Stabile Stromnetze brauchen Speicher

Ob Energiewende, Klimawende, Mobilitätswende; egal welche Wende wir schaffen wollen: Wir benötigen noch mehr und jederzeit verfügbare Energie. Dazu benötigen wir wirtschaftliche Stabilität und ein gutes und gesichertes Einkommen, meint luckx – das magazin.

Starke Wirtschaft

Das alles geschieht nur dann, wenn die wirtschaftliche Entwicklung funktioniert. Nun benötigt unsere deutsche, hoch industrialisierte Wirtschaft keine Wachstumsraten von 10 Prozent wie gern von anderen Volkswirtschaften kommuniziert wird. So etwas gelingt nur, wenn eine Volkswirtschaft auf niedrigem Niveau läuft wie beispielsweise China oder ein System vorher zusammengebrochen war wie z.B. Griechenland. Deutschland kann auch das nicht realisieren, weil unser Wirtschaftssystem dafür nicht ausgelegt ist. Vielleicht können wir eine Steigerung von 2 bis 4 Prozent schaffen. Doch dann laufen die Maschinen an der Kapazitätsgrenze und auf Verschleiß. Außerdem fehlen die Arbeitskräfte. Ungeachtet möglicher Wachstumsfantasien ist eine kontinuierliche, nachhaltige Energieversorgung wichtig. Sonst klappt das nicht.

Kontinuierliche Energieversorgung

Aufgrund fehlender Leitungsnetze erlangt eine dezentrale Energieversorgung eine immer größere Bedeutung. Deshalb ist es nicht verwunderlich, wenn Industriebetriebe verstärkt ihre Energie selbst erzeugen. Das gelingt aktuell noch nicht in Gänze. Aber der Weg dorthin ist vorgezeichnet. So entwickelt sich der europäische Batteriemarkt im Rekordtempo: Laut dem „Solar+-Report“ von SolarPower Europe erreichte die installierte Speicherflotte in der EU Ende 2025 eine Gesamtleistung von 40 Gigawatt (GW) sowie eine Speicherkapazität von 77 Gigawattstunden (GWh) – ein Plus von über 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bis 2030 prognostiziert die Studie im Solar+-Szenario, dass sich die Leistung auf 171 GW vervierfacht, während die Kapazität sogar um das Achtfache auf 598 GWh ansteigt. Weil wachsende Solar- und Windkapazitäten die europäischen Netze zunehmend fordern, müssen Speicher Strom künftig über viele Stunden verschieben. Folglich verlängert sich die durchschnittliche Speicherdauer von 1,9 auf 3,5 Stunden – ein technologischer Sprung, der den Trend zu systemrelevanten Netzspeichern untermauert. Wie die Industrie diesen enormen Bedarf deckt, zeigt die ees Europe vom 23. bis 25. Juni in München. Als Europas größte Fachmesse für Batterien und Energiespeichersysteme führt die ees Europe die globalen Marktführer zusammen. Aussteller präsentieren dort marktreife Innovationen, die Stromkosten senken und Netze stabilisieren – von künstlicher Intelligenz im Speichermanagement bis hin zu Natrium-Ionen-Technologien. Eingebettet in die Messeallianz The smarter E Europe vernetzt die Fachmesse rund 2.800 Aussteller und mehr als 100.000 Entscheider, um Netzspeicher wirtschaftlich in die Infrastruktur der Zukunft zu integrieren.

Klima- und Energieziele

Etwa vier Jahre verbleiben der Europäischen Union, um ihre verbindlichen Klima- und Energieziele für 2030 zu erreichen. Doch die Realität hinkt dem Anspruch hinterher: Trotz des jüngsten Booms bei erneuerbaren Energien zeigen aktuelle Prognosen, dass die EU ihre Ausbauziele für Wind- und Solarkapazitäten ohne Kurskorrektur verfehlen wird. Das von SolarPower Europe und Rystad Energy modellierte Solar+-Szenario zeigt jedoch einen klaren und hocheffizienten Ausweg. Wird das System konsequent auf Flexibilität getrimmt, avanciert die Kombination aus Photovoltaik und Batteriespeichern (BESS) zur technologischen Allzweckwaffe: Solarstrom allein könnte dank Kostenvorteile und hoher Zubaugeschwindigkeit rund 26 Prozent des europäischen Strombedarfs decken. Der gesamte Erneuerbaren-Anteil im Strommix würde so auf knapp 70 Prozent klettern und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen drastisch reduzieren.

Einsparungen stärken den EU-Standort

Das Erreichen dieser Ziele dient keineswegs nur dem Klimaschutz, sondern sichert die wirtschaftliche Zukunft des gesamten EU-Standorts. Indem die Marktteilnehmer teure fossile Kraftwerke systematisch zurückdrängen, halbieren sich die jährlichen Betriebskosten des europäischen Stromsystems im Solar+-Szenario bis 2030, was Jahr für Jahr rund 55 Milliarden Euro einspart. Gleichzeitig sinken die Großhandelsstrompreise im EU-Schnitt um 14 Prozent auf etwa 63,4 Euro pro Megawattstunde (MWh). Weil die installierten Netzspeicher den Strom zeitlich flexibel verschieben, verhindern sie das unkontrollierte Ausufern von Negativpreis-Stunden und schützen somit die Rentabilität großer Solarinvestitionen. Zudem befreit diese Kombination die europäische Wirtschaft von geopolitischer Erpressbarkeit. Allein während der ersten zwei Monate der jüngsten Nahost-Krise sparte der Solarzubau der EU bereits Gasimportkosten in Höhe von 8,5 Milliarden Euro ein. Bis 2030 summiert sich dieser Schutz im Solar+-Szenario auf jährlich über 53 Milliarden Euro beziehungsweise kumuliert 223 Milliarden Euro an vermiedenen fossilen Importen, was die europäische Energiesicherheit direkt und nachhaltig verbessert.

Wasserstoff ist der Schlüssel für die Energiewende

Die aktuelle Energiekrise macht deutlich, welche Folgen die Abhängigkeit von fossilen Energien hat. Durch den Iran-Krieg sind die Preise für Erdöl und Erdgas stark gestiegen und treffen viele Staaten mit voller Wucht. Auch zu Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine stiegen die Erdgas-Preise deutlich. Damals war grüner Wasserstoff sogar deutlich günstiger als konventioneller. Ein zukunftsfähiges Energiesystem basiert nicht mehr allein darauf, sauberen Strom zu erzeugen. Wir müssen diesen Strom auch intelligent speichern und sektorenübergreifend nutzbar machen. Erst wenn wir dezentrale Erzeugung, moderne Batteriespeicher und die Wasserstoff-Elektrolyse flexibel miteinander koppeln, sichern wir die Industrie ab. Grüner Wasserstoff ist dabei ein zentraler Hebel, um die Energieversorgung in Deutschland und Europa resilient aufzustellen, technologisch souverän zu machen und Strompreise langfristig planbar zu halten.