Wie werden wir uns in Zukunft fortbewegen? Zu Fuß oder mit dem Hubschrauber? Ob es also geeignete Fußwege und Hubschrauberlandeplätze gibt, liegt nicht in unserer Hand. Dafür müssen Kommunen vorsorge treffen. Ob das bisher passiert ist, hat luckx – das magazin recherchiert.
Mobilitätswende
Wie wir in Zukunft unsere Mobilität gestalten, ist einer der großen Zukunftsherausforderungen. Darauf werden wir uns vorbereiten müssen. Doch insbesondere die Kommunen sind hier in der Pflicht, Angebote vorzuhalten, um nicht abgehängt zu werden. Denn je unzureichender die mobilen Möglichkeiten vorgehalten werden, desto geringer ist die Nachfrage nach dem eigenen Wohnsitz in der Stadt oder dem Dorf. Darüber hinaus gilt die Mobilitätswende als zentraler Hebel für Klimaschutz, Lebensqualität und soziale Teilhabe. Doch der Fortschritt in Deutschland verläuft schleppend: Zwar hat rund die Hälfte der deutschen Kommunen mittlerweile eine Mobilitätsstrategie erarbeitet (26 Prozent) oder diese bereits umgesetzt (29 Prozent). Ein Viertel der Kommunen verfügt allerdings bisher über keine solche Strategie und befindet sich auch nicht in einem Planungs- oder Bearbeitungsprozess. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Analyse von PwC Deutschland, für die das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen die Mobilitätsstrategien von 400 kreisfreien Städten und Landkreisen untersucht hat.
Unterschiede
„Um die Klimaziele zu erreichen und das Leben in den Städten und Kreisen lebenswerter zu gestalten, braucht es die Mobilitätswende. Im Fokus steht dabei die Aufgabe, den Verkehr klimafreundlicher und die Städte lebenswerter zu machen“, kommentiert Maximilian Rohs, Director Infrastructure & Mobility bei PwC Deutschland. Und setzt weiter fort: „Unsere Analyse zeigt, dass es bei dieser Aufgabe noch große Unterschiede zwischen den einzelnen Städten und Gemeinden gibt: So haben einige Kreise und kreisfreie Städte bereits umfassende, integrierte Mobilitätsstrategien erarbeitet, während andere sich noch auf Teilkonzepte mit Einzelmaßnahmen stützen“. Für die Analyse haben die PwC-Experten nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität der Konzepte untersucht. Dabei stufen sie lediglich 29 Prozent der Strategien als „hochwertige Gesamtstrategien“ ein, die alle relevanten Aspekte der Mobilitätswende integrieren. Als hochwertig eingestufte Strategien umfassen beispielsweise eine Beschreibung der aktuellen Mobilitätssituation und der Herausforderungen, die konkrete Zielsetzung und den Zweck der Strategie, eine langfristige Vision im Rahmen eines Leitbilds, strategische Maßnahmen sowie einen Implementierungsplan mit Handlungsempfehlungen. Weiteren 18 Prozent der Konzepte wird eine „hochwertige Teilstrategie“ bescheinigt. „Punktuelle Ansätze, die nur einzelne Teilbereiche berücksichtigen, reichen jedoch nicht aus, um die vielfältigen Herausforderungen der Mobilitätswende nachhaltig zu bewältigen“, gibt Maximilian Rohs zu bedenken. Vielmehr brauche es eine umfassende und integrative Gesamtstrategie.
Schwachpunkte
Für eine langfristige Transformation sei es zudem sinnvoll, über den reinen Verkehr hinaus auch Aspekte wie Wohnen, Tourismus und Begrünung zu integrieren. Dies ist jedoch noch nicht gelebte Praxis: Lediglich 16 Prozent der Konzepte beziehen die gesamtstädtische Entwicklung mit ein. Ein weiteres Manko sieht die Analyse bei Fragen zu Kosten und Finanzierung: Diese Aspekte würden in den bisher entwickelten Strategien häufig noch zu wenig berücksichtigt, obwohl sie mit Blick auf die knappen finanziellen Mittel einen wichtigen Erfolgsfaktor darstellen. Die Analyse hat sechs Schlüsselfaktoren ausgemacht, die zum Erfolg der Mobilitätswende beitragen: Dies ist zum einen die Stadtgestaltung und Verkehrsplanung, deren Hauptaufgabe darin besteht, den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren und die Umweltverträglichkeit zu stärken, etwa über die Verbesserung des Radverkehrs, die Einführung verkehrsberuhigter Zonen oder Mobility Hubs, an denen verschiedene Transportmittel vereint werden.
Das Rückgrat nachhaltiger Mobilitätslösungen stellt zweitens der Öffentliche Nahverkehr dar. „Deshalb kommt es ganz besonders darauf an, den öffentlichen Nahverkehr konsequent auszubauen und durch digitale On-Demand-Angebote wie Anrufsammeltaxis, Sharing-Modelle für Autos und Fahrräder oder PlusBus-Konzepte zu ergänzen“, resümiert Maximilian Rohs.
Antriebswende
Um die Mobilitätswende erfolgreich umzusetzen, ist der Umstieg auf emissionsfreie Antriebe wie Elektromobilität essenziell. Laut „PwC E-Bus-Radar 2025“ wächst der Anteil von E-Bussen stetig: Ende 2024 fuhren bereits 3.375 Busse deutscher Verkehrsunternehmen emissionsfrei. Das entspricht 6 Prozent. In den kommenden Jahren wollen die Verkehrsunternehmen zusätzlich 9.140 E-Busse anschaffen. Zudem spielen Förderungen und betriebliches Mobilitätsmanagement (BMM) eine Schlüsselrolle. Mit betriebsinternen Konzepten wie Mobilitätsbudgets, Fahrradleasing oder Homeoffice-Angebote können Kommunen und Unternehmen zur Förderung nachhaltiger Mobilität beitragen. Das Bundesamt für Logistik und Mobilität fördert entsprechende Maßnahmen. Darüber hinaus ist der Aspekt der Vernetzung essenziell: „Die Digitalisierung bietet die Chance, den Verkehr effizienter, nachhaltiger und nutzerfreundlicher zu gestalten und die Integration verschiedener Verkehrsmittel voranzubringen. Mobilitäts-Apps, KI und Big-Data-Analysen spielen dabei eine wichtige Rolle“, ist Maximilian Rohs überzeugt. So zeigt die PwC-Analyse, dass die 30 größten deutschen Städten bereits durchweg Mobilitäts-Apps für den regionalen ÖPNV anbieten. Die Mehrheit (17 von 30 Städten) stellt darüber auch mindestens ein Sharing-Angebot bereit.
„Um die Mobilitätswende effizient und nachhaltig umzusetzen, braucht es nicht zuletzt eine umfassende Gesamtstrategie und klare Governance-Strukturen. Nur so können die einzelnen Ansätze und Maßnahmen das Gesamtziel bestmöglich unterstützen, sich optimal aufeinander auswirken und effizient gesteuert werden“, so das Fazit des PwC-Experten.