Eigentlich war es – besser ist es – ein schöner Urlaub. Bis es dann am letzten Tag zum medizinischen Notfall kam. Zwar sind die Bundesbürger im europäischen Raum meisten über ihre Krankenkasse abgesichert. Doch es gibt auch Situationen, wo diese nicht helfen kann, wie luckx – das magazin recherchierte.
Viele Urlauber finanziell nicht vorbereitet auf medizinische Notfälle
Nun brachte es eine Umfrage des ADAC an den Tag: Viele Urlauber sind finanziell nicht auf medizinische Notfälle vorbereitet. Kurz vor dem Start der Sommerreisezeit sollten Urlauber noch einmal in ihre Reiseunterlagen als auch in ihre Versicherungspolicen schauen, welche Risiken während der Urlaubsreise abgesichert sind.Denn viele Urlauber unterschätzen die Kosten, die anfallen können, um einen unerwarteten medizinischen Notfall im Ausland kurzfristig zu bezahlen. Das zeigt eine aktuelle Onlinebefragung unter 2.090 Auslandsurlaubern. Die Umfrage zeigt: Ein erheblicher Teil der Reisenden könnte unerwartete Behandlungskosten im Urlaub kaum stemmen. Jeder Achte gibt an, im Notfall höchstens 100 Euro kurzfristig für eine medizinische Behandlung im Ausland aufbringen zu können. Bei den 18- bis 39-Jährigen sind es 17 Prozent. Überraschend vor diesem Hintergrund: Gleichzeitig wissen fast drei Viertel der Befragten, dass ausländische Ärztinnen und Ärzte in der Regel Vorkasse verlangen. „Wer im Ausland krank wird, muss oft mehrere hundert oder tausend Euro für einfachste Behandlungen sofort bar oder per Kreditkarte bezahlen. Viele stehen damit vor einem echten finanziellen Problem. Unsere Umfrage zeigt, dass diese Risiken beim Krankenschutz vielen gar nicht bekannt sind,“ sagt Marc Kottmann, Schadenvorstand bei der ADAC Versicherung.
Höhere Kosten als in Deutschland
Arztbesuche in touristischen Regionen, etwa bei Hotelärzten oder in Privatkliniken, können ein Vielfaches der in Deutschland üblichen Sätze kosten. So ist es keine Seltenheit, dass für eine einfache Magen-Darm-Behandlung über 1.000 Euro fällig werden – in Extremfällen sogar über 3.000 Euro, wie es Ägypten-Urlauber erlebt haben. Für solche Fälle wären selbst die 34 Prozent der Befragten, die bis zu 1.000 Euro für einen medizinischen Notfall als Rücklage haben, finanziell nicht ausreichend vorbereitet.
Nach der Umfrage besitzt nur etwa die Hälfte der Befragten eine eigenständige Auslandskrankenversicherung. Weitere 19 Prozent verlassen sich auf den Schutz über einen Automobilclub, wie beispielsweise die ADAC Premium-Mitgliedschaft, in der ein Auslandskrankenschutz enthalten ist. Alarmierend: rund 16 Prozent geben an, gar keinen zusätzlichen Schutz zu haben. Viele verlassen sich ausschließlich auf die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) der gesetzlichen Versicherung. Die EHIC greift jedoch nur bei öffentlichen Vertragsärzten und -kliniken in Europa und übernimmt dort in der Regel nur die Kosten in Höhe der lokalen Kassenleistung. Bei Behandlungen in Privatkliniken oder bei Hotelärzten – also genau den Anlaufstellen, an die Urlauber häufig verwiesen werden – bleiben Patientinnen und Patienten meist auf hohen Rechnungen sitzen oder bekommen von der Kasse nur einen Teil erstattet.
Arztrechnungen selbst bezahlt
Auswertungen des ADAC und zahlreiche Erfahrungsberichte zeigen, dass gerade Hotelärzte und private Touristen-Kliniken oft mit intransparenten und überzogenen Honoraren arbeiten. Viele Betroffene akzeptieren aus Angst oder Unwissenheit die hohen Rechnungen, zahlen sofort und hoffen anschließend auf Erstattung. So haben 67 Prozent der Befragten bereits eine Arztrechnung im Urlaub zunächst selbst bezahlt. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) derjenigen, die die Rechnung bei ihrer Versicherung eingereicht haben, empfand das Verfahren als unkompliziert, die Bearbeitungszeit als angemessen (50 Prozent) und die Erstattung als verständlich (52 Prozent). 28 Prozent der Befragten wählten einen anderen Weg und mussten die Rechnung vor Ort nicht selbst bezahlen.
Auslandskrankenschutz
So funktioniert es: Im Krankheitsfall können sich beispielsweise Auslandsreisende, die über einen Auslandskrankenschutz oder über die ADAC Premium-Mitgliedschaft abgesichert sind, direkt an den Notfallservice wenden. Dort werden weltweit sorgfältig geprüfte Ärzte vermittelt. Termine können telefonisch oder digital organisiert werden. Die Abrechnung erfolgt – soweit möglich – direkt zwischen Arzt bzw. Klinik und dem ADAC.
Damit entfällt für Versicherte in der Regel die sonst übliche Vorkasse. Das Risiko, auf überhöhten Arztrechnungen sitzen zu bleiben, wird deutlich reduziert. Wichtig ist, vor einer Behandlung seine Versicherung, ADAC oder andere Anbieter, zu kontaktieren und um Hilfe bitten. Dann kann ein geeigneten Arzt vermitteln werden. Das schützt nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch das Reisebudget.
Deshalb am besten sofort den Auslandskrankenschutz prüfen oder abschließen. Gesetzliche Krankenversicherung und EHIC reichen im Ausland oft nicht aus, insbesondere bei privaten Anbietern, Hotelärzten oder einem medizinisch notwendigen Rücktransport. Das sollte aus der Police hervorgehen oder geklärt werden.
Außerdem sollte Vorkasse und Barzahlung kritisch hinterfragt werden. Wer ohne vorherigen Kontakt mit seiner Versicherung zum Hotelarzt geschickt wird, sollte Transparenz bei Preisen verlangen.