Für viele sind sie eine Plage. Wenn es summt und brummt ergreift so mancher schnell die Flucht. Doch Insekten sind ein wichtiger Bestandteil der Biodiversität. Ohne diese fehlt ein wichtiger Faktor für eine widerstandsfähige Wertschöpfungskette, recherchierte luckx – das magazin.
Mehr als nur Blumen und Bienen
Je mehr es summt, brummt, fliegt, flattert und blüht, desto besser für die Artenvielfalt. Doch bisher beschränkte sich der Insektenschutz oft auf wenige Blumenstreifen am Feldrand. „Wir brauchen mehr Lebensraum, mehr Nahrung und mehr Bestäubungsmöglichkeiten für Insekten“, forderte Patrick Trötschler, Geschäftsführer der Stiftung Bodensee. Trötschler präsentierte Ergebnisse während der Messe fruit logistica das EU-LIFE-Projekts „Insektenfreundliche Regionen“, an dem die Bodensee-Stiftung als private Umwelt- und Naturschutzorganisation sowie weitere Partner beteiligt sind. Sieben Regionen wurden für das Projekt ausgewählt, darunter Wendland, Allgäu und Vinschgau in Südtirol. Mehr als 60 landwirtschaftliche Betriebe aus diesen Regionen nahmen teil, für jeden wurden spezifische Pläne erstellt. Wichtig war die Integration von Biodiversitätsmaßnahmen in die bestehenden Produktionssysteme.
Zusammenarbeit ist wichtig
Das kann beispielsweise bedeuten, Wege in Weinbergen naturnah wachsen zu lassen oder in Kartoffelfeldern mehrere Blühstreifen anzulegen, in denen Insekten dann zur Gesunderhaltung der Pflanzen beitragen. Auf diese Weise wurden rund 2.200 Hektar insektenfreundliche Flächen geschaffen. „Es war wichtig, Experten aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Kommunen in regionalen Arbeitsgruppen zusammenzubringen und übergreifende Strategien zu entwickeln“, erklärte Trötschler. Das Projekt umfasste auch Schulungen mit mehr als 1.500 Teilnehmer. Seiner Ansicht nach sind mehrere Faktoren entscheidend dafür, dass diese Flächen mehr als nur Blumenstreifen werden: „Man braucht Pioniere mit intrinsischer Motivation und hohem Fachwissen, die andere inspirieren können, ihrem Beispiel zu folgen“, erklärte der Projektexperte. Gute Koordination und Kommunikation seien ebenfalls wichtig, kosteten aber Geld. „Man benötigt private und öffentliche Mittel. Das sind keine Spenden oder Subventionen, sondern Investitionen in unsere Umwelt.“
Unterstützungsprogramme
Die Niederlande könnten hier als Vorbild dienen, da Landwirte in einer Region gemeinsame Strategien entwickeln und kooperieren, um die Biodiversität zu fördern. Laut dem Projektleiter sollten solche kooperativen, landschaftsbezogenen Förderprogramme EU-weit etabliert sein. Anreize sind auch für Landwirte wichtig, für die das Engagement für mehr Biodiversität mit Risiken und Kosten verbunden ist. „Subventionen müssen flexibler gestaltet und öffentliche und private Mittel kombinierbar sein“, so Trötschler. Die Lebensmittelindustrie, die eine große Verantwortung trägt, muss jedoch ebenfalls ihren Beitrag leisten. „Biodiversität ist ein Wirtschaftsfaktor und der Schlüssel zu einer resilienten Wertschöpfungskette.“ Laut Experten muss die Branche Anreize für Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität schaffen und gemeinsam einheitliche Standards entwickeln. Das branchenweite Netzwerk „Food for Biodiversity“ ist hierfür ein guter Anfang.