Batterie- oder Wasserstoffantrieb?

Wohin geht die Reise bei der Mobilitätswende? Bisher setzen alle Automobilhersteller weiterhin auf konventionelle Motoren und batterieelektrischen Antrieb. Doch der Batteriespeicher hat große Nachteile wie extrem hohes Gewicht und hohe Ladezeiten. Alternative ist der Wasserstoffantrieb, weiß luckx – das magazin.

Wasserstoff, Brennstoffzelle und Methanol

Um Wasserstoff zu lagern und zu transportieren muss dieser unter hohem Druck und tiefer Temperatur im hochfesten Tanks verbracht werden. Das wird gern als aufwändig bezeichnet. Klar, es wird dadurch mehr Energie verbraucht. Doch schon heute haben wir extrem viel nachhaltig erzeugter Energie, sodass Solar- und Windkraftwerke abgeschaltet werden müssen. Außerdem muss Strom meist zur Mittagszeit verschenkt oder wird nur gegen einen hohen von den Energieerzeugern/-händlern zu zahlenden Betrag abgenommen. Es fehlen einfach die Speichermöglichkeiten. Dabei könnte die nicht abgenomme, aber vorhandene und trotzdem an die Erzeuger bezahlte Energie dieser Strom als Wasserstoff gespeichert werden. Alternativ aber auch in einem weiteren Schritt zu Methanol umgewandelt werden. Methanol lässt sich vergleichsweise einfach in bisher verwendeten Tanks als auch durch Pipelines zu transportieren. Darüber hinaus ist Methanol bei Zimmertemperatur flüssig. Wer nun meint, das wäre Energieverschwendung, irrt. Denn unser Ziel ist es, nicht nur nachhaltig erzeugte Energie zu bekommen. Viel wichtiger ist das Ziel, unsere Mobilität und unser wirtschaftliches Handeln zu Dekarbonisieren. Im Übrigen gibt es heute schon konventionelle Motoren, die durch einfach vorhandene Technik sowohl für Methanol- als auch für Wasserstoffantrieb umgebaut werden könnten. Schon heute können vorhandene Dieselmotoren in Wasserstoffantrieb umgerüstet werden. Das gleiche ist mit Methanol möglich. Und die Technik ist in vorhandenen deutscher Motorentechnik unkompliziert einsetzbar.

Anwendung

Die Dekarbonisierung macht unsere Industrie schneller und kosteneffizienter sowie die Mobilität sicherer als auch unabhängig. Auch weil das die langfristige Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz unseres Unternehmens stärkt – und die von Europa insgesamt. Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass der weltweit größte Automobilhersteller und Brennstoffzellenpionier Toyota beabsichtigt, in das Brennstoffzellen Joint Venture cellcentric einzusteigen – als gleichberechtigter Anteilseigner neben Daimler Truck und der Volvo Group. So soll das Unternehmen Cellcentric zur ersten Adresse für Brennstoffzellentechnologie im Nutzfahrzeugbereich weltweit werden. Der Einstieg von Toyota würde dabei wesentliche Vorteile einbringen. Toyotas 30 jährige Erfahrung in Brennstoffzellenentwicklung und Produktionstechnologie würde die Wettbewerbsfähigkeit von Cellcentric weiter steigern. Gleichzeitig bleibt Cellcentric das Kompetenzzentrum für die Entwicklung, Produktion und Vermarktung von Brennstoffzellensystemen für den schweren Straßengüterverkehr und vergleichbare Anwendungen. Für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft ist entscheidend, die gesamte Wertschöpfungskette zu skalieren. Dorthin zu kommen ist der schwierigste Teil der Aufgabe. Gemeinsam mit Toyota ließe sich die Wasserstofftechnologie deutlich schneller skalieren.

Wenn Unternehmen ihre Kräfte bündeln, ist das immer ein starkes Signal an Kunden, Zulieferer und weitere Akteure im Ökosystem. Gemeinsam wäre der Punkt erreicht, um den Aufbau von Wasserstoffversorgung und infrastruktur aktiv zu unterstützen – von Elektrolyse und Verflüssigung über Transport bis hin zu Wasserstofftankstellen.

Wasserstoff ist entscheidend für die Zukunft des Transports

Vorbehaltlich der finalen Zustimmung aller relevanten Parteien und Behörden, ist der Einstieg von Toyota der nächste große Schritt bei der Umsetzung der Technologiestrategie und der Vision einer Wasserstoffgesellschaft. Für Daimler Truck sind die Hauptgründe die Ergänzung zu batterieelektrischen Fahrzeugen. Nach den Vorstellungen der Stuttgarter ist „Battery first“ (Batterien zuerst) der richtige Ansatz für Cellcentric und würde viele Anwendungsfälle seiner Kunden abdecken. Doch bei Distanzen deutlich über 1.000 Kilometer, hohen Nutzlasten, energieintensiven Anwendungen wie Kühltransporten oder bei der nötigen Flexibilität für anspruchsvolle Routen ist Wasserstoff die bessere Lösung. Mit den Mercedes‑Benz GenH2 Truck wurden schon mehr als 225.000 Kilometer in realen Kundenerprobungen zurückgelegt.

Infrastruktur

Auch in Sachen Infrastruktur ist „Battery first“ der richtige Ansatz, so die äußerst optimistische Ansicht von Cellcentric, da batterieelektrische Fahrzeuge auf dem bestehenden Stromnetz aufbauen. Doch das gleichzeitige Laden von nur zehn Fernverkehrs‑Lkw an einer Raststätte innerhalb von 45 Minuten braucht rund zehn Megawatt Leistung – etwa so viel wie eine Kleinstadt. Das bestehende Stromnetz stößt also schnell an seine Grenzen; um nicht zu sagen, es ist völlig überfordert. Wer trägt die Kosten für eine solche Infrastruktur außerhalb der Gemeindegrenzen etwa entlang der Autobahnen. Denn dort bewegt sich der Fernlastverkehr.

Europa importiert heute mehr als 50 Prozent seiner Primärenergie in Form von Kohle, Öl und Gas. Jüngste geopolitische Ereignisse zeigen uns wieder einmal die Unsicherheit dieser Energiequellen – unabhängig vom Klimawandel. Wasserstoff kann die Verfügbarkeit global handelbarer, erneuerbarer und geradezu unerschöpflicher Energie erhöhen und somit das Energiesystem entlasten und seine Resilienz stärken. Die Produktion kann in sonnen‑ und windreichen Regionen gebündelt werden. Und sobald der Wasserstoffpreis auf rund fünf Euro pro Kilogramm sinkt, wird der Betrieb für unsere Kunden wirtschaftlich attraktiv. China beispielsweise strebt bereits einen Wasserstoffpreis von rund drei Euro pro Kilogramm an.

Wettbewerbsfähigkeit

Wasserstoff bietet unserem Unternehmen, aber auch Deutschland und Europa insgesamt, eine historische Chance. Dank der industriellen Basis, technologischen Kompetenz und Fertigungskapazitäten sind wir derzeit weltweit führend in der Wasserstoff‑ und Brennstoffzellentechnologie. Mit Toyota an Bord könnte cellcentric zur ersten Adresse für Brennstoffzellentechnologie im Nutzfahrzeugbereich weltweit werden. Das stärkt auch die wirtschaftliche Resilienz Europas, indem neue Märkte für europäische Unternehmen erschlossen werden und Wertschöpfung für langfristig differenzierende Schlüsseltechnologien gesichert wird – im Einklang mit den laufenden Diskussionen zum „Industry Accelerator Act“. Gleichzeitig reduziert Wasserstoff geopolitische Abhängigkeiten, da die für Brennstoffzellen benötigten Materialien weitgehend in Europa verfügbar und recyclebar sind.

Batterieelektrische Lkw sind seit Jahren in Serienproduktion. 2025 war Mercedes‑Benz Trucks in Europa Marktführer für mittlere und schwere E-Lkw mit einem Marktanteil von über 35 Prozent. Mit den Wasserstoffaktivitäten wird die zweite Säule dieser Doppel‑Strategie umgesetzt.