Es ist wieder soweit. Die Gefahren durch Zecken steigen. Jeder Dritte hat schon mit Zeckenstich zu kämpfen. Dabei steigt das Risiko für Borreliose und FSME in Deutschland. Was zu tun ist, hat luckx – das magazin recherchiert.
Gefahr durch Zecken
Die Hitze ist jetzt vorbei, sodass wir uns wieder verstärkt in die Natur wagen. So laden die immer noch warmen Spätsommertage viele dazu ein, Zeit in der Natur zu verbringen. Auch Zecken sind jetzt noch unterwegs. Entgegen der allgemeinen Annahme sind sie nicht nur im Hochsommer aktiv. Sie fallen erst bei Temperaturen unter null Grad in die Winterstarre. Durch die deutlich milderen Temperaturen in den Wintermonaten besteht durch den Klimawandel ein ganzjähriges Zeckenrisiko in Deutschland. Damit steigt auch das Risiko einer Infektion mit von Zecken übertragenen Krankheiten wie der Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die schwere gesundheitliche Folgen haben können. Eine aktuelle Umfrage stellt fest, dass mehr als jeder Dritte (39 %) in den letzten fünf Jahren einen Zeckenstich hatte, knapp ein Fünftel (18 %) sogar mehrfach. Doch mit einem Zeckenstich können gefährliche Krankheitserreger übertragen werden, insbesondere auch FSME-Viren und Borrelien. Der aktuellen Umfrage zufolge ist das Risikobewusstsein in der Bevölkerung groß: 90 % der Befragten halten Zecken mindestens für gefährlich und 81 % wissen um die Gefahr durch Borreliose, während FSME nur etwa zwei Drittel der Befragten bekannt ist.
Hohes Bewusstsein
Borrelien sind Bakterien, die die sogenannte Borreliose auslösen können. Bleibt diese Infektion unbehandelt, drohen schwere Gelenk-, Nerven- und Herzmuskelentzündungen, die beispielsweise zu chronischer Erschöpfung (Post-Borreliose-Syndrom) führen können. Die gemeldeten Borreliose-Fallzahlen sind zwischen 2022 und 2025 konstant angestiegen. Die genauen Fallzahlen sind aufgrund der fehlenden flächendeckenden Meldepflicht nicht bekannt und lassen daher eine hohe Dunkelziffer vermuten. Vertragsärztlichen Abrechnungsdaten aus 2024 zufolge gab es 138.107 Borreliose-Neudiagnosen in Deutschland. Doch obwohl rund ein Viertel der in der Umfrage Befragten bereits selbst an Borreliose erkrankte oder von einem Fall im engsten Kreis berichten kann und 80 % die Erkrankung als schwerwiegend wahrnahmen, schätzen die meisten ihr persönliches Risiko für eine FSME- oder Borreliose-Erkrankung als gering ein. Ein Grund hierfür könnten Wissenslücken sein – obwohl es keine Schutzimpfung gegen Borreliose gibt, glaubten sechs von zehn Befragten, dass eine Impfung gegen Zecken übertragbare Krankheiten auch vor dieser schützen könne.
Wenn die Zecke sticht
Nach einem Zeckenstich vergehen in der Regel einige Stunden, bis die Borrelien ins Blut gelangen. Je eher die Zecke entfernt wird, desto geringer ist also das Risiko an Borreliose zu erkranken. Bei FSME ist dies allerdings nicht der Fall, denn die Viren können direkt beim Stich auf den Menschen übertragen werden. FSME ist eine Erkrankung der Hirnhäute und des zentralen Nervensystems, die nicht mit Medikamenten heilbar ist. Schwere Verläufe können Lähmungen, Schluck- und Sprechstörungen hervorrufen und in einigen Fällen sogar tödlich enden. Bei FSME ist eine ähnliche Tendenz wie bei Borreliose zu beobachten. Auch hier stiegen die FSME-Fallzahlen in Deutschland zuletzt an. So verzeichnete das Robert Koch-Institut (RKI) 2025 den dritthöchsten Stand von FSME-Infektionen seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2001. Bei Kindern und Jugendlichen stiegen die FSME-Fälle in den letzten zehn Jahren sogar um 175 % an. Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass Kinder häufiger gestochen werden: Rund die Hälfte der Eltern (51%) gab an, in den letzten fünf Jahren mindestens einen Zeckenstich bei einem ihrer Kinder entdeckt zu haben.
Impfung
Um langfristige Folgen einer Borreliose zu verhindern, sind eine frühzeitige Diagnose und Antibiotika-Behandlung wichtig, da kein Impfschutz zur Verfügung steht. Den zuverlässigsten Schutz gegen die FSME bietet die FSME-Impfung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt diese allen Personen, die in FSME-Risikogebieten leben oder sich dort aufhalten und mit Zecken in Kontakt kommen können. Mit der zunehmenden Zeckenaktivität und Ausbreitung in Deutschland steigt auch die Zahl der FSME-Risikogebiete: Nach Angaben des RKI zählt inzwischen fast die Hälfte aller Stadt- und Landkreise dazu. Die FSME-Impfung kann ab dem ersten Geburtstag erfolgen und besteht aus drei Impfungen in einem Abstand von mehreren Monaten. Falls ein kurzfristiger Schutz (z. B. für geplante Ausflüge oder Reisen) benötigt wird, ist auch ein schnelles Impfschema möglich: Mittels diesem kann ein ausreichender Schutz für die aktuelle Zeckensaison innerhalb weniger Wochen aufgebaut werden. Für einen längerfristigen Schutz ist es jedoch wichtig, die Impfserie abzuschließen. Danach sind FSME-Auffrischungsimpfungen in regelmäßigen Abständen nötig, um zuverlässig vor FSME geschützt zu sein.
Vorbeugen
Naturburschen und -mädchen sollten immer auf die richtige Kleidung achten, damit es gar nicht erst zu einem Zeckenstich kommt. So sind das Tragen von langer und geschlossener Kleidung zu empfehlen. Auf heller Kleidung können die Blutsauger zudem schnell entdeckt werden. Auch Anti-Zeckensprays können helfen, wirken aber nur für eine gewisse Zeit und müssen immer wieder neu aufgetragen werden. Trotz aller Vorsorge sollte der Körper nach jedem Aufenthalt im Grünen gründlich nach Zecken abgesucht werden. Zecken stechen bevorzugt in dünne, warme und geschützte Hautstellen. Daher sollte bei der Suche besonders auf Kniekehlen, Bauch, Brust und den Intimbereich geachtet werden. Bei Kindern findet man Zecken zudem oft am Kopf bzw. Haaransatz oder im Nacken. Im Falle eines Stichs ist es wichtig, die Zecke schnellstmöglich mit dem dafür vorgesehenen Werkzeug – beispielsweise einer Zeckenkarte oder -zange – zu entfernen und die Einstichstelle mehrere Wochen zu beobachten. Kommt es zu Hautveränderungen – wie der für eine Borreliose typischen ringförmigen Rötung um die Stichstelle – oder treten Grippe-Symptome auf, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden, denn das könnten erste Symptome für eine Infektion sein.