Effektiv Trainieren

Für Herz- und Kreislauf Erkrankte, Übergewichtige und Diabetiker ist Bewegung das A und O. Die Schwierigkeit ist dabei eine anzupassende Belastungsmöglichkeit zu finden. Ziel muss es dabei sein, die Belastung so hoch zu wählen, dass der Stoffwechselprozess angeregt wird und kardiovaskuläre Risiken gering sind. Luckx – das magazin hat recherchiert.

Unterstützung

Für die genannten Risikogruppen ist das Radfahren ideal, weil das eigene Körpergewicht nicht transportiert werden muss. Darüber hinaus findet eine Entlastung der Gelenke statt. Dies gilt so lang, bis der nächste Anstieg oder Gegenwind eine erhöhte Leistung erfordert. Doch schon der geringste Anstieg kann zum Scheitern führen. So bieten sich insbesondere für diese Gruppen E-Bikes wegen ihres batteriegetriebenen Motors geradezu an. Eine Studie hat gezeigt: Elektrofahrräder trainieren Ausdauer und Muskeln. Somit hat ihre Nutzung positive Effekte auf die Gesundheit. Das fanden Forschende der Klinik für Rehabilitations- und Sportmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) in einer knapp dreijährigen Studie heraus. Die Ergebnisse wurden vor kurzem im Journal BMJ Open Sport & Exercise Medicine veröffentlicht. Darauf macht diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe anlässlich des Sports, Medicine and Health Summit 2023 aufmerksam. Die elektrische Unterstützung beugt körperlicher Überforderung vor. Trotzdem ist die Belastung anspruchsvoll genug, um den Stoffwechsel zu verbessern und das kardiovaskuläre Risiko zu senken.

Im Rahmen der Studie werteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zwischen 2017 und 2020 die Daten von 1250 mit Pedelec und 629 mit motorlosen Rädern Teilnehmenden aus ganz Deutschland aus. Die beiden Gruppen wurden einerseits zu ihren Erfahrungen befragt, andererseits aber auch ihre knapp 60.000 absolvierten Fahrten inklusive gemessener Herzfrequenzen und Geschwindigkeiten analysiert.

E-Bike-Fahren ist sportliches Training

Dabei zeigte sich, dass Muskeln und Herz-Kreislaufsystem bei E-Bike-Fahrten fast genauso trainiert werden wie beim Radfahren ohne Motorunterstützung“, kommentiert diabetesDE Vorstandsvorsitzender Dr. med. Jens Kröger. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die E-Bike-Nutzenden entschieden sich im Vergleich zu den motorlos Radelnden öfter fürs Rad als fürs Auto. „Bemerkenswert ist, dass mehr als 35 Prozent der Teilnehmenden mit E-Bike Vorerkrankungen wie zum Beispiel einen Herzinfarkt, Bluthochdruck oder Gelenkverschleiß hatten. Außerdem war die Gruppe im Durchschnitt älter als die herkömmlich Radfahrenden und hatten einen höheren Body-Mass-Index“, betont Diabetologe Kröger.

Motorunterstützte Fahrräder fördern die Bereitschaft, sich im Alltag mehr zu bewegen, ist Kröger überzeugt: „Gerade untrainierte Menschen in höherem Alter oder jene mit Diabetes Typ 2 und Übergewicht können dadurch ihre Aktivität steigern, ohne Angst vor Überforderung haben zu müssen.“ Die Belastung sei individuell anpassbar, zum Beispiel auf ebenen Strecken ohne Motor, bei Steigungen oder Gegenwind sei eine mehrstufige elektrische Unterstützung wählbar. Die höhere Motivation zeigte sich auch in der Studie: Die E-Bike-Gruppe radelte 135 Minuten pro Woche unter größtenteils gesundheitlich effektiver Belastung. „Das macht schon mehr als den Hauptteil der WHO-Bewegungsempfehlung von 150 Minuten moderater Aktivität wöchentlich aus“, sagt Dr. Kröger.

Gesundheitscheck für Untrainierte

Für untrainierte Menschen gilt: erst zum Gesundheitscheck, dann aufs Rad. Der Vorwurf von Kritikern, dass E-Bike-Fahrende sich viel weniger anstrengen als motorlos Radelnde, ist falsch: Ein E-Bike hat zwar einen batteriebetriebenen Motor. Anders als ein Motorroller ist es jedoch nach wie vor ein Rad, bei dem man kontinuierlich in die Pedale treten muss. „Deshalb raten wir untrainierten Menschen, sich vor der ersten Fahrt von ihrem behandelnden Arzt untersuchen zu lassen“, so der Diabetologe. Außerdem ist das Tragen eines Fahrradhelms empfehlenswert, der bei Stürzen vor Kopfverletzungen schützt. Denn E-Bikes unterstützen eine Beschleunigung auf bis zu 25 km/h, bevor der Motor automatisch gedrosselt wird. „Wer ein E-Bike erst mal ausprobieren möchte, findet dafür im Sommerurlaub vielleicht Gelegenheit“, erklärt Dr. Kröger: „In vielen Ferienorten gibt es Leihstationen und Schnupperkurse.“