Vielleicht schwitzen wir noch aufgrund der hohen Temperaturen. Doch das kann schnell ins Gegenteil umschlagen. Nicht nur deshalb, weil die Wirtschaftsministerin die Gasspeicher nicht im Griff hat. Die niedrigeren Temperaturen sind spätestens Ende Oktober zu erwarten, meint luckx – das magazin.
Hohe Heizkosten
Zugluft, kalte Ecken oder hohe Heizkosten trotz moderner Technik haben oft eine gemeinsame Ursache: eine undichte Gebäudehülle. Ein Blower-Door-Test macht Leckagen messbar und zeigt Eigentümern, wo das Gebäude nachgebessert werden sollte. So unterschiedlich Gebäude sind, eine Frage stellt sich bei allen: Wie luftdicht ist die Hülle tatsächlich? Antworten liefert der Blower-Door-Test, ein standardisiertes Messverfahren, das Undichtigkeiten sichtbar macht, bevor sie zu Energieverlusten oder Bauschäden führen. Dieser Test ist eine der Möglichkeit, um Schwachstellen zu entdecken und zu beseitigen. Das ist kein einfaches Unterfangen. Denn der Gebäudebestand ist vielfältig: Gründerzeithäuser, Villen, Nachkriegssiedlungen und Neubauprojekte liefern ganz Situationen. Dabei erscheint das Verfahren auf ein einfaches Messprinzip zu beruhen. Ein leistungsstarker Ventilator wird luftdicht in eine Außentür eingebaut und erzeugt einen Unter- oder Überdruck von etwa 50 Pascal zwischen Innen- und Außenraum. Sensoren erfassen, wie viel Luft nachströmen muss, um diesen Druck konstant zu halten. Je mehr Luft benötigt wird, desto undichter ist die Gebäudehülle. Und an diesen Stellen entweicht nicht nur der erzeugte Luftdruck, sondern im Winter auch die kostenintensiv produzierte Wärme.
Ergebnis
Das zentrale Ergebnis ist der n50-Wert. Er beschreibt, wie oft das gesamte Luftvolumen des Gebäudes bei 50 Pascal Druckdifferenz pro Stunde ausgetauscht wird. Ein Passivhaus erreicht einen n50-Wert von maximal 0,6 h⁻¹. Werte zwischen 1,0 und 3,0 h⁻¹ finden sich häufig bei Neubauten und sanierten Bestandsgebäuden. Werte über 5,0 h⁻¹ gelten als deutlich undicht und sind energetisch wie hygienisch problematisch. Parallel zur Messung lassen sich Leckagen beispielsweise mit Rauch, Nebel oder unterstützend durch Thermografie lokalisieren: an Fensterfugen, Rollladenkästen, Steckdosen oder den Übergängen zu Dach und Bodenplatte. Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), das am 28. Juli 2026 im Bundesgesetzblatt verkündet wurde und in wesentlichen Teilen seit dem 29. Juli gilt, bleiben auch die gesetzlichen Anforderungen an die Luftdichtheit von Gebäuden relevant. Nach § 13 GModG muss die wärmeübertragende Umfassungsfläche eines zu errichtenden Gebäudes einschließlich der Fugen dauerhaft luftundurchlässig abgedichtet sein. Soll eine gemessene Luftwechselrate beim Jahres-Primärenergiebedarf berücksichtigt werden, schreibt § 26 GModG die Messung nach DIN EN ISO 9972 vor. In der Praxis ist genau dieses Differenzdruckverfahren als Blower-Door-Test bekannt.
Luftwechselrate
Bei Gebäuden mit einem beheizten oder gekühlten Luftvolumen von bis zu 1.500 Kubikmetern darf die Netto-Luftwechselrate ohne raumlufttechnische Anlage höchstens 3,0 h⁻¹ und mit raumlufttechnischer Anlage höchstens 1,5 h⁻¹ betragen. Für größere Gebäude gelten stattdessen auf die Hüllfläche bezogene Grenzwerte. Für Bauherren und Eigentümer kann die Messung darüber hinaus bei einer geförderten energetischen Sanierung relevant sein. Je nach angestrebtem Effizienzhausstandard und Fördervorhaben kann eine Luftdichtheitsmessung Bestandteil des erforderlichen Nachweises sein. Im Neubau erfolgt die Messung idealerweise nach Fertigstellung der luftdichten Ebene, aber vor dem Innenausbau. Leckagen lassen sich dann nachbessern, ohne Putz aufzustemmen oder Bauteile zu öffnen. Im Bestand hilft der Blower-Door-Test vor Beginn einer Sanierung, Schwachstellen systematisch zu identifizieren. Gerade bei älteren Gebäuden kann die Luftdichtheitsmessung im Rahmen einer Energieberatung ein wichtiger Baustein der energetischen Bestandsaufnahme sein. Eine Wiederholungsmessung nach Abschluss der Arbeiten zeigt, ob die gesetzten Ziele erreicht wurden.
Erfahrungsgemäß lohnt sich die Messung auch außerhalb konkreter Bauvorhaben, wenn Anzeichen für Undichtigkeiten vorliegen: spürbare Zugluft, hohe Heizkosten trotz neuer Technik oder Feuchtigkeitsprobleme. Gelangt warme, feuchte Raumluft durch Leckagen in kühlere Bereiche der Konstruktion, kann dort Feuchtigkeit kondensieren. Auf Dauer drohen verborgene Schäden an der Bausubstanz bis hin zu Schimmelbildung.
Aufwand und Erkenntnisgewinn
Bei einem Einfamilienhaus dauert ein Blower-Door-Test inklusive Vorbereitung, Messung und Auswertung in der Regel zwei bis drei Stunden. Die Kosten liegen je nach Aufwand, Gebäudetyp und Umfang der Dokumentation meist im mittleren dreistelligen Bereich. Das ist ein überschaubarer Betrag im Verhältnis zu den Folgekosten, die eine unentdeckte Leckage verursachen kann. Wer den energetischen Zustand seiner Immobilie umfassend einordnen möchte, kann die Luftdichtheitsmessung mit einer weitergehenden Analyse verbinden.