Viele Menschen stolpern durchs Leben. Ihnen fehlt der Kompass, wohin es eigentlich gehen soll. Sicherlich, dass kann in der heutigen Zeit bei einem Überangebot von Informationen zur Unsicherheit führen. Wie die Kompassnadel auf Zukunft gestellt werden kann, hat luckx – das magazin recherchiert.
Perspektiven
Der Discounter macht es uns vor. Wenn in vielen Lebensmittelgeschäften beispielsweise eine Vielzahl von Gouda-Käse angeboten wird, gibt es im Discounter nur drei Auswahlmöglichkeiten: Am Stück, geschnitten oder gerieben (vereinfacht dargestellt). Denn wenn es mehr Auswahlmöglichkeiten geben würde, fällt die Entscheidung schwer. Also wird entschieden, nicht zu kaufen. Und das wäre nicht gut für Geschäft. Für jeden Menschen ist es auch nicht gut, wenn er zu viele Entscheidungsmöglichkeiten hat. Denn dann trifft er auch keine Entscheidung oder zögert diese noch weiter hinaus. Im Endeffekt bleiben dann viele Dinge offen und sorgen nur für Verdruss. Das bringt immer mehr und mehr Unzufriedenheit in den Alltag. Besonders junge Menschen sind aufgrund ihrer geringen Lebenserfahrung davon betroffen. Junge Erwachsene müssen erst noch den Weg zu innerer Stärke und mentaler Gesundheit finden. Die Fragen „Wo bin ich?“ und „Wo will ich hin?“ stellen sie in der heutigen Zeit, geprägt von globalen Krisen, Leistungsdruck, unendlichen Möglichkeiten sowie den Einfluss durch soziale Medien, vor besondere Herausforderungen. Gut gemeinte Ratschläge wie „Finde dich selbst“ klingen nach Freiheit, münden aber oft in einem Gefühl von Überforderung. Diese Orientierungslosigkeit ist mehr als nur eine vorübergehende Phase; sie ist ein ernstzunehmender Stressfaktor, der, wie Studien zeigen, das Risiko für psychische Belastungen signifikant erhöht.
Wenn zu viel Freiheit lähmt
In der klinischen Praxis wird zudem deutlich, dass eine fehlende Zukunftsperspektive den Heilungsprozess bei bestehenden psychischen Erkrankungen massiv erschweren kann. Wenn kein „Licht am Ende des Tunnels“ erkennbar ist, fehlt die Motivation für eine aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Genesung. Junge Erwachsene, die keine klare Vorstellung von ihrem weiteren Lebensweg nach der Schule haben, fühlen sich oft stärker belastet als Gleichaltrige mit einer groben Idee. Die Ursachen sind vielfältig, dazu gehören Entscheidungsdruck, ständige soziale Vergleiche und fehlende Leitplanken. So ein Zustand kann zu depressiven Verstimmungen, innerer Unruhe, Motivationsverlust und psychosomatischen Beschwerden führen.
Wenn junge Menschen dann wegen Haltlosigkeit erst in einer Klinik landen, ist es ein beschwerlicher und anstrengender Weg zur eigenen Perspektive. In Kliniken werden Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 18-28 Jahren dabei begleitet, ihren Weg zu finden. Erst wenn eine Perspektive entsteht, wird nachhaltige psychische Stabilität möglich. Solche Programme können sowohl präventiv, als auch als integraler Bestandteil der therapeutischen Arbeit eingesetzt werden. Manche bieten ein umfassendes, multimodales Therapiekonzept, das medizinisch-psychotherapeutische Expertise mit einem realitätsnahen Blick auf die Lebenswelt junger Menschen verbindet. Das Ziel ist nicht, am Ende einen fertigen Lebensplan zu haben. Vielmehr geht es darum, einen Prozess anzustoßen. In einem geschützten Rahmen setzen sich die jungen Erwachsenen mit zentralen Fragen auseinander: Was ist mir wichtig? Was sind meine Werte? Was kann ich gut? Der Fokus liegt auf der Entdeckung eigener Fähigkeiten und positiver Eigenschaften, um das Selbstvertrauen zu stärken. Durch das Erarbeiten kleiner, realistischer nächster Schritte wird dem Gefühl der Lähmung entgegengewirkt. Die jungen Erwachsenen lernen, wieder selbstbestimmt zu agieren. So kann ein ganzheitlicher Ansatz für nachhaltige Stabilität sorgen und das Leben in selbst geregelte Bahnen bringen.