Beim Rally-Sport und einigen anderen Automotorsportevents setzte Audi mit dem Allradantrieb Zeichen auf dem Asphalt und Staubwolken auf Schotterpisten. Doch mit dem Ende der Gruppe B im Rally-Sport (1986) zog sich Audi nach und nach zurück und beendet 1988 seine Teilnahme. Nun wird wieder Motorsport in der Formel 1 geboten. Luckx – das magazin blickt im ersten Teil schon auf den Novolari.
Space Frame mit Carbon-Exterieur
Die Fahrzeugarchitektur des Audi Nuvolari ist konsequent auf Leichtbau und hohe Torsionssteifigkeit ausgelegt. Dafür kombiniert Audi die bewährte Audi Space Frame-Technologie mit einer einem Carbon-Exterieur – ein Novum für die Neckarsulmer. Der Space Frame mit Carbon-Exterieur vereint geringes Gewicht mit hoher struktureller Festigkeit und bildet damit die Grundlage für präzises Handling und kontrollierte Hochleistung. Nahezu alle Exterieur-Bauteile bestehen aus carbonfaserverstärktem Kunststoff (CFRP). Alle Carbonfaser-Bauteile des Nuvolari wurden mit Formel-1-Know-how konzipiert und entwickelt. Zentrales Element ist die Prepreg Autoklav-Technologie, bei der vorimprägnierte Carbonfasern manuell in Form gebracht und anschließend unter hohem Druck und mit hoher Temperatur ausgehärtet werden – für maximale strukturelle Leistungsfähigkeit bei minimalem Gewicht. Die Carbon-Elemente entstehen so in präzisen, manuellen Laminierprozessen, die ein hohes Maß an Erfahrung, Sorgfalt und handwerklichem Geschick erfordern. Die Qualität der Verarbeitung ist entscheidend für die strukturelle wie auch die ästhetische Ausführung der Bauteile. Das Fertigungsverfahren ermöglicht hochkomplexe Geometrien. Dank CFRP lassen sich Bauteile funktional auslegen – von komplex geformten Türverkleidungselementen bis hin zu präzise ausgerichteten vertikalen Rahmenelementen, die den Luftstrom gezielt durch den verdeckt integrierten S-Duct führen. In thermisch besonders beanspruchten Bereichen setzt der Audi Nuvolari auf speziell abgestimmte, hitzebeständige Materialien, die funktionale Anforderungen mit markanten visuellen Akzenten verbinden.
Aktive Aerodynamik
Audi setzt beim Nuvolari auf aktive Aerodynamik, um Performance und Effizienz gezielt miteinander zu verbinden. Das System regelt Abtrieb, Luftwiderstand und aerodynamische Balance situationsabhängig – für maximale Stabilität und präzise Fahrzeugkontrolle. Jedes Exterieur‑Element erfüllt eine klar definierte aerodynamische Funktion – vom Frontsplitter bis zum Heckdiffusor. Die Audi Formel‑1‑Fahrer lieferten während der Erprobungsphase gezieltes Feedback zur aerodynamischen Feinabstimmung. Frontlufteinlässe gewährleisten eine effektive Bremsenkühlung sowie effizientes Thermomanagement der Verbrenner‑ und Hybridkomponenten. Ein durchströmter Vorderwagen, der sogenannte S‑Duct, verbessert die aerodynamische Effizienz an der Vorderachse – für zusätzlichen Abtrieb, reduzierten Auftrieb bei hohen Geschwindigkeiten und optimale Kühlung des Antriebs. Zentraler Bestandteil des aktiven Aerodynamiksystems ist der ausfahrbare, adaptive Heckflügel. Er steuert Abtrieb und Luftwiderstand über drei Konfigurationen: Closed, Low Downforce (LD) und High Downforce (HD). In der Closed-Position ist der Heckflügel eingefahren und minimiert den Luftwiderstand zugunsten der Effizienz. Die LD- und HD-Konfigurationen erzeugen unterschiedliche Abtriebsniveaus und passen sich kontinuierlich an Fahrzeugdynamik und gewählten Fahrmodus an. In fahrdynamisch orientierten Modi wie Dynamic, Dynamic+ und Track arbeitet der Heckflügel vollständig automatisch. Auf Geraden wechselt das System in die LD‑Position, um Endgeschwindigkeit und Stabilität zu optimieren. Das aus der Formel 1 bekannte Drag Reduction System (DRS) lässt sich manuell am Lenkrad aktivieren. Es senkt den Heckflügel weiter ab, reduziert den Luftwiderstand und erhöht die Endgeschwindigkeit. Beim Bremsen und in Kurven fährt der Flügel in die HD-Position, um den Abtrieb für maximale Performance und Kontrolle zu optimieren. In dieser Hochabtriebs‑Auslegung erreicht das Aerodynamikkonzept des Audi Nuvolari – je nach Fahrsituation – über 400 Kilogramm Abtrieb. Die Heckflügelposition ist sowohl automatisch als auch manuell per Drehsteller schaltbar – in allen Fahrmodi außer E‑Hybrid. Das Aerodynamikkonzept ist bis ins letzte Detail durchdacht – bis hin zu den flächenbündig in den ausfahrbaren Heckflügel integrierten Audi Ringen aus massivem Metall – und bildet die Basis für hohe Kurvengeschwindigkeiten, die sich in schnellen Rundenzeiten auf der Rennstrecke widerspiegeln.
Energiemanagement
Auch das Energiemanagement des Audi Nuvolari ist vom Motorsport geprägt. Boost‑ und Rekuperationsstrategien sind eng mit der Drehmomentverteilung verknüpft. Als integriertes Gesamtsystem steuert die Regelung fortlaufend das Zusammenspiel von Leistungsentfaltung und Energierückgewinnung – abgestimmt auf Fahrzustand, Grip‑Niveau und die jeweilige Fahrintention. Adaptive Strategien für Schub- und Bremsrekuperation erweitern die Energierückgewinnung auf nahezu alle Fahrphasen. An der Vorderachse übernimmt die elektrische Verzögerung situativ einen wesentlichen Teil der Bremsarbeit, während an der Hinterachse Schub-, Teillast- und Traktionsregelphasen gezielt zur Rekuperation genutzt werden. So sind rein elektrische Verzögerungen von bis zu 0,3 g möglich – ein Niveau, das im Alltag und im dynamischen Fahrbetrieb einen Großteil der Bremsvorgänge abdeckt. Die gezielt dosierte Verzögerung stabilisiert das Fahrzeug und lädt gleichzeitig die Batterie. Die integrierte Architektur aus Leistungsentfaltung, Drehmomentverteilung und Energierückgewinnung wird insbesondere bei der Launch Control Funktion sichtbar. Hier stellt das System die gespeicherte Energie gezielt für den Start bereit – ein direkt aus der Formel 1 abgeleiteter Ansatz, der maximale Performance bei kontrollierter Traktion ermöglicht. Wird fortgesetzt.
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