Der Wohnungsbau steckt in der Krise. Zwar soll die Anzahl der Bauanträge gestiegen sein. Doch klar ist, ein Bauantrag schafft noch keinen Quadratmeter Wohnraum. Allein im letzten Jahr verfielen mehrere tausend Bauanträge. Wie es weitergehen könnte, hat luckx – das magazin recherchiert.
Bedarf ist da – gebaut wird zu wenig
Schon 2025 zeigte die Weltleitmesse für Wasser, Wärme und Luft ISH wohin der Wohnungsbau sich entwickelt. Immer mehr wird auf Modulbauweise geschaut, um damit die Kosten zu reduzieren. Zum Beispiel zeigte die ROCA-Gruppe wie komplette Bäder einschließlich aller Anschlüsse vorbereitet auf die Baustelle geliefert und dann nur montiert werden. So befindet sich der Wohnungsbau in Deutschland und Europa insgesamt in einer Phase der Neuorientierung. Verdichteter Wohnraum, steigende Anforderungen an Energieeffizienz und ein wachsender Modernisierungsbedarf im Bestand verändern die Rahmenbedingungen für Planung und Umsetzung spürbar. Der Bedarf an Wohnraum bleibt hoch, während sich Erwartungen an Komfort, Ressourceneinsatz und langfristige Nutzbarkeit deutlich weiterentwickeln. Ein Blick auf die aktuellen Entwicklungen zeigt auch in den Zahlen, wie stark sich der Markt verändert: Nach den deutlichen Rückgängen der vergangenen Jahre erwartet Euroconstruct für die europäische Bauwirtschaft ab 2026 wieder Wachstum. Besonders der Wohnungsbau soll sich schrittweise erholen und bis 2028 wieder an Dynamik gewinnen. Parallel dazu gewinnt der Gebäudebestand weiter an Bedeutung. Energetische Sanierungen, Modernisierungen und die Anpassung bestehender Gebäude an neue Anforderungen prägen zunehmend die Bautätigkeit in Europa. Der Fokus verlagert sich damit von der reinen Schaffung neuer Wohnflächen stärker auf die nachhaltige Weiterentwicklung bestehender Gebäude.
Neue Anforderungen
Mit dieser Entwicklung verändern sich die Anforderungen an Gebäude grundlegend. Energieeffizienz und Betriebskosten bleiben zentrale Themen, darüber hinaus gewinnen Komfort und langfristige Nutzbarkeit an Bedeutung. Wohnräume sollen sich flexibel an unterschiedliche Lebensphasen anpassen lassen. Altersgerechte Konzepte werden damit zu einem festen Bestandteil moderner Wohnstrategien. (Quelle: Euroconstruct/ifo Institut, 101st Euroconstruct Conference, Helsinki, Juni 2026). Besonders im Wohnungsbau zeigt sich, wie eng diese Anforderungen miteinander verknüpft sind. Komfort, Energieverbrauch und Wasserbedarf werden zunehmend als zusammenhängendes System betrachtet. Steigende Baukosten, hoher Fachkräftebedarf und Sanierungen im bewohnten Zustand erschweren die Umsetzung zusätzlich. Gefragt sind Lösungen, die sich wirtschaftlich realisieren lassen und langfristig zuverlässig funktionieren. Wie solche Lösungen konkret aussehen können, zeigt sich dort, wo Anforderungen und technische Umsetzung zusammengeführt werden und wo die unterschiedlichen Perspektiven der Wohnungswirtschaft aufeinandertreffen.
Lösungen für den Wohnungsbau
Wenn Wohnraum knapper wird und gleichzeitig die Ansprüche an Komfort und Nutzbarkeit steigen, rückt die Gestaltung funktionaler und flexibler Bäder in den Fokus. Im Lösungsfeld „Sanitärräume“ wird die ISH 2027 wohl wieder tief in die Entwicklung der Unternehmen blicken, wie sich Design, Hygiene und langfristige Nutzbarkeit verbinden lassen – und welche Ansätze sich für Projektentwickler, Planer und ausführende Gewerke gleichermaßen eignen. Von kompakten Konzepten für verdichteten Wohnraum bis hin zu barrierearmen Ausstattungen und durchdachten Installationssystemen. Der effiziente Umgang mit Wasser und Energie wird zu einer zentralen Stellschraube für Betriebskosten und Versorgungssicherheit – insbesondere für Wohnungsunternehmen und Betreiber. Im Lösungsfeld „Wasserführende Systeme“ werden Lösungen sichtbar, die genau hier ansetzen: hygienische Trinkwasserinstallationen, optimierte Heizkreisläufe sowie Systeme für Entwässerung und Regenwassernutzung tragen dazu bei, Ressourcen zu schonen und gleichzeitig hohe Sicherheitsstandards zu gewährleisten.
Energieanforderungen
Mit Blick auf steigende Energieanforderungen stellt sich zudem die Frage nach einer zukunftsfähigen Wärmeversorgung. Das Lösungsfeld „Wärmeerzeugung“ bündelt Technologien wie Wärmepumpen, hybride Systeme und die Einbindung erneuerbarer Energien, die sowohl für die Planung als auch für den wirtschaftlichen Betrieb von Wohngebäuden relevant sind. Gleichzeitig gewinnt die Qualität der Innenräume an Bedeutung. Gerade in energieeffizienten Gebäuden wird deutlich, wie wichtig ein kontrollierter Luftaustausch ist. Im Lösungsfeld „Raumluft“ können Konzepte für ein gesundes Raumklima sorgen und sollenden gestiegenen Anforderungen an Komfort und Behaglichkeit gerecht werden. Das ist ein Aspekt, der für Planer ebenso wie für Betreiber zunehmend an Gewicht gewinnt. Damit diese Systeme auch unter realen Bedingungen umsetzbar sind, rückt schließlich die praktische Installation in den Fokus. Bau- und Sanierungsprozesse müssen effizienter werden etwa durch vorgefertigte Komponenten, optimierte Abläufe und moderne Montagekonzepte. Gerade für das SHK-Handwerk und den Fachhandel ergeben sich hier Ansätze, die Effizienz steigern und die Umsetzung auf der Baustelle spürbar erleichtern. Somit öffnet die kommende ISH den Fachhandwerker den Blick in eine Zukunft der kostengünstigen Installation. Und das könnte dann auch erheblichen Nutzen – nicht nur bei den Kosten – für Mieter und Vermieter bringen.