Sommer, Sonne, Strand und Meer. Was braucht der deutsche Urlauber mehr. Nun hat uns die Sonne überraschend schneller erreicht, als viele erhofft hatten. Temperaturen jenseits der Wohlfühlgrenze zwingen zum Sprung ins kühlende Nass. Es gibt aber auch jene Wassersportler, die gern oben bleiben, wie luckx – das magazin recherchierte.
Das ist die perfekte Welle
Vor über 20 Jahren schaffte die Musikband „Juli“ mit „Die perfekte Welle“ einen ihrer größten Erfolge. So wurde der Song im März 2004 zum ersten Mal gespielt. Doch im gleich Jahr, nach dem Erdbeben im Indischen Ozean, das am 26. Dezember 2004 mehrere Tsunamis mit hunderttausenden Toten auslöste, wurde Perfekte Welle wegen der im Titel besungenen „Welle“ von vielen Radiosendern und Fernsehsendern vorübergehend aus dem Programm genommen. Bei der Band sorgte das einerseits für Verständnis. Andererseits schadete es ihrem Erfolg. Aber nicht nur Juli schwamm trotzdem später auf einer Erfolgswelle. Auch Surfer suchen beim Wellenreiter nach der perfekten Welle. Was zu viel Erfolg führen kann, kann auch schwere Verletzungen nach sich ziehen. Wellenreiten, eine Sportart aus Hawaii, kam dann auch zu uns nach Europa. Denn auch hier, beispielsweise im portugiesischen Nazaré, gibt es die größten wellen der Welt. Nicht nur dort zieht immer mehr Menschen in ihren Bann. Inzwischen gibt es allein im deutschsprachigen Raum (DACH) rund 3 Millionen Menschen, die das Wellenreiten (Surfen) ausüben. Davon gehen etwa 500.000 Athleten diesem Sport regelmäßig aktiv nach. Was es dabei zu beachten gibt, welche Überlastungen und Verletzungen sich die Sportler zuziehen können und wie man das verhindern kann – darüber referierte Dr. med. Markus Knöringer, Facharzt für Neurochirurgie, Spezialist für Wirbelsäule und Sportmedizin in München und Miesbach auf dem 41. Jahreskongress der GOTS vom 11. bis 13. Juni in Osnabrück.
Gefahren
Selbst in dieser Sportart aktiv, kennt Knöringer die Risiken und Verletzungen der Athleten sehr gut. „Unbestritten gibt es keinen schnelleren Weg sich ein gutes Brettgefühl anzueignen, wie auf der stehenden Welle auf dem Fluss oder in einem Becken. Am Meer würde jeder Sportler sehr viele Jahre für den gleichen Fortschritt brauchen“, sagt er. „Aus sportmedizinischer Sicht ähneln sich die Verletzungen beim Surfen im Meer, Fluss und im Surfpool. Generell sind das eigene Brett und der Untergrund die Hauptgefahren“, so der Experte. Bei der Auswertung von Stürzen zeigte sich, dass Surfer und Brett meist nur wenige Zentimeter aneinander vorbeischrammen. Kommt es zu einem Kontakt, ist das Risiko für eine ernsthafte Verletzung durch die spitze Nose des Boards, sehr harten Kanten und vor allem durch scharfe, steife Finnen recht hoch. Knöringer: „Besonders häufig beobachten wir Kontusionen, Stich- und Schnittverletzungen. Und – beim Absprung vom Board – Kopfverletzungen mit Gehirnerschütterung oder gar Hirnprellung. Auch ist das Risiko für eine schwere Halswirbelsäulenverletzung ist hoch und kommt insbesondere bei Profisurfern, die aggressive Wellen surfen, immer wieder vor.“ Beim Hochleistungssurfen ist das Risiko für Verletzungen vor allem während der Landung gegeben. Da die Bretter beim Wellenreiten extrem leicht aufgebaut und nicht mit den Füssen verbunden sind, ist es neben der Schwierigkeit überhaupt abzuheben und aus dem Wasser zu kommen, eine Kunst das Brett in der Luft zu kontrollieren. Dabei gilt es geschickt die Windrichtung auszunutzen, damit das Brett an den Füssen bleibt.
Knie, Sprunggelenks- und Vorfußverletzungen sowie Überlastungen
Bei ungünstigen Landungen, wenn z.B. das Brett verkippt ist, man im Flat landet oder die Sprunghöhe zu groß geworden ist, steigt das Risiko für ernsthafte Knie-, Sprunggelenks- und Vorfußverletzungen stark an. Hierbei werden auch Luxationsverletzungen beobachtet. Sportler ziehen sich manchmal eine schwere Verletzung zu, bei der die Verbindung zwischen Fußwurzel und Mittelfuß bricht, sich verrenkt oder die Bänder reißen. Diese komplexe Verletzung hat ein hohes Risiko für dauerhafte Fehlstellungen oder Spätschäden.
Überlastungsreaktionen beim Wellenreiten betreffen vor allem Schultern, Nacken und die Lendenwirbelsäule. Da beim Wellenreiten ein großer Teil der Zeit auf dem Wasser auf dem Bauch liegend beim Paddeln verbracht wird, werden diese Strukturen stark beansprucht. Alte Verletzungen in diesen Bereichen oder Funktionsdefizite verschlechtern die Effektivität beim Paddeln und können leicht zu Beschwerden führen. Fehlhaltungen oder Verkürzungen u.a. betreffend die Bereiche Schulterblätter, Brustwirbelsäule oder Hüftgelenke führen oft rasch zu Beschwerden in den Nachbarabschnitten.
Was für den Profi selbstverständlich ist, ist auch für den Freizeitsurfer obligatorisch: die körperliche Vorbereitung und Fitness. Kraft, Kraftausdauer und entsprechende Beweglichkeit sind die Basis.