Manchmal erscheint es so, als ob der Jugend keine Zukunft geboten wird. Über Jahrzehnte gab es keine Ausbildungsplätze. Junge Akademiker wurden mit Praktikumsstellen „verwöhnt“. Und nun hat sich Hamburg gegen die Austragung der Olympischen Spiele ausgesprochen. Wo ist die wirtschaftliche und sportliche Zukunft Deutschlands versucht luckx – das magazin zu ergründen.
Erwartungen der Jugend von Olympia in Deutschland
Wer jemals Olympische Spiele erlebt hat, als Zuschauer oder Aktiver, hat Erinnerung fürs ganze Leben daran. Sicherlich, das eine oder andere verblasst im Lauf der Jahre. Doch das große Erlebnis bleibt. Was erwartet nun die Jugend von einer Olympiade in Deutschland? Dazu hat die Deutsche Sportjugend (dsj) die Meinung ihrer Generation herauszufinden. Vorweg: Junge Menschen knüpfen an Olympia und Paralympics klare Erwartungen. So befürworten 74 % der jungen Menschen eine deutsche Olympiabewerbung – verbunden mit klaren Erwartungen an Teilhabe, Sportförderung und Mitbestimmung. Das ist eine deutliche Zustimmung junger Menschen zu einer deutschen Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele. Damit einhergehend verbinden sie eine nachhaltige Verbesserungen für den Kinder- und Jugendsport. Das zeigen aktuelle Ergebnisse des „Jugendchecks“ der dsj. Sowohl in der bevölkerungsrepräsentativen Befragung der 16- bis 26-Jährigen als auch innerhalb der dsj-Community spricht sich eine klare Mehrheit für eine Bewerbung Deutschlands aus. Während in der Gesamtbevölkerung 74 Prozent zustimmen, liegt die Zustimmung in der dsj-Community sogar bei 90 Prozent.
Investitionen in die Zukunft
Die wahlberechtigten Bürger in Hamburg hatten mit 54,9 Prozent gegen eine Bewerbung Hamburgs um Olympische und Paralympische Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 gestimmt. Bei einer Wahlbeteiligung von 49,5 Prozent – 652.603 der 1.315.800 Abstimmungsberechtigten nutzten ihr Wahlrecht – gab es 293.819 Ja-Stimmen, eine Mehrheit wurde damit verfehlt. Die hohe Wahlbeteiligung zeugt dennoch von einem breiten demokratischen Verständnis der Wähler in Hamburg. Aufgrund des negativen Ergebnisses hat Hamburg sein Konzept nicht mehr beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) eingereicht. Die Argumente der Gegner waren doch sehr überraschend. Es gäbe schon jetzt zu wenig Wohnraum und aufgrund der vielen Baustellen in der Stadt würde der Verkehr schon jetzt stark behindert. Mit einer Olympiabewerbung würde sich alles noch verschlimmern. Bei so einer Argumentation fehlen einem die Worte. Das Beispiel München 1972 sollte eigentlich auch den Letzten überzeugen. Durch die Investitionen in die Infrastruktur wurde München zu einer der best entwickelten Städte in Deutschland. Aus dem Agrabundesland Bayern wurde ein hoch qualifizierter Forschungs- und Industriestandort. Hamburg hat als Tor zur Welt den Weg nach vorn verpasst. Dabei hat Hamburg viel aufzuholen. Marode Brücken, mangelhafte Infrastruktur, nachlassende Wirtschaftsentwicklung. Alles wichtige Argumente für eine Olympiabewerbung. Es bleibt zu hoffen, das sich einer der verbliebenen Bewerbern Berlin, KölnRheinRuhr oder München durchsetzen wird. Warum sich München abermals bewirbt, sollte aus diesen Zeilen deutlich geworden sein. Am 26. September entscheidet eine außerordentliche Mitgliederversammlung des DOSB mit welchem Kandidaten Deutschland am Bewerbungsverfahren teilnehmen wird.
Frankreich hat gezeigt, was möglich ist
Sport und Gesundheit treten immer als Tandem auf. Welche Investitionen mit diesem Tandem Frankreich im Vorfeld der Olympischen Spiele geleistet hat, konnten wir von luckx – das magazin vor Ort in Paris anschauen. Doch nicht nur die sportlichen Möglichkeiten haben sich in der französischen Hauptstadt verbessert. Auch das Gesundheitssystem wurde auf „Vordermann“ gebracht. Wo die deutsche Bundesregierung hilflos nach Lösungen sucht, hat die „Grande Nation“ Ergebnisse geliefert. Auch wenn so manche Dinge in Paris weiterhin aus dem Ruder laufen, weil die Kanalisation, besser geschrieben die Fäkalien, ungehindert in die Seine fließen, die Parkplatzbewirtschaftung gegen den Trend läuft, sind Fortschritte festzustellen. Eine total veraltete Kanalisation lässt sich auch in 10 Jahren nicht auf den neuesten Stand bringen. Da sind wir in Deutschland etwas besser aufgestellt. Wer nun meint, so etwas hat nichts mit Olympia zu tun, sollte sich einmal an die Triathlonwettbewerbe in der Seine erinnern. Aus der Elbe wären die Sportler ohne Infektionen herausgestiegen. Und – sie wäre nach den Olympischen Spielen noch sauberer in Richtung Nordsee geflossen und sanierten Elbbrücken hindurch.
Die Jugend ist dabei
Wer innerhalb kurzer Zeit zeigt, wie die Gasversorgung in einer Krise bewältigt wird wie der Grüne Wirtschaftsminister Robert Habeck, dem immer sein Tätigkeit als Kinderbuchautor als mangelnde Kompetenz vorgeworfen wurde, wird auch Olympia können. Denn ein Land vor Kälte zu retten, ist eine größere Nummer, als in 10 Jahren Olympia auszurichten. Deutschland kann Olympia. Hat die Kompetenz. Hat das Geld. Und sieht die Notwendigkeit der dringenden Weiterentwicklung. Die Wirtschaft braucht Impulse. Das alle wäre mit Olympia möglich und notwendig.
Zurück zur Studie. Junge Menschen erwarten von Olympischen und Paralympischen Spielen konkrete Investitionen in den Sport an der Basis. Die wichtigste Hoffnung ist eine Verbesserung der lokalen Sportangebote – in der dsj-Community sehen das sogar 75 Prozent der Befragten so. „Sport vor Ort“ ist der Top-Mehrwerthebel für Olympische & Paralympische Spiele in Deutschland. Gleichzeitig ist die Bereitschaft groß, sich selbst einzubringen. Die dsj-Community ist das größte Volunteer-Reservoir während der Olympischen und Paralympischen Spiele: 81 Prozent können sich ehrenamtliches Engagement im Rahmen der Spiele vorstellen. „Die Ergebnisse bestätigen unseren Auftrag als Deutsche Sportjugend. Junge Menschen wollen Sportereignisse wie Olympia und Paralympics, aber nur, wenn sie konsequent mit einer Stärkung des Kinder- und Jugendsports vor Ort verbunden werden. Das fordern wir in unserer Resolution – und die Jugend bestätigt es: Eine Bewerbung muss im Alltag junger Menschen wirken, d. h. es muss sichtbare Verbesserungen für Bewegung-, Teilhabe und Sportangebote geben“, erklärt Kiki Hasenpusch, Vorstandsmitglied der dsj.
Sport und Bewegung für alle
Die Ergebnisse unterstreichen die zentralen Forderungen der dsj-Resolution „Sport und Bewegung für alle Kinder und Jugendlichen“. Denn junge Menschen verbinden sportliche Großereignisse nicht nur mit Spitzensport, sondern mit besseren Bedingungen für Bewegung, Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt vor Ort. Wie Frankreich es schon zeigte. Zustimmung allein reicht nicht aus: Junge Menschen erwarten echte Mitbestimmung statt symbolischer Beteiligung. Viele Befragte wünschen sich mehr Transparenz über die Inhalte und Ziele einer möglichen Bewerbung sowie verständlichere Informationen zu den konkreten Auswirkungen für ihre Lebensrealität vor Ort. Selbst innerhalb der dsj-Community kennt nur jeder Zweite die Konzepte der Olympiabewerber gut oder grob. Ein klares Signal, junge Menschen, Jugendorganisationen und die Landessportjugend frühzeitiger und systematischer einzubeziehen.
Auch die Paralympics sind bislang deutlich zu wenig sichtbar. Die Ergebnisse zeigen, dass es mehr Aufklärungs- und Kommunikationsarbeit braucht, um die Bedeutung des paralympischen Sports für Inklusion, Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Eine Bewerbung kann nur dann ihr volles Potenzial entfalten, wenn Olympische und Paralympische Spiele gemeinsam gedacht, kommuniziert und gestaltet werden.
Vom 11. März bis 20. April 2026 wurden 1.235 Personen im Alter von 14-26 Jahren mittels einer Online-Marktforschung von der Agentur One8y und 407 Personen aus der dsj-Community im Alter von 14 bis 26 Jahren, die über dsj-Kommunikationskanäle kontaktiert wurden, befragt.