Es gibt die unterschiedlichsten Charaktere unter uns Menschen. So mancher läuft das ganze Jahr barfuß durch die Welt während andere nicht einmal die Mütze vom Kopf nehmen. Was bei der Sommerhitze zu beachten ist, hat luckx – das magazin recherchiert.
Umweltfrevel
Es kommt immer wieder vor, dass unsensible Zeitgeister ihren Müll einfach draußen achtlos entsorgen. Da werden Zigarettenreste auf den Asphalt geworfen oder Kronkorken auf dem Fußballplatz hinterlassen. Es ist dann nicht so schön, wenn nach einem Torjubel der Kronkorken im Knie steckt. Aber nicht nur diese Dinge können Schmerzen bereiten. Auch mit nackten Füßen über warmen Sand laufen, durchs Gras spazieren oder auf der Terrasse barfuß die Sonne genießen. Für die meisten Mitmenschen ist es selbstverständlich und gehört zum Sommer. Für Menschen mit Diabetes kann das erhebliche gesundheitliche Risiken bergen. Bereits kleine Verletzungen an den Füßen können schwerwiegende Folgen haben. Diese Gefahr ist im Sommer besonders groß. So sollten Diabetiker ihre Füße im Sommer schützen und keinesfalls barfuß laufen.
Bis zu 50 Prozent aller Menschen mit Diabetes entwickeln im Verlauf ihrer Erkrankung eine diabetische Neuropathie. Durch die Nervenschädigung werden Schmerz-, Druck- oder Temperaturempfindungen an den Füßen vermindert wahrgenommen oder gehen ganz verloren. Es können Blasen, Druckstellen, kleine Verletzungen oder Verbrennungen entstehen, ohne dass Betroffene dies sofort registrieren. Hinzu kommt, dass Menschen mit Diabetes ein zwei- bis vierfach erhöhtes Risiko tragen, eine periphere arterielle Verschlusskrankheit zu entwickeln – eine Durchblutungsstörung, die die Wundheilung beeinträchtigt. Wenn dann noch Nervenschädigung und Durchblutungsstörung aufeinander treffen, kann sich am Fuß aus einer kleinen Verletzung schnell eine chronische Wunde entwickeln, ein sogenannter Ulkus.
Warnsignal fehlen
Diese Gefahr besteht verstärkt im Sommer, wenn die Menschen gerne barfuß laufen. Denn an heißen Sommertagen heizen sich Asphalt, Steinplatten, Terrassenböden, Sand oder Metallflächen so stark auf, dass sie die Sohlen an den Füßen schädigen können. Während gesunde Personen reflexartig reagieren und den Fuß zurückziehen, fehlt bei vielen Menschen mit diabetischer Nervenschädigung dieses Warnsignal. Die Folge können thermische Verletzungen sein, die häufig erst entdeckt werden, wenn bereits eine Wunde entstanden ist. Ebenfalls können Muscheln, Dornen, Glassplitter oder Steinchen unbemerkt kleine Verletzungen herbeiführen.
Entstehen aus den Blessuren chronische Wunden, sprechen Experten vom diabetischen Fußsyndrom, was häufig der Beginn einer bedrohlichen Entwicklung ist. Der diabetische Fuß ist keine Bagatelle, sondern eine schwere, potenziell lebensbedrohliche Komplikation des Diabetes mellitus. Zahlen verdeutlichen dies: 30 Prozent der Betroffenen mit einem diabetischen Fußulkus sterben innerhalb von fünf Jahren. Auch gehen Fußulzera etwa 80 Prozent der Amputationen der unteren Extremität bei Menschen mit Diabetes voraus – nach einer Amputation oberhalb des Sprunggelenks („Majoramputation“) versterben wiederum 70 Prozent der Patienten innerhalb von fünf Jahren. Pro Jahr finden rund 40.000 diabetesbedingte Amputationen in Deutschland statt.
Internationale Leitlinie rät vom Barfußlaufen ab
Vor diesem Hintergrund empfiehlt die aktuelle internationale Leitlinie der International Working Group on the Diabetic Foot (IWGDF) Menschen mit Diabetes und erhöhtem Risiko für Fußulzera ausdrücklich, weder im Haus noch im Freien barfuß zu laufen. Auch vom Gehen in Socken oder dünnsohligen Hausschuhen wird abgeraten. So sollte nur geeignetes Schuhwerk mit fester Sohle und genügend Platz genutzt werden, aus weichem Material und ohne Innennähte ausreichend vor mechanischen Verletzungen schützt. Vorbeugen vor Fremdkörpern und Hitzeschäden gehört zu den wichtigsten Maßnahmen.
Darüber hinaus rät die IWGDF-Leitlinie zur täglichen Kontrolle der Füße sowie zur konsequenten Hautpflege. Bei Auffälligkeiten muss früh gehandelt werden: Deshalb sollten Rötungen, Blasen, Druckstellen, Einrisse oder Schwellungen, Geruch und Sekrete immer ernst genommen und rasch ärztlich abgeklärt werden. Bei schlecht heilenden Wunden ist stets auch die Durchblutung zu überprüfen. Wundheilung beginnt nicht erst beim Verband – sie beginnt mit der Frage, ob ausreichend Blut im Gewebe ankommt. Eine frühzeitige gefäßmedizinische Diagnostik könne helfen, Komplikationen zu vermeiden und die Heilungschancen deutlich zu verbessern.
Sommer genießen, Füße schützen
Die Sommer-Botschaft für Menschen mit Diabetes lautet daher: Die warme Jahreszeit genießen, aber die Füße mit Schuhwerk schützen – auch am Strand, im Garten, im Freibad oder auf heißen Untergründen. Barfußlaufen stellt für Menschen mit Diabetes ein vermeidbares Risiko dar.