Es wird immer weniger

Wir Deutsche gehören zu den Sparweltmeister. Neben „Geiz ist geil“ legen wir immer etwas mehr auf die hohe Kante. So wollen wir für schlechte Zeiten vorsorgen. Doch anscheinend sind die schlechten Zeiten jetzt da, wie luckx – das magazin recherchierte.

Rücklagen schmelzen

Wie die Gletscher in den Alpen scheinen sich die Rücklagen der Deutschen zu verflüssigen. So mussten 29 Prozent der Bundesbürger im vergangenen Jahr ans Ersparte ran. Steigende Energiepreise, Inflation und vieles mehr knappern am Ersparten. Dabei entwickeln sich diese Rücklagen je nach Einkommenssituation unterschiedlich, wie eine Studie ergab. Doch für die meisten Deutschen ist die finanzielle Vorsorge ein wichtiges Anliegen: 85 Prozent verfügen über Rücklagen. Die Höhe der Ersparnisse fällt allerdings sehr unterschiedlich aus: Während 18 Prozent weniger als 500 Euro beiseitegelegt haben, besitzen 26 Prozent ein Polster von mehr als 5.000 Euro. Bei 29 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger sind die Reserven in den vergangenen zwölf Monaten geschrumpft, bei fast der Hälfte blieben sie stabil, und 22 Prozent konnten mehr sparen.

Klar ist, dass derjenige, der seine Liquidität kennt bessere Entscheidungen trifft. Das trifft besonders dann zu, wenn die eigene wirtschaftliche Perspektive von zunehmender Unwägbarkeit geprägt ist. Vor allem Haushalte mit einem Monatsnettoeinkommen von unter 2.000 Euro mussten ihre Rücklagen deutlich häufiger antasten als der Bundesdurchschnitt. Dagegen konnten 30 Prozent der Haushalte mit einem Einkommen von 4.000 Euro und mehr ihre Ersparnisse vergrößern. Damit wird deutlich: Die finanzielle Schere geht weiter auseinander, aber das Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld ist in allen Einkommensgruppen stark ausgeprägt.

Umgang mit Finanzierungen

Der maßvolle Umgang der Deutschen mit Geld zeigt sich auch bei Krediten und anderen Finanzierungen. Viele sehen darin eine sinnvolle Ergänzung: 72 Prozent der Bundesbürger haben bereits mindestens eine Finanzierung genutzt – am häufigsten den Rechnungskauf (43 Prozent), gefolgt von Ratenkauf (30 Prozent) und Dispokredit (27 Prozent). Fast vier von zehn Haushalten mit einem Einkommen unter 1.000 Euro kaufen auf Raten. Doch insgesamt überwiegt die Zurückhaltung: Die Hälfte der Befragten fühlt sich unwohl mit Finanzierungen und 60 Prozent sagen, dass sie Finanzierungen nur für wichtige Ausnahmefälle nutzen. Unter 30-Jährige neigen eher dazu, auf Finanzierungen zu verzichten. 36 Prozent sagen, sie geben nur das aus, was ihnen derzeit zur Verfügung steht.

Wie sich die Situation nun in der weiteren Kraftstoffkrise entwickeln wird, ist eine spannende Frage, die wahrscheinlich noch in diesem Jahr zu erheblicher Kaufzurückhaltung führen wird. Schon heute ist aufgrund der Aktionen von Reiseunternehmen abzusehen, dass die Deutschen ihr Reiseverhalten ändern werden. Es könnte weniger und kürzer gereist als auch alternative Angebote gesucht werden.

Die berichteteten Ergebnisse sind aus der Studie „TeamBank-Liquiditätsbarometer“ entnommen. Diese untersucht seit dem Jahr 2013 Liquidität und Konsumverhalten der deutschen Bevölkerung. Im 2. Halbjahr 2025 befragte das Marktforschungsinstitut YouGov im Auftrag der TeamBank AG 3.100 Personen im Alter zwischen 18 und 79 Jahren online.