Preis oder Qualität?

Landwirtschaft ist ein volatiles Geschäft. Wetter, Wirtschaft und Weltpolitik beeinflussen den Handel. Das trifft wohl besonders für den Obsthandel zu, wie luckx – das magazin während der Messe fruit logistica vor einiger Zeit erfuhr.

Obsthandel

Ob Äpfel, Steinobst, Rosenkohl oder Kürbisse: Aus dem Europäischen Statistikhandbuch 2026 lässt sich der europäische Obst- und Gemüsemärkte analysieren. Daraus lassen sich die Herausforderungen und Nutznießer der Branche sowie über die neuen Lieblingssorten der Deutschen erfahren. Deutlich wird, in der Branche gibt es keinen Grund zum Feiern, aber auch einige positive Beispiele. Die grundlegenden Probleme bleiben bestehen: der Umgang mit extremen Wetterbedingungen, Arbeitskräftemangel, steigende Produktionskosten und, insbesondere im letzten Jahr, der begrenzte Spielraum bei der Preisgestaltung. Einerseits steigen die Produktionskosten weiter, andererseits stagnieren die Erzeugerpreise. Das bedeutet, dass die Produzenten den Großteil des Risikos tragen.

Besonders hart getroffen hat es aufgrund des Wetters die Länder Südosteuropas. Sie sind eindeutig die Leidtragenden. Dort führten Frühjahrsfröste und Sommerdürren zu massiven Ernteausfällen. Dies verursachte eine spürbare Angebotslücke bei Steinobst, insbesondere bei Kirschen und Pflaumen, und damit auch höhere Preise. Im Gegensatz dazu blieben große Apfelanbaugebiete vom Frost verschont, was zu einer größeren Ernte führte.

Deutschland ist der wichtigste europäische Markt für Obst und Gemüse

Generell stiegen die Kaufmengen im letzten Jahr leicht an, sowohl bei Obst als auch bei Gemüse. Kürbisse, wie beispielsweise Hokkaido-Kürbisse, erfreuen sich weiterhin steigender Beliebtheit, ebenso wie Süßkartoffeln. Zwei Obstsorten, die die Meinungen spalten, verzeichneten einen besonders hohen prozentualen Anstieg der Kaufmengen: Rosenkohl und Fenchel. Auch Karotten zählen zu den Gewinnern. Bei den Gemüsesorten, bei denen die Kaufmengen stiegen, war häufig ein größeres Angebot vorhanden. Hier zeigte sich deutlich, dass der Mechanismus aus reichlichem Angebot, niedrigeren Preisen und höherer Nachfrage funktionierte. Bei Obst bleiben Bananen der Favorit der Deutschen. Mangos, Avocados und Beeren wie Blaubeeren waren ebenfalls stark nachgefragt. Äpfel hingegen waren weniger gefragt, was unter anderem an der reichlichen Ernte in privaten Gärten lag.

Nutzen für die Verbraucher

Obst und Gemüse trugen 2025 nur geringfügig zu den steigenden Lebenshaltungskosten bei. Stattdessen gab es eine große Auswahl an frischen Produkten zu vernünftigen Preisen. Die Nachfrage ist weitgehend stabil. Das ist eigentlich zu wenig, wenn man bedenkt, dass Obst und Gemüse ideal für die so oft empfohlene gesunde, ausgewogene, pflanzliche Ernährung sind. Die Nachfrage müsste eigentlich rasant steigen. Doch es sieht anders aus. Es geht entweder um den Preis oder um bestimmte Marken und Qualität. Alles dazwischen hat es schwer. Bei Äpfeln beispielsweise ist das Einstiegssegment mit zwei oder drei Kilo im Beutel und einem niedrigen Kilopreis gefragt. Oder Äpfel im Hochpreissegment, vier oder sechs Früchte in einer Folienverpackung, die mit einem Markenversprechen einhergehen. Das funktioniert aber nur, wenn die besondere Qualität langfristig erhalten bleibt. Diese Unterscheidung gibt es auch bei Tomaten. Allerdings ist eine Differenzierung nicht für jedes Produkt möglich. Ein Eisbergsalat bleibt immer ein Eisbergsalat.

Bio-Sektor

Nach drei Jahren, in denen Bio-Obst und -Gemüse auf Verbraucherebene etwas zu kämpfen hatten und zwar hinsichtlich des Absatzes, nicht aber hinsichtlich der gekauften Menge zulegten, kehrte die Branche 2025 zu ihrem ursprünglichen Wachstumskurs zurück. Betrachtet man insbesondere Deutschland, so war es ein weiteres erfolgreiches Jahr mit einem Anstieg des Absatzvolumens von Bio-Gemüse um sechs Prozent und von Bio-Obst um zwölf Prozent.

Doch der Druck auf die Branche hält an. So sind die Marktteilnehmer aufgefordert, den besten Weg finden, mit dem Klimawandel umzugehen. Auch die Arbeitsmarktfrage erfordert Flexibilität, Innovation und eine veränderte Kostenstruktur. Einzelhändler müssen bereit sein, einen angemessenen Preis zu zahlen. Die Differenz zwischen Erzeugerpreisen und Produktionskosten wird auch 2026 eine große Herausforderung bleiben.