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Mallorca

Mallorca hat schon viele Tourismusphasen durchlebt. Putzfraueninsel, Umweltvorbild und nun Luxusdestination? Mallorca will weg vom Billigimage und hin zum Luxus. Viele Konzepte hat die Inselregierung schon vorgelegt. Doch was ist davon tatsächlich auf der Insel angekommen, fragt luckx – das magazin?

In die Jahre gekommen

Nach vielen Jahren waren wir wieder einmal auf der Insel. Zwar nur für vier Tage, haben einiges entdeckt und erfahren. Der Flughafen in Palma ist modern geworden und begrüßte seine Gäste aufs feinste. Früher eher ein Provinzflughafen, ist er heute eine Shopping-Mall mit Rollfeld. Und wie fast überall auf den Flughäfen der Welt wird abgezockt. Zwar bieten viele Automaten eine Flasche Wasser ab 1,50 Euro an. In der Gastronomie müssen dafür 4 Euro auf den Tisch gelegt werden. Mietwagen können nun im Parkhaus auf verschiedenen Etagen abgeholt werden. Was auf dem ersten Blick als übersichtlich erscheint, entpuppt sich bei der Übergabe eher als Bremse. Da steckt wohl noch der Wurm drin. Eine Stunde haben wir warten müssen. Doch dann ging es los. Zuerst nach Alcudia. Die Fahrt dauert nicht einmal eine Stunde vom Flughafen aus. Der Ort ist ideal zum Baden und besonders gut für Familien geeignet. Feiner heller Sand und ein flacher Strandverlauf lässt Kinderherzen höher schlagen. Und der Wochenmarkt lädt zum Bummeln ein. Am Rande des Geschehens gibt es noch Bars und Restaurants, die von Mallorquiner besucht werden. Ein Relikt aus der Vergangenheit?

Was weiter auffiel war, dass an den Inselimmobilien die Zeit nicht spurlos vorübergegangen ist. Was vor rund dreißig Jahren schön und neu war, ist nun veraltet und nicht gut erhalten. Damals modern, heute überkommen. Sicherlich, vieles hat sich verändert. Von den ökologischen Ideen blieb einiges übrig. Wie der Busverkehr. Der läuft wie geschmiert. Kurze Taktzeiten, überschaubare Fahrpreise.

Immobilien auf Mallorca sind teurer

Wir hatten das Glück, auf eine Maklerin zu treffen. Uns interessierte brennend, ob etwas daran wahr sein, dass die Insel von Dubai Flüchtlingen überrannt wird. So etwas konnte sich nicht bestätigen. Ihre Kunden kommen auf Mittel- und Nordeuropa. Vornehmlich Deutsche und Engländer. Und die Preise? Ja, es ist schon teuer und teilweise unvorstellbar teuer. Wer sind denn die Verkäufer und wer kauft? Das überrascht dann schon. War aus vielen Berichten zu erfahren, dass Nicht-Spanier die Verkäufer von Luxus-Immobilien sind, die an Nicht-Spanier verkaufen, so korrigierte sie dieses Bild deutlich. Es sind Spanier, die verkaufen. Aktuell hat sie eine Immobilie eines Spaniers im Angebot, der 12 Millionen Euro als Kauferlös erwartet. Und auch einen Kunden dafür? Ja, den gibt es auch. Wir wissen woher, schreiben es aber nicht. Denn der Käufer legt neben den 12 noch weitere 6 Mio auf den Tisch, um daraus etwas zu machen, was seinen Vorstellungen trifft. Sie versicherte, dass das kein Einzelfall ist. Da erscheint die Berichterstattung über den Overtourismus und seine Auswirkungen auf die Locals in einer ganz anderen Sicht. Denn dort wurden die Touristen, insbesondere Deutsche, beschimpft und bedroht, weil sie Wohnen auf der Insel nicht mehr möglich machen. Doch wo sollen die Köche, Reinigungs- und Servicekräfte ein Bleibe finden, wenn es nicht genug Wohnraum gibt und dieser von den eigenen Landsleute für teuer Geld verhökert wird. Klar ist doch, ohne Mitarbeiter gibt es keinen Tourismus. Und ohne Tourismus kein Mallorca. Keine Arbeitsplätze. Keinen erster Platz in der Gästestatistik. Da beißt sich die Katze – das Ende ist ja bekannt. Deshalb: auch wenn es reißerisch ist und Quoten bringt, kann ein wenig mehr Recherche den Menschen gut tun, vom Tourismus und dem Journalismus Schaden abzuwenden. Denn davon leben die Menschen zu 100 Prozent auf Mallorca. Dramatische Bilder helfen nicht, Wohnraum und Verständnis zu schaffen.

Servicegedanke

Wir von luckx – das magazin reisen nun sehr viel. Und wer reist, kann viel erleben und erzählen. Seit vielen Jahren verlassen wir uns eher auf unser Wohnmobil als andere Unterkünfte zu nutzen. Wir können frühstücken wann immer wir wollen. Uns Kaffee und Tee zu jeder Zeit zubereiten. Auch nutzen wir gern die örtliche Gastronomie, um lokale und regionale Speisen zu erfahren. Da gibt es immer wieder spannende Zubereitungen. Ein wahres Erlebnis. Doch manchmal kommen wir einfach nicht drumherum und übernachten im Hotel. Was am meisten stört, sind die Frühstückszeiten. Um 10 Uhr ist Schluss. Da machen wir manchmal erst die Augen auf. Das ist dann keine Erholung mehr, sondern Stress. Nun gut, wenn es eine Arbeitsreise ist, passt das ja auch. Doch was wir jetzt auf Mallorca erlebt haben, ist der Gipfel der unterirdischen Servicepyramide. Okay, Frühstück von 8 bis 10 Uhr passte noch. Doch Poolbenutzung von 10.30 bis 18 Uhr schränkt schon ein. Und dass am Abreisetag um 7 Uhr das Frühstück je Person mit 25,- Euro; also insgesamt 50 Euro; zwar berechnet wurde, es dafür in der Lobby ein paar Kekse und Wasser gab, schlug dem Fass den Boden aus. So etwas haben wir noch nicht erlebt. Eher was es andersherum. Beispiel gefällig? In einem Hotel auf Kreta unternahmen wir eine Wanderung und mussten dazu morgens um 5 Uhr starten. Selbstverständlich war im Frühstücksraum alles angerichtet. Das Personal entschuldigte sich dann noch dafür, dass es nur ein eingeschränktes Frühstück gab; eben keine frisch gebratenen Spiegeleier und sonstige frisch zubereitete Speisen morgens um 4. Alles andere war da. Sogar die Thermoskanne konnte mit heißem Tee gefüllt werden.

Kurioses zum Schluss

Vor ein paar Jahren besuchten wir eine Hotel-Immobilien-Konferenz in Zürich. Uns wurden in Rahmen einer Exkursion verschiedene Hotelkonzepte präsentiert. Zum Teil waren die Hotels noch im Bau. Architekten, Investoren und Betreiber zeigten die Besonderheiten auf. Es ging um Alleinstellungsmerkmale So manches wurde unter uns Journalisten kontrovers diskutiert. Einigkeit bestand aber darin, dass es unmöglich sein, wenn das Bad nicht vom Schlafraum getrennt ist. Da wir so etwas noch nicht erlebt hatten, nahmen wir diese Aussagen zur Kenntnis. Nun war es soweit. Auf Mallorca im Hotel Barceló Illetas Albatros, ein vier Sterne Haus nur für Erwachsene, erfuhren wir dieses Konzept in der Realität. So etwas muss man tatsächlich nicht haben. Nächtlicher Toilettengang weckt den Mitschläfer auf. Duschen setzt das ganze Zimmer unter Dampf, weil die Abluft fehlt. Und die kleinen Zimmer mit unzureichender Kofferablage sind als Urlaubsunterkunft eher ungeeignet. Das einzige, was am dem Hotel gut was, ist das Frühstück. Wenn man es denn erhält. Ach ja, nur für Erwachsene ist wohl ein Konzept, was wohl dringend überdacht werden muss. Denn sonst gibt es in Zukunft keine Gäste mehr.

Mallorca, kommen wir wieder?

Nach vielen Jahren der Abstinenz war die Vorfreude auf des Deutschen liebste Insel groß. Es gibt dort viele Orte, die wir gern wiedergesehen hätten. Und es gibt Dinge, die wir bisher nicht erlebten. Wir erwarteten eigentlich mehr, als in einem Resort mit Flughafen eingesperrt zu sein. Ebenso erschwerte der spätnachmittägliche Verkehrsstau unseren Erlebnishunger. Die Bebauung erinnert eher an eine Großstadt, als an eine Ferieninsel. Aber vielleicht sind wir auch von anderen Reisezielen zu verwöhnt. Vorerst reicht es erst einmal.

Ach ja, beinahe haben wir etwas vergessen: Um Tourismus wirtschaftlich erfolgreich zu betreiben, werden immer noch sehr viele Gäste benötigen. Denn dann gibt es eine große Auswahl an Freizeitangebote und eine passende touristische Infrastruktur. Wenn zu wenig Gäste vor Ort sind, sinkt das Angebot, die Auswahl wird geringer und Arbeitsplätze fallen weg. Die Infrastruktur kann nicht mehr aufrecht erhalten werden und wird vernachlässigt. Das fängt beim Rasenmähen an, Blumen werden nicht mehr gepflanzt und Freizeitangebote finden nicht mehr statt. Wenn also alle Destinationen nach Luxus-Reisenden streben, von denen es naturbedingt weniger gibt, wo bleiben dann die normalen Menschen mit geringeren Einkommen, die bisher fleißig für eine hohe Auslastung und Arbeitsplätze gesorgt haben? Es gibt Luxusresorts, die den Namen verdient haben. Mallorca sollte es nicht anstreben.