Sanierung und Bildung auf dem Abstellgleis

Bei der Bildung gewinnt der Eindruck, als ob Schule eine verwahrloste Einrichtung ist. Schon neue Gebäude werden nicht gepflegt. Mängel nicht beseitigt. Schmutz und Beschädigung gewinnen die Oberhand. Und in solchen Einrichtungen sollen junge Menschen für die Zukunft lernen. Welche Zukunft soll das sein, fragt luckx – das magazin.

Deutsche Schulgebäude

Der Putz rieselt von den Wänden, durch undichte Fenster pfeift der Wind, der Wasserhahn tropft, Sportanlagen fehlt es am Nötigsten und die Räume sind schon lange viel zu klein. Nach aktuellen Schätzungen der staatlichen Förderbank KfW beläuft sich der Sanierungsstau an deutschen Schulen auf rund 55 Milliarden Euro. So viel sei nötig, um die maroden Gebäude wieder in einen funktionalen und sicheren Zustand zu versetzen. Gleichzeitig steigen die Schülerzahlen kontinuierlich. Laut Prognosen der Kultusministerkonferenz wird die Zahl der Schülerinnen und Schüler bis zum Jahr 2035 bundesweit um rund 758.000 auf insgesamt 11,8 Millionen anwachsen. Hinzu kommen neue Anforderungen wie der flächendeckende Ausbau von Ganztagsangeboten an Grundschulen ab August 2026 und die stetig wachsenden Städte und Ballungsräume. So steht Deutschlands Schulinfrastruktur am Limit. Der Bau- und Sanierungsbedarf ist immens. Die Haushaltskassen der Länder und Kommunen leeren sich aufgrund weiterer Verpflichtungen. Deshalb sind dringend konkrete Ansätze und Lösungen zu finden, wie die akut benötigten Maßnahmen jetzt angegangen werden können. Ein wichtiger Hebel zur Finanzierung kann dabei das am 18.03.2025 beschlossene Sondervermögen der Bundesregierung darstellen. Um die Sanierungen zu beschleunigen, setzt Bayern bei Pilotprojekten bereits auf den Gebäudetyp E. Städte wie Köln zeigen zudem, wie sich der Sanierungsstau durch Multiprojektmanagement und strategisches Liegenschaftsmanagement systematisch und effizient bewältigen lässt.

Risse in der Wand

„Der bauliche Zustand vieler Schulen ist eine ernstzunehmende Gefahr für die Gesundheit sowie das gute Lernen und Lehren der Schüler- und Lehrerschaft“, sagt Thomas Köhler, Spezialist für Bildungsbauten bei Drees & Sommer. „Wer sich in einem Raum nicht wohlfühlt, der kann sich schlechter konzentrieren und sich weniger gut entfalten.“ Damit Schulen diese Probleme beheben können, oder sie beim Neubau gar nicht erst entstehen, unterstützt Köhler Städte und Kommunen mit umfassenden Beratungsleistungen. Er hat bereits verschiedenste Schulprojekte im gesamten Bundesgebiet begleitet und bringt dabei technisches Know-how, pädagogisches Verständnis und strategische Planung zusammen. Köhler kennt auch die Herausforderungen, vor denen viele Kommunen aktuell stehen: Zwar liege die Zuständigkeit für das Schulwesen formal bei den Ländern, doch die Verantwortung für die Schulgebäude tragen in der Regel die Städte und Gemeinden. „Dort fehlt es oft am Personal, Bürokratie erschwert schnelles Bauen zusätzlich und die finanziellen Mittel sind knapp bemessen“, sagt er. Abhilfe könnte hier das im März 2025 beschlossene und am zweiten Oktober im Bundesgesetzblatt veröffentlichte, 500 Milliarden Euro schwere, Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität der Bundesregierung schaffen. Knapp 100 Milliarden Euro sollen davon in die Länder und Kommunen fließen. Wie viel tatsächlich für die Sanierung und den Ausbau von Schulen zugutekommt, ist noch offen. Aber: „Es besteht jetzt die Chance, dringend benötigte Mittel schnell und unbürokratisch bereitzustellen“, meint Köhler.

Sanierungsfall Babyboomer-Schulen

Doch selbst wenn finanzielle Mittel verfügbar sind, bleibt die Umsetzung der Neubau- und Sanierungsfälle komplex. Denn vielerorts stehen Kommunen nicht nur vor organisatorischen, sondern auch vor baulichen Herausforderungen. Hier sieht Köhler viel Arbeit auf sich und seinen Kollegen von Drees & Sommer zukommen. Sie beraten und begleiten bundesweit Städte und Gemeinden bei der großflächigen Sanierung und dem Ausbau von Schulen. Obwohl der Bedarf deutschlandweit hoch ist, gibt es darunter jene, um die es besonders schlecht steht. „Gebäude, die zwischen den 1950er und 1970er Jahren errichtet wurden, entstanden unter dem Druck, schnell und kostengünstig Raum zu schaffen. Der Fokus lag auf der schieren Anzahl der Räume und funktionaler Einfachheit, kurzum: Auf Quantität statt Qualität“, so der Experte. Typisch für diese Zeit seien beispielsweise Stahlbeton-Skelettbauten mit Waschbetonfassaden und einfachen Aluminiumfenstern, die zwar effizient gebaut wurden, heute aber als trist und energetisch problematisch gelten. „Mittlerweile sieht man die Folgen, die von Schadstoffen in den Materialien über mangelhafte Wärmedämmung und einfache Aluminiumverglasung bis hin zu veralteten Heiz- und Lüftungssystemen reichen“, so Köhler.

Auch bei der Barrierefreiheit besteht großer Nachholbedarf: „Viele Gebäude sind für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen kaum zugänglich. Zwar existieren Förderprogramme für barrierefreie Umgestaltungen, doch angesichts des umfassenden Sanierungsstaus reichen diese bei Weitem nicht aus“, so Köhler. Wenn er von Sanierungen der Babyboomer-Schulen spricht, dann meint er meist eine grundlegende Erneuerung. Fortsetzung hier.

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