Ob Gastronomie, Handel oder Fitnessstudio: Ohne Minijobber läuft in dieser Republik fast nichts. Darüber hinaus kurbelt jeder im Minijob verdienter Euro sofort die Binnenkonjunktur an. Denn dieses Geld wird fürs Leben dringend benötigt, weiß luckx – das magazin.
Lebenskosten steigen
Ob Miete, Lebensmittel, Energiekosten; die Preissteigerungen der letzten Jahren haben deutlich an dem verfügbaren Einkommen der Bundesbürger geknabbert. Da bleibt für Freizeitgestaltung wenig finanzieller Spielraum übrig. Das merkt nicht nur die Gastronomie. Auch dem Handel fehlt Umsatz. So sind es überwiegend Frauen, die neben der Kinderbetreuung und Carearbeit noch einem Minijob nachgehen. Aber auch die Anzahl der Arbeitnehmer, die neben dem Hauptjob einem Minijob annehmen, hat sich 2010 verdoppelt. Das zeigt, wie wichtig der Minijob zum Überleben ist und zur Stabilisierung der Kaufkraft beiträgt. So ist nicht nur bei den Minijobbern die Aufregung groß. Besonders in Branchen mit hohen Minijob-Anteil herrscht jetzt schon Chaos. Denn viele Unternehmen wissen nicht, wie sie ihr Angebot in Zukunft aufrecht erhalten sollen. Schon jetzt wird darüber diskutiert, dass dies Menschen mehr und mehr in die Schwarzarbeit treibt.
Fitnessstudios stark betroffen
Rund 7 Millionen Menschen gehen einem Minijob nach. Darunter sind Studierende, Rentner, Eltern und Nebenerwerbstätige. Für viele von ihnen würde am Ende vor allem eines bleiben: weniger Netto vom Brutto und damit weniger Kaufkraft – wenn überhaupt eine andere Form der Teilzeitbeschäftigung zustande kommen würde. Ach ja, günstiger sind diese Beschäftigungsverhältnisse schon jetzt nicht. Zwar bleib dem Minijobber der volle zugesagte Stundenlohn. Doch vom Unternehmen sind zusätzlich rund 35 Prozent on Top zu zahlen; rund 15 Prozentpunkte mehr gegenüber einem normalen Beschäftigungsverhältnis. Auch in Fitnessstudios sind viele Mitarbeiter auf Minijob-Basis beschäftigt. Dazu erklärt Prof. Dr. Thomas Wessinghage, 1. Vorsitzender des DSSV (Fitnessstudiobetreiber), dass die Abschaffung des Minijob-Sonderstatus die Betriebe belastet. Und weiter: „Für die Fitness- und Gesundheitsbranche wären die Folgen gravierend. Minijobs sind kein Randphänomen, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil flexibler Personalstrukturen. Viele Tätigkeiten im Service, in der Betreuung, bei Kursangeboten oder Vertretungen lassen sich insbesondere in kleinen und mittelständischen Anlagen nicht ohne Weiteres in klassische Teilzeitmodelle überführen. Wer Minijobs abschafft, schafft nicht automatisch mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Für die Unternehmen der Fitness- und Gesundheitsbranche ist es ausgeschlossen, dass jede geringfügige Beschäftigung durch eine reguläre Teilzeitstelle ersetzt wird. Damit ist auch fraglich, ob die erhofften Mehreinnahmen für die Sozialversicherungssysteme tatsächlich in dem erwarteten Umfang entstehen.“
Rentenkommission hinterlässt Ratlosigkeit
Besonders kritisch bewertet der DSSV, dass die Rentenkommission die Bedeutung von Prävention, Rehabilitation und längerer Erwerbsfähigkeit ausdrücklich hervorhebt, hierzu aber keine konkreten Maßnahmen vorschlägt. Dabei leisten Fitness- und Gesundheitsanlagen bereits heute einen wichtigen Beitrag dazu, Menschen länger gesund, leistungsfähig und erwerbsfähig zu halten. „Fitness- und Gesundheitsanlagen sind Teil der Lösung, nicht Teil des Problems“, betont Wessinghage. „Wer die sozialen Sicherungssysteme langfristig stabilisieren will, muss auch die Voraussetzungen dafür stärken, dass Menschen gesund bleiben und länger am Erwerbsleben teilnehmen können. Genau dazu trägt unsere Branche jeden Tag bei. Diesen Beitrag sollte die Politik stärken, statt gleichzeitig die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unserer Betriebe zu verschlechtern.“