Zukunft unserer Lebensmittel

Lebensmittel brauchen wir zur täglichen Ernährung. Und diese kommen aus der ganzen Welt zu uns. Zwar können wir einen großen Teil unserer Lebensmittel selbst im Land erzeugen. Doch vielfach möchten wir eine bestimmte Qualität haben, wie luckx – das magazin recherchiert.

Bio-Lebensmittel

Eigentlich sollten alle Lebensmittel in Bio-Qualität zur Verfügung stehen. Doch anscheinend wird nicht in jedem Land auf nachhaltig und ökologisch einwandfreie Produktion und Produkte geachtet. So werden immer noch schädliche Mittel versprüht, wie beispielsweise in den großen Citrusanbaugebieten Spaniens. Wie Reisende berichten, ist dann das Befahren und Betreten dieser Gebiete untersagt. Bio-Qualität ist dann dort nicht zu erwarten. Doch Lebensmittel sollen oder müssen billig sein. Deshalb wurde und wird auch kostentreibenden Anbau verzichtet. Das befeuerte viele Jahre den Bio-Markt. Der hatte aber in den letzten Jahren stark zu kämpfen. Nun scheint sich der Markt für nachhaltige Lebensmittel zu erholen. Nicht alle Markteilnehmer profitieren vom wieder zunehmenden Marktwachstum. „Jetzt erst recht!“ Rufe wechseln sich ab mit den Schlagzeilen von Insolvenzen. Marken ringen mit Handelsmarken. In der Gesellschaft ist auch in der zweiten Jahreshälfte 2025 Nachhaltigkeit nicht das Fokusthema. Politischer Rückenwind? Derzeit überaus unwahrscheinlich. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen? So volatil wie nie. Wie geht es also weiter im nachhaltigen Foodsektor? Wie gelingt die weitere Transformation des Ernährungssystems?

Messe Biofach stellt sich den Zukunftsfragen

Die BIOFACH ist die Messe für nachhaltig erzeugte Lebensmittel und Kosmetika. Nur wer nachweislich Bioprodukte anbietet, darf auf der Messe ausstellen. Zur Qualitätskontrolle reicht das den Messeverantwortlichen nicht aus. So haben sie zusätzlich mit mehreren Veranstaltungen im Vorfeld der Messe mit den zentralen Zukunftfragen des Markts beschäftigt. Das artete in provokanten Thesen aus, um mit Entscheidern und Leadern der Branche sowie dem Fachpublikum in die Diskussion zu kommen.

In „Vollkorn strikes back?!“ fragte die Messe Estella Schweizer (Green Plate Movement), Jannis Meseke (Voelkel), Philipp Stahr (Wholey) und Prof. Dr. Jan Niessen (TH Nürnberg): Wie kommunizieren Impact-Brands in Zeiten multipler Krisen, wenn die klassischen Narrative nicht mehr tragen, um nachhaltigen Konsum weiter anzukurbeln und erfolgreich zu bleiben?

Die These „Sustainability is dead“ war eine bewusst provokante Einladung zur Neujustierung. Denn Nachhaltigkeit allein funktioniert nicht mehr als Verkaufsargument – weil es entweder selbstverständlich ist, unglaubwürdig wirkt oder schlicht derzeit nicht relevant genug ist. Stattdessen braucht es positive Erzählungen mit Substanz: Die Mehrwerte und zentrale Identitätsmerkmale der Bio-Bewegung wie Bodenfruchtbarkeit, Tierwohl, Transparenz oder Beitrag zum Klima sind für Verbraucher mitunter nur noch Added Values. Diese fragen heute zuerst: „What’s in it for me?!“ Geschmack, Gesundheit und positiver Lifestyle müssen daher heute im Vordergrund von Produktmanagement und Kommunikation stehen. Immer mehr Brands zeigen: Kommunikation darf nicht nur die Haltung zeigen, sie muss auch unterhalten. Die Zeiten, in denen zugunsten von Nachhaltigkeit auf Geschmack und Markenerlebnis verzichtet wurde, sind längst vorbei. Bio-Produkte müssen in jeder Hinsicht mit den konventionellen mithalten. Und cutting edge Marketing ist womöglich der größte Hebel für eine positive Entwicklung – insbesondere mit Blick auf die starken Entwicklungen sowie guten Argumente von Bio-Handelsmarken und konventionellen Lifestyle Brands. Starke Marken bleiben am Markt. Die Zukunft gehört jenen, die mit guter Stimmung anschlussfähig kommunizieren und nicht nur Nachhaltigkeit anbieten, sondern ein emotionales Gesamterlebnis.

Der Handel in der Verantwortung

Mit dem Thema „Transformationskraft Retail“ brachte die Messe Kathrin Jäckel (BNN), Kerstin Erbe (dm), Theresia Quint (EDEKA Quint), Hans Martin Herrmann (Lidl), Lukas Nossol (dennree) und Stephan Rüschen (DHBW Heilbronn) zusammen und drehte sich um die Frage: Welche Rolle und welche Verantwortung hat der Handel in der Gestaltung der Transformation? Es war der Versuch die Diskussion jenseits erwartbarer Aussagen zu führen. Ob Fachhandel, Drogerie, Discount oder LEH: im Handel wird das Entscheidungsverhalten in Sachen Ernährung wesentlich geprägt. Die Diskussion hat deutlich gemacht: Es geht nicht um ein Gegeneinander der Vertriebskanäle, sondern um ein neues Rollenverständnis und den Fokus auf die eigenen Stärken. Die Zielgruppen überlappen womöglich weniger als man denkt, und jeder Handelssektor kann einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Ernährung leisten. Bio muss überall verfügbar und auch leistbar sein, damit der pragmatische Mainstream zugreift. Zudem bleibt kreativer Raum für die Pionier-Unternehmen, um die Überzeugten immer wieder neu zu überzeugen.

Der Handel hat vielleicht die größte Macht das Ernährungssystem zu transformieren. Solange die rechtlichen Rahmenbedingungen (von True Cost Accounting bis Sozialstandards) nicht geschaffen werden, spielt er aber weiterhin nach den Regeln des degenerativen Wirtschaftssystems. Hier gibt es genug Potenzial für eine starke Entwicklung von Bio, auch wenn der Wind rau ist. Aber man darf auch an ihre Power erinnern und daran appellieren sie noch stärker im Sinne des Gemeinwohls einzusetzen.

Die Natur als Teil des Wirtschaftssystems werden

Raus in die Welt und auf ein Thema, das noch im Hintergrund scheint, aber immer mehr Bedeutung bekommt: Die Quantifizierung und Monetarisierung von Ökosystemdienstleistungen des Foodsektors. Sarah Compson (Soil Association), Ivo Degn (Climate Farmers), Tobias Bandel (The Landbanking Group) und Ryan Zinn (Dr. Bronner’s) gaben aus verschiedenen Blickrichtungen ihre Kompetenz in das co-kreative Panel. Das Thema „Ist Regenerativ das neue Bio?“, wurde schon im Jahr 2024 hinterfragt. Und Regenerative Landwirtschaft oder Carbon Farming ist durchaus im Boom, mit vielen konventionellen Betrieben, die auf den Zug aufspringen. Aber CO2 ist nicht die alleinige Kennzahl. Denn von Regenerativer Landwirtschaft profitieren vor allem große Betriebe ohne Tierhaltung. Es herrschte Einigkeit: Die Natur gehört in die Bilanzen und Betriebe, die Boden, Wasser, Klima und die Artenvielfalt schützen, sollten dies auch monetarisieren können. Aber die Beiträge sind vielschichtig und Regenerative Landwirtschaft kann nur ein Anfang sein. Wie dies von der globalen Bio-Branche mitgestaltet wird, ist wohl eine der spannendsten Entwicklungen in den kommenden Jahren. Konkrete Ansätze zur Lösung gibt es bereits, die der Komplexität des Systems gerecht werden können.

In allen Diskussionen wurde klar: Sustainability’s not dead! Die Marktentwicklung geht weiter und hinter den treibenden Marken stehen Menschen mit Haltung und dem Wissen um das Potenzial, das wir haben – sowohl für nachhaltige Veränderung als auch für wirtschaftliche Performance.