit die Anschaffungskosten für Autos für zu hoch. Besonders kritisch fällt die Bewertung in Deutschland aus: Nur 49 Prozent der Befragten sind mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis zufrieden – deutlich weniger als im weltweiten Durchschnitt (62 Prozent). Besonders zufrieden zeigen sich chinesische Käufer: 89 Prozent bewerten dort das Preis-Leistungs-Verhältnis positiv.

Die Studie, an der rund 16.000 Personen aus 13 Ländern teilnahmen, zeigt zudem: Die Konsumenten sehen vor allem die Hersteller in der Verantwortung, den Neuwagenkauf anzukurbeln – zum Beispiel über niedrigere Margen oder einfachere Modelle. An zweiter Stelle folgt der Staat – über Preisregulierung oder Kaufanreize. Der Autohandel wird als dritter Akteur genannt. Konkret priorisieren in Deutschland 44 Prozent einfachere, dafür günstigere Fahrzeuge. 35 Prozent erwarten innovativere Autos zum gleichen Preis und bei 21 Prozent sollten optimierte Verkaufsprozesse den Kunden zum Fahrzeug verhelfen. „Die hohen und zuletzt stetig gestiegenen Preise hält die Mehrheit der Käufer für nicht mehr gerechtfertigt“, bestätigt Bernd Brauer, Head of Mobility bei Consors Finanz. „Wenn die Hersteller das Vertrauen ihrer deutschen Kundschaft nicht verlieren wollen, müssen sie gegensteuern.“

E-Auto- und Hybridfahrer zufriedener mit Preis-Leistung

Die europäische Autobranche steht in ihren Heimatmärkten unter großem Druck. Insbesondere chinesische Anbieter machen den hiesigen Autobauern mit ihren vergleichsweise günstigen und gut ausgestatteten Elektrofahrzeugen zunehmend Konkurrenz. Der entstandene Wettbewerb scheint sich für die Käufer positiv auszuwirken: Die Studie zeigt, dass in Deutschland insbesondere Besitzer von E-Auto- und Hybridfahrzeugen grundsätzlich zufriedener mit dem Gegenwert ihres Fahrzeugs sind. „Durch das Angebot aus China sind die hiesige und die europäische Autoindustrie wachgerüttelt worden. Die Effizienzsteigerungen, die E-Autos allein in den vergangenen fünf Jahren erreicht haben, sind beachtlich“, sagt Brauer. „Wenn nun auch das Preisniveau passt und der Staat dabei unterstützend eingreift, könnte die Gesamtnachfrage weiter anziehen.“

Um mehr Autokäufer zu gewinnen und zu überzeugen, spielt auch der Autohandel nach wie vor eine große Rolle. Trotz wachsender Offenheit für den Online-Kauf bleibt der Handel ein zentraler Faktor im Entscheidungsprozess. Weltweit genießt der Händler – insbesondere bei jüngeren Generationen – ein positives Image. 7 von 10 aller befragten Verbraucher vertrauen darauf, dass Händler ihre Bedürfnisse verstehen, kompetent beraten und passende Finanzierungsangebote unterbreiten.

„Um sowohl den schwächelnden Absatz wieder anzukurbeln als auch den neuen Mitbewerbern die Stirn zu bieten, müssen sich Industrie, Handel und Gesetzgeber anschauen, was sich die Verbraucher leisten können und wollen“, resümiert Bernd Brauer. „Das Preis-Innovations-Verhältnis muss stimmen.“