Schon vor der Corona-Pandemie gab es eine hohe Nachfrage nach Freizeitfahrzeugen. Zu dieser Zeit wurden zwar erhöhte, aber immer noch bezahlbare Preise für die Fahrzeuge aufgerufen. Mit der Pandemie zog nicht nur die Nachfrage an, weiß luckx – das magazin.
Hohe Nachfrage erzeugt steigende Preise
Vor mehr oder weniger 15 Jahren lag die Freizeitfahrzeugbranche am Boden. Sinkende Nachfrage und Insolvenzen beherrschte die Branche. Mit der erhöhten Nachfrage nach Outdoor-Aktivitäten wie Wandern, Klettern, Biken und Draußensein bekamen Wohnmobil und Wohnwagen auch etwas davon ab. Denn nicht für jeden war das Besteigen des Mount Everest ein Lebensziel. Doch Draußen sein, oder wie die Norweger es nennen, Friluftsliv (wörtlich: „Freiluftleben“), also das Leben im Freien, war angesagt. Es geht dabei nicht um sportliche Höchstleistungen, sondern um das Erleben der Natur. Das lässt sich sowohl auf dem Campingplatz vor dem Wohnwagen erfahren oder beim „Freistehen“ an einem See oder auf einem Berg. Ruhe und Natur soll der Hektik des Alltags entgegenstehen. Mit der Corona-Pandemie war für einige Zeit Schluss mit Naturerlebnis und dem Reisen insgesamt. Restaurants und Hotels schlossen ihre Türen. Flugzeugkapitäne schulten zu Lokomotivführer um. Doch schon bald war das Reisen ohne Kontakt „zu Fremden“ wieder möglich. Hersteller und besonders der Handel erkannten ihre Chancen zur exorbitanten Preissteigerung. Davon wurde und wird bis heute Gebrauch gemacht. Die Preise stiegen in wenigen Monaten um über 100 Prozent. Auch wenn es heute aufgrund sinkender Nachfrage zu Preiszugeständnissen kommt, bewegen sich die Fahrzeugpreise immer noch in übertriebenen Höhen. Auch wenn Fahrzeuge im Einstiegssegment wieder um 50.000 Euro angeboten werden, ist die Ausstattung eher dürftig. Um ein fahrbereites und vergleichbares Fahrzeug wie vor der Pandemie zu haben, müssen dann weitere 20.000 Euro draufgepackt werden. Denn manches Fahrzeug ist vergleichsweise schmaler und hat beispielsweise statt eines Kleiderschranks ein paar Haken. Die Argumentation von Hersteller und Händler ist dann fadenscheinig: Schmalere Fahrzeuge lassen sich besser fahren und die vorhandene Ausstattung trifft die Bedürfnisse der Kunden. Weit gefehlt. So werden Campingbeginner für dumm verkauft, weil sie einfach keine Erfahrung haben. Schon nach wenigen Kurztrips stellen sie die Mängel fest und trennen sich von dieser schönen Urlaubsmöglichkeit. Wir von luckx – das magazin wissen, wovon wir schreiben. Über 12 Jahre sind wir auf den Straßen Europas unterwegs und haben rund 500.000 Kilometer mit mehreren Wohnmobilen Erfahrungen gesammelt. Über 180 Tage im Jahr im Wohnmobil unterwegs sein zeigt die Stärken dieses Reisen und die Schwächen der „Weißen Ware“.
Qualitätskontrolle
Nun gibt es seit einigen Jahren einen Caravaning-Gutachter-Fachverband e.V. (CGF e.V). Er wurde 2020 gegründet und hat mittlerweile über 120 Sachverständige als Spezialisten für Freizeitfahrzeuge. So ein Verband ist sicherlich erforderlich, weil u.a. Händler, Hersteller und Verkäufer nur über geringe Freizeitfahrzeugerfahrung verfügen. Dazu ein Beispiel: Während einer vor Ort Presseveranstaltung bei einem Hersteller meinte ein Pressesprecher des selbigen, dass es für ihn eine hohe Anstrengung und Unbequemlichkeit bedeutet, mit einem Wohnmobil in zwei Tagen 400 Kilometer zu fahren. Das würde er nun nicht wieder machen. Betretenes schweigen bei der Journalistenschar. Denn wer ein Produkt „verkaufen“ möchte, muss es auch intensiv genutzt haben. Das sollte auch für Fahrzeugkonstrukteure gelten. Sie müssten mindestens vier Wochen mit einem von ihnen konstruierten Fahrzeug losgeschickt werden und dürfen während dieser Zeit kein Werkzeug nutzen oder eine Werkstatt aufsuchen, damit sie in Zukunft keinen Murks mehr konstruieren. So kann wahrscheinlich die Caravaning-Gutachter-Akademie des CGF hier gute Hilfestellung leisten und ihr Wissen im Bereich bewohnbarer Freizeitfahrzeuge weiter geben. Die derzeit rund 1.000.000 Wohnmobile und etwa 800.000 Wohnwagen in Deutschland zugelassenen Fahrzeugen unterstreicht die Bedeutung dieses Tourismus-Segments und die Qualitätsanforderungen, damit die Nutzer am Lenker gehalten werden.
Technik
Insbesondere der Anteil hochwertiger Freizeitfahrzeuge mit komplexer technischer Ausstattung ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Für Sachverständige und Prüfingenieure ergibt sich daraus eine zunehmende Notwendigkeit, sich mit den spezifischen Anforderungen dieser Fahrzeugklasse vertraut zu machen. Besonders umgebaute Kastenwagen erfreuen sich wachsender Beliebtheit – nicht zuletzt in urbanen Räumen mit eingeschränkter Infrastruktur. Diese Fahrzeuge dienen häufig als Alltagsfahrzeug und gleichzeitig als Wochenenddomizil, was ihre technische Vielseitigkeit und den Anspruch an die Begutachtung erhöht. Die „Weiße Ware“ auf deutschen Autobahnen wird nicht nur zahlreicher, sondern auch luxuriöser. Der Anteil an Wohnmobilen mit einem Neupreis jenseits der 100.000-Euro-Marke nimmt stetig zu; siehe Preissteigerungen oben. Damit steigen auch die Anforderungen an die Sachverständigenpraxis: Die komplexe Bordtechnik, Materialien und individuelle Ausstattungsvarianten verlangen fundiertes Fachwissen und eine präzise Bewertungskompetenz. Die gestiegene Nachfrage nach besonderen Sachverständigenleistungen beinhaltet etwa allgemeine oder situationsbedingte Feuchtigkeitsanalysen, Camper-Checks oder Beweissicherungsgutachten. Auch die Justiz ist regelmäßig auf der Suche nach qualifizierten Caravaning-Sachverständigen, um fundierte Gerichtsgutachten beispielsweise bei Unfällen erstellen zu lassen – nicht zuletzt dank der hohen Zahl rechtschutzversicherter Verbraucher. Die Gutachter sind Spezialisten für Freizeitfahrzeuge, Wohnwagen und Wohnmobile, Mobilheime, Selbstausbauten und Zelte. Das Netzwerk erstreckt sich über das gesamte Bundesgebiet und schließt die Nachbarländer Schweiz und Österreich mit ein.