Lärm geht auf die Ohren. Das wissen wir alle. Doch das dadurch auch Rückenschmerzen entstehen können, ist schwer vorstellbar. Deshalb ging luckx – das magazin dieser Frage nach.
Unterschätzter Bürolärm
Büroarbeiter kennen das alle: Telefonate, Tastaturklappern, Lüftungsrauschen. Das alles klingt nach einem normalen Büroalltag. Was aber vielen nicht bewußt ist, dass dadurch handfeste Rückenschmerzen entstehen können. Der Grund ist nicht der Lärm selbst, sondern der Stress, den er auslöst. „Viele Menschen unterschätzen, wie stark schon scheinbar harmlose Hintergrundgeräusche den Körper unter Stress setzen können“, sagt Christian Terstappen, Physiotherapeut und Experte der Aktion Gesunder Rücken (AGR) e. V. „Die Folge sind verspannte Schultern, ein harter Nacken und auf Dauer häufig auch Rückenschmerzen.“ Für Unternehmen wird das zunehmend zu einem Thema des Betrieblichen Gesundheitsmanagements: Lärmreduzierte Rückzugsbereiche im Büro können helfen, Belastungen zu verringern und konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen.
Ergonomie am Arbeitsplatz
Dass Lärm krank machen kann, ist bekannt. Der Zusammenhang mit Rückenbeschwerden wird jedoch häufig unterschätzt. Geräusche, die das Gehirn als störend bewertet, aktivieren das Stresssystem: Der Körper schüttet Cortisol aus, Puls und Blutdruck steigen, die Muskulatur verkrampft. Besonders betroffen sind Nacken und Schultern. Wie verbreitet Beschwerden im Büroalltag sind, zeigt eine repräsentative YouGov‑Umfrage im Auftrag der AGR: 73 Prozent der Arbeitnehmenden in Deutschland leiden unter Nackenschmerzen. Gleichzeitig zeigte eine Erwerbstätigenbefragung 2024, dass rund ein Viertel der Beschäftigten häufig unter Lärmbedingungen arbeitet, mehr als die Hälfte empfindet dies als belastend. „Lärmschutz wird im Büroalltag häufig unterschätzt“, sagt Christian Terstappen. „Dabei gehört er genauso zur Ergonomie wie ein guter Stuhl oder ein höhenverstellbarer Schreibtisch.“ Für Personalverantwortliche und BGM‑Beauftragte lohnt es sich deshalb, die akustische Gestaltung von Arbeitsplätzen stärker in Präventionskonzepte einzubeziehen.
Rückzugsorte schaffen
Offene Bürokonzepte fördern Austausch und Teamarbeit, verstärken aber gleichzeitig die Lärmbelastung. Für konzentriertes Arbeiten, vertrauliche Telefonate oder eine kurze Erholungspause sind daher geschützte Bereiche wichtig. Akustikkabinen können hier Abhilfe schaffen. Neben einer guten Schalldämmung sollten solche Kabinen auch ergonomisch ausgestattet sein, um die Arbeitnehmergesundheit zu fördern: Höhenverstellbare Tische und Aktivstühle regen Haltungswechsel an, eine gute Belüftung und ausreichende Beleuchtung mit Tageslichtqualität tragen zum allgemeinen Wohlbefinden bei. Terstappen, der Unternehmen im Rahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung berät, betont: „Unternehmen, die in schallisolierte Rückzugsbereiche investieren, sollten die ergonomische Ausstattung von Anfang an mitbedenken. Wer Ruhe hat, aber schlecht sitzt, hat nichts gewonnen.“
Tipps gegen Lärmstress
Gegen Lärmstress im Arbeitsalltag können Beschäftigte auch selbst etwas tun. Das sind alles nur kleinere Dinge, die sofort umgesetzt werden können wie Störgeräusche ausblenden. So können Noise-Cancelling-Kopfhörer helfen, störende Hintergrundgeräusche zu reduzieren und konzentrierter zu arbeiten.
Aber auch das Verlagern von Besprechungen ist ein probates Mittel. Wenn möglich sollten Telefonate oder Meetings in geschlossene Räume verlegt werden. Das senkt den Geräuschpegel im Großraumbüro für alle.
Ebenso helfen regelmäßig kurze Pausen, die mit Bewegung verbunden sind, Stress abzubauen und verspannte Muskulatur zu lockern. „Schon einmal pro Stunde kurz aufstehen und ans offene Fenster oder vor die Tür gehen macht einen spürbaren Unterschied“, sagt Physiotherapeut Christian Terstappen.