Es ist ein Vorschlag, der nicht für jeden geeignet ist: Nachts ins Urlaubsabenteuer starten. Der Schreiber dieser Zeilen bevorzugt diese Reisezeit, weil meistens nur Profis auf den Straßen unterwegs sind. Und ihm ist klar: Viele Familien nutzen die Fahrzeit auch, um Landschaft und Sehenswürdigkeiten zu erleben und zu genießen. Trotz allem empfiehlt luckx – das magazin es einmal auszuprobieren.
Weniger Stau an Baustellen
Um gleich einen Fehler abzuräumen: Zwar gibt es erfahrungsgemäß weniger Staus und auch weniger Unfälle. Auch darf nachts in Baustellen nicht schneller gefahren werden. Doch insgesamt ist der Verkehrsfluss weniger beschränkt. Aber auch durch Übermüdung können kritische Situationen entstehen. Und wer nachts los fährt muss bei der Ankunft am Urlaubsort sicher sein, dass er auch sofort seine Unterkunft nutzen kann. Wir von luckx – das magazin nutzen bekanntermaßen unser Reisemobil. Da ist der Ankunftszeitpunkt völlig egal. Und wenn der Fahrer müde ist, genügen ein Parkplatz und sechs Schritte bis zum Bett. Das ist ein Reiseluxus, den wir nicht mehr missen möchten. Jedenfalls ist klar, dass die Fahrt in die Abend- oder Nachtstunden entspannter sein kann. Darüber hinaus ist mit weniger Verkehr und angenehmeren Temperaturen zu rechnen. Das Fahren stellt aber zugleich besondere Anforderungen an Konzentration und Aufmerksamkeit.
Was dagegen spricht
Eine Nachtfahrt in den Urlaub kann viele Vorteile haben. Auf den Autobahnen lassen sich häufig der Berufsverkehr und in den Ferien auch Staus vermeiden. Gerade im Sommer können die kühleren Temperaturen die Fahrt angenehmer machen. Außerdem schlafen Kinder auf längeren Fahrten häufig schneller ein und viele Urlauber erreichen ihr Ziel bereits am Morgen. Ganz so einfach ist es trotzdem nicht. Bei Dunkelheit werden Baustellen, Stauenden, Wild oder schlecht beleuchtete Fahrzeuge oft später erkannt. Gleichzeitig ist der Körper nachts eigentlich auf Ruhe eingestellt und nicht auf stundenlange Konzentration am Steuer. Wer müde losfährt oder nach einem langen Tag schnell noch „Kilometer machen“ möchte, riskiert Konzentrationsfehler, längere Reaktionszeiten und im schlimmsten Fall Sekundenschlaf.
Vorbereitung
Für eine entspannte Nachtfahrt zählt nicht nur, wann die Fahrt beginnt, sondern auch, wie der Abend davor verläuft. Wer kurz vor der Abfahrt noch Koffer packt, Dokumente zusammensucht oder das Auto beladen muss, startet häufig bereits gestresst in die Nacht. Deutlich entspannter wird es, wenn diese Aufgaben vorher erledigt sind. Das bedeutet, Gepäck und Reisedokumente bereitlegen, Auto in Ruhe beladen und schweres Gepäck sicher verstauen, Route und Stopps für Vignettenkauf, Tanken oder Laden heraussuchen, Auto volltanken oder laden und den Reifendruck prüfen, Beleuchtung kontrollieren sowie Scheiben und Brille reinigen und Sonnenbrille für die Morgensonne sowie eine Jacke für Pausen griffbereit halten.
Das Navigationssystem sollte bereits vor dem Losfahren eingestellt sein, idealerweise mit der ersten Pause als Zwischenstopp. Wer zusätzlich ein bis zwei geeignete Rastplätze oder Autohöfe entlang der Route markiert, muss unterwegs nicht mühsam nach einer geeigneten Gelegenheit suchen. Das ist praktisch für eine Toilettenpause, einen Snack oder einige Minuten an der frischen Luft.
Gut ausgeschlafen starten
Eine Nacht vor der Urlaubsfahrt durchzumachen, ist keine gute Idee, auch wenn die Vorfreude groß ist und vermeintlich nur noch die Fahrt bevorsteht. Müdigkeit verschlechtert die Konzentration, verlängert die Reaktionszeit und erhöht das Risiko für Sekundenschlaf. Studien zeigen, dass starker Schlafmangel die Fahrtüchtigkeit ähnlich stark beeinträchtigen kann wie Alkohol. Als grober Richtwert gilt: Bereits nach rund 17 Stunden ohne Schlaf können Leistungseinbußen auftreten, die mit etwa 0,5 Promille vergleichbar sind. Nach rund 22 Stunden ohne Schlaf kann die Beeinträchtigung einem Niveau von etwa 1,0 Promille entsprechen. Besser ist eine geplante Schlafphase vor der Abfahrt. Das muss nicht zwingend eine ganze Nacht sein. Auch einige Stunden Schlaf am Abend oder Nachmittag helfen mehr, als vollständig auf Schlaf zu verzichten. Wenn zwei Erwachsene fahren können, sollte der Fahrerwechsel vorher abgesprochen werden. So kann sich die zweite Person darauf einstellen und ebenfalls ausgeruht das Steuer übernehmen.
Abfahrtszeit
Die ideale Abfahrtszeit hängt vor allem vom eigenen Schlafrhythmus ab. Entscheidend ist weniger die konkrete Uhrzeit als die Frage, wann ein wirklich ausgeruhter Start möglich ist. Ein Start in den frühen Morgenstunden kann sinnvoll sein, allerdings nur, wenn vorher ausreichend geschlafen wurde. Dann lassen sich häufig bereits viele Kilometer zurücklegen, bevor der Berufsverkehr oder Ferienreiseverkehr richtig einsetzt. Gleichzeitig fällt dieser Start in die zweite Nachthälfte, in der die innere Uhr bei vielen Menschen noch auf Schlaf eingestellt ist. Die erste Pause sollte deshalb bewusst früh eingelegt werden. Eine Abfahrt am späten Abend ist nur dann eine gute Idee, wenn der Tag ruhig war und vorher noch Schlaf möglich war. Wer seit dem Morgen wach ist, gearbeitet, gepackt und möglicherweise noch hektisch zu Abend gegessen hat, sollte nicht mehr zu einer langen Nachtfahrt aufbrechen. In diesem Fall beginnt die Fahrt bereits mit wachsendem Schlafdruck und führt ausgerechnet in die zweite Nachthälfte hinein, in der Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit ohnehin nachlassen können.
Unabhängig von der Abfahrtszeit gilt: Entscheidend ist, ausgeruht zu starten, keine zu langen Etappen am Stück zu fahren und sich möglichst am Steuer abzuwechseln. Das gilt auch dann, wenn die Straße leer ist und die Fahrt gut vorangeht. Wird fortgesetzt.