Sommerzeit ist Badezeit. So ein heißer Sprung ins kühlende Nass soll nicht nur den Körper aufgrund der Hitze abkühlen, er soll auch gesund sein. Doch bevor wir uns ins Wasser begeben, sollten wir die Baderegeln beachten meint luckx – das magazin.
Baderegeln
Ob das Schwimmabzeichen Seepferdchen oder Bronze heißt, ist völlig egal. Denn eigentlich sollte jedes Kind zum Schwimmen befähigt werden. Aber aufgrund anderer Verwendung sind die Öffentlichen Kassen leer für die Unterhaltung von Schwimmhallen. Gerade dort können Kinder und Jugendliche das Schwimmen erlernen und im Urlaub auch das Meereswasser genießen. Wie wichtig das ist, hat die DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft) immer jährlich hingewiesen. Dadurch werden Badeunfälle vermieden. Was jeder Einzelne machen kann, wurde in den Baderegeln festgehalten.
So sollten Badende sich zuerst abkühlen; also niemals stark erhitzt oder verschwitzt ins Wasser gehen. Der plötzliche Temperaturwechsel kann zu Kreislaufproblemen oder Muskelkrämpfen führen.
Außerdem sollten wir gesund sein. Deshalb nur baden, wenn wir uns fit und gesund fühlen. Auch sollten unser Magen weder voll oder ganz leer sein.
Apropos Nichtschwimmer. Diese sollten nur bis zum Bauch ins Wasser gehen. Hilfreich können Schwimmhilfen sein für diejenigen, die noch nicht sicher sind. Dabei sollten wir uns aber im Wasser nicht auf aufblasbare Schwimmhilfen wie Luftmatratzen oder Schwimmflügel verlassen. Denn diese bieten keinen sicheren Schutz vor dem Ertrinken.
Und beim Sprung ins kühle nass sollte zuerst das Abkühlen stehen. Und wenn dann der Sprung erfolgen sollte, müssen wir dringend darauf achten, dass das Wasser tief genug ist, sonst tut es einfach weh und kann darüber hinaus zu schweren Verletzungen führen. Ach ja, sollte Hindernisse im Wasser sein, ist das Springen natürlich besonders dumm. Dass wir Rücksicht auf andere nehmen, ist beim Springen doch selbstverständlich, oder?
Ein weiteres „Hindernis“ kann ganz anderer Natur sein. Denn in Häfen, bei Bootsanleger und dort, wo Schifffahrt stattfindet, ist Baden verboten.
Außerdem sollten wir nicht grundlos um Hilfe rufen. Und wer es noch nicht weiß: Jeder ist zur Hilfeleistung verpflichtet. Doch Achtung, dabei müssen wir uns nicht selbst in Gefahr bringen. Doch ein Anruf beim Rettungsdienst ist auch eine Hilfeleistung, die jeder sofort erledigen kann.
Wie sauber ist das Badewasser?
Nun zurück ins kühlende Nass. So mancher fühlt sich dabei unwohl, ins Wasser zu gehen. Zwar weisen die „Blauen Flaggen“ daraufhin, dass die Badegewässer geprüft wurden. Doch wie Recherchen von Correctiv ergaben, gibt es offenbaren eine Lücke im Kontrollsystem. So sollen chemische Schadstoffe EU-weit tausende Badegewässer belasten, wobei auch Gesundheitsrisiken bestehen können. Anscheinend besteht eine Monitoring-Lücke. Die 22.000 offiziellen Badestellen an Seen, Flüssen und Küsten in der EU werden lediglich auf zwei Arten von Bakterien untersucht. So können viele Badegewässern mit Schadstoffen wie PFAS, Schwermetallen oder Pestizidrückständen belastet sein. Tausende Badestellen in der EU erhalten das Gütesiegel für ausgezeichnete Badewasserqualität, obwohl die jeweiligen Gewässer mit chemischen Schadstoffen belastet sind. Correctiv hat deshalb zusätzlich Daten zur chemischen Belastung von Seen, Flüssen und Küstengewässern ausgewertet. Diese Daten basieren auf einem EU-weiten Monitoring, bei dem Behörden Gewässer auf Dutzende chemische Schadstoffe untersuchen – darunter Schwermetalle wie Arsen, aber auch Pestizidrückstände und Industriechemikalien wie PFAS. Bisher dienen diese Proben jedoch nur der Überwachung der Ökosysteme und dem Schutz von Wasserlebewesen.
Das Ergebnis der Auswertung: In der EU gelten mindestens 7.866 Badestellen gemäß den Vorgaben der Badegewässerrichtlinie als sauber, obwohl sie an Gewässern liegen, die nachweislich mit chemischen Schadstoffen belastet sind. Die meisten solcher Badestellen an belasteten Gewässern gibt es in Italien, Deutschland, Dänemark, Ungarn und Frankreich.
Ausweitung des Monitorings
Wie hoch die Konzentration eines bestimmten Schadstoffs im Wasser ist, geht aus den EU-weiten Messdaten nicht hervor. Das bedeutet: Wenn ein Gewässer mit bestimmten Substanzen belastet ist, drohen nicht in jedem Fall Gesundheitsrisiken für Badegäste. Es fehlen verbindliche Richtwerte, die festlegen, ab wann eine Schadstoffkonzentration in einem Badegewässer für Menschen schädlich ist. Doch in mehreren Fällen sind Badegewässer nachweislich so stark mit Schadstoffen belastet, dass unter Umständen Gesundheitsgefahren drohen. Das belegt etwa die Analyse einer Wasserprobe, die an einer Badestelle in Sachsen genommen hat.
Der Toxikologe Hans-Jürgen Martin von der Uni Kiel sieht in den Ergebnissen der Auswertung einen Hinweis auf eine Lücke im bisherigen Überwachungssystem der EU. Er ist überzeugt: „Würden die Behörden bei der Bewertung der Badewasserqualität auch chemische Parameter berücksichtigen, fänden sie viele belastete Badegewässer – mit potentiellen Folgen für die menschliche Gesundheit.“ Angesichts der weit verbreiteten Schadstoffbelastung werden auch in der Politik Forderungen laut, die europäische Badegewässerrichtlinie zu überarbeiten.
Doch wir sollten uns davon vorerst nicht abhalten lassen, im kühlenden Wasser eine Erfrischung zu erfahren. Denn leer trinken sollten wir den Baggersee nicht unbedingt. Da noch keine Grenzwerte festgelegt sind, sollten wir uns der Risiken bewusst sein, aber nicht aufs Baden und Abkühlen verzichten. Es muss ja nicht die Seine in Paris sein.