Ernährungsgewohnheiten

Immer wieder hören und lesen wir, dass wir unser Ernährungsverhalten ändern sollen. Mehr Obst und Gemüse, weil es gesünder ist als Fertigprodukte. Weniger Fleisch, weil zur Fleischproduktion zu viele wichtige Ressourcen verbraucht werden und die Fleischproduktion zu unökonomisch ist. Was also tun, fragt luckx – das magazin?

Die Welt verändern?

Fleisch ist ein Stück Lebenskraft, tönte es als Werbeslogan der Agrarwirtschaft und des Fleischerhandwerks aus den 1970er Jahren. Fleisch wurde als gesundheitsfördernd, vitaminreich (B1, B6, B12) und essenziell für die Leistungsfähigkeit darstellte. Fleisch liefert wertvolle Nährstoffe wie Eisen und Zink. Doch heute wird diese Werbeaussage kritisch hinterfragt. Denn Umweltproblemen wie hoher Nitrateintrag ins Grundwasser, unethische Massentierhaltung und Ernährungslehre stellen die Fleischproduktion in ein anderes Licht. So stellt sich die Frage, ob wir mit unserem Essverhalten die Welt morgen verändern können. Denn klar ist, dass unser aller Gesundheit direkt mit jener der Erde verbunden ist. Denn nur auf einem gesunden Planeten können gesunde Menschen leben. Unsere tägliche Ernährung kann wie ein großer Hebel wirken: Die EAT Lancet Kommission hat die sogenannte „Planetary Health Diet“ entwickelt.

Unsere Leben ist sehr unterschiedlich. Doch wir alle tun jeden Tag essen und trinken. Über eineinhalb Tonnen isst und trinkt jede und jeder von uns durchschnittlich über das Jahr hinweg. Diese riesige Menge beeinflusst nicht nur unsere persönliche, sondern auch die Gesundheit des Planeten. Warum jetzt eine Diät für die Erde? Die Planetary Health Diet ist dabei weniger eine „Diät“ im klassischen Sinne – sie zielt nicht primär auf Gewichtsverlust ab. Im Grunde ist sie ein wissenschaftlich erarbeiteter Speiseplan, der EAT Lancet Kommission, bestehend aus 37 Wissenschaftlern aus 16 Ländern, anhand dessen die Gesundheit der Menschen und die Gesundheit der Erde gleichermaßen geschützt werden sollen.

Ernährungsverhalten beeinflusst unsere Erde

Unser derzeitiges Ernährungssystem umfasst sämtliche Prozesse der Lebensmittelproduktion und spielt eine bedeutende Rolle bei der Überschreitung der ökologischen Belastungsgrenzen. Rund 30 % der globalen Treibhausgasemissionen stammen aus Landwirtschaft und Ernährungssystemen. Darüber hinaus beanspruchen sie etwa 70 % des weltweiten Frischwassers und beeinflusst durch Monokulturen die biologische Vielfalt. Besonders besorgniserregend ist die Abholzung großer Waldflächen, wie im Amazonasgebiet, die die Artenvielfalt und das Klima massiv negativ beeinflusst. Diese Entwicklungen gefährden Ernten und führen zu Extremwetterereignissen, die die weltweite Ernährungssicherheit bedrohen. Deshalb stellt sich die Frage, wie unser Speiseplan in der Zukunft aussehen könnte und wird. Wahrscheinlich benötigt jeder von uns ungefähr eine tägliche Energieaufnahme von 2.500 Kilokalorien. Damit verbunden ist für eine gesunde Ernährung eine bestimmte Menge an Nahrungsmitteln, die meist im Gramm von einem Produkt angegeben wird. Jeder fragt sich dann, wie soll ich dann genau die Menge zu mir nehmen? Denn bestimmte Produkte wie zum Beispiel Eier werden im Stück und nicht nach Gramm verkauft.

Die Grundidee der Planetary Health Diet richtet sich nicht an einzelne Konsumenten, sondern an politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger im Bereich Ernährung. Sie kann Orientierung bieten, um Schäden an der Gesundheit und den Ökosystemen, die durch Ernährungspraktiken mitverursacht werden, zu minimieren und die Grundlage für ein ökologisch nachhaltiges Ernährungssystem zu legen.

Das kann jeder tun

Ein wesentlicher Grundsatz ist die Reduktion des Fleischkonsums, insbesondere von rotem Fleisch. Die Produktion tierischer Lebensmittel erfordert erhebliche Ressourcen. Um ein Kilogramm Rindfleisch zu produzieren, sind etwa 7 bis 10 Kilogramm Getreide notwendig. Statt Getreide an Tiere zu verfüttern, die dann als Fleisch auf unseren Tellern landen, wäre es ressourcenschonender und klimafreundlicher, Getreide direkt zu konsumieren. Pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte sollten grundsätzlich den Großteil der Ernährung ausmachen. Das spart nicht nur Ressourcen, sondern kommt auch jedem Einzelnen sowie der Umwelt zugute. So der theoretische Ansatz.

So kann eine Planetary Health Diet aussehen

Pflanzliches statt tierisches Protein

Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen und Nüsse sind reich an Nährstoffen und eine gute Fleischalternative. Tofu und Räuchertofu eignen sich ebenfalls als proteinreiche Fleischersatzprodukte.

Gemüse in jede Mahlzeit einbauen

Zu jeder Mahlzeit sollte eine Portion Gemüse gehören.

Fleisch bewusst genießen

Der Fleischkonsum sollte auf maximal zwei Mahlzeiten pro Woche begrenzt werden und Bio-Produkte die erste Wahl sein.

Wurst, Käse und Milch ersetzen

Wer zu pflanzlichen Aufstrichen, veganem Käse und pflanzlicher Milch greift, findet eine Alternative zu tierischen Produkten.

Regionale und saisonale Produkte wählen

Produkte aus der Region sollten bevorzugt werden. Sie haben fast immer einen geringeren ökologischen Fußabdruck.

Einkaufsplanung optimieren

Ein Wochenplan und ein Einkaufszettel helfen, Essensabfall zu reduzieren und gleichzeitig gesünder einzukaufen.