Die Hitze des Sommers

Es war eine Meldung dieses Sommers: Eine große Anzahl von Hitzetoten wird erwartet. Je nachdem, welches Medium gehört oder gelesen wurde, wurden zehntausende von Hitzetoten gemeldet. Vorsorge seitens der Politik und der Krankenkassen wurde nicht getroffen wie luckx – das magazin recherchierte.

Mit dem Klimawandel kommt die Hitze

Anscheinend ist beim Klimawandel jeder sich selbst der Nächste. Es ist verständlich, dass das Thema Wohnungsnot immer wieder aufgeblasen wird. Doch das ändert nichts daran, dass mehr Wohnungen gebaut werden. Bauen wird als zu teuer und wirtschaftlich unattraktiv bewertet. Da müssen weniger Standard, geringer Kosten und mehr Förderung her. Doch weniger Standards wirken sich auf die Qualität der Gebäude aus. So wurde sogar diskutiert, geringere Anstrengungen bei der Wärmedämmung zu unternehmen als auch der Anzahl der Steckdosen zu reduzieren. Doch das sind alles Scheingefechte. Dieser Sommer hat doch gezeigt, wo der Schwerpunkt liegen muss: Die Hitze muss aus den Wohnungen raus. Das Leben muss für die Betroffenen lebenswert werden. Und die Betroffenen sind meist ältere Mitbürger und besonders Menschen mit erhöhter Herz-Kreislauf-Belastung und hier Bluthochdruck-Betroffene.

Dabei gilt die zunehmende Hitzebelastung inzwischen als das größte klimabedingte Gesundheitsproblem in Deutschland. Besonders betroffen sind Menschen mit Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Deutsche Hochdruckliga warnt daher vor den oft unterschätzten Auswirkungen hoher Temperaturen auf den Blutdruck und ruft zu mehr Achtsamkeit auf. „Der Blutdruck ist bei vielen Menschen im Sommer niedriger als im Winter – dies mag harmlos klingen, doch gerade Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bluthochdruck können unter Hitze regelrecht ins Schwanken geraten“, erklärt Prof. Dr. med. Christian Ott, Hypertensiologe von der Deutschen Hochdruckliga.

Hitze als Belastung für das Herz-Kreislauf-System

Aktuelle Studien bestätigen, dass der Blutdruck saisonalen Schwankungen unterliegt. So ist er in den Sommermonaten meist niedriger als in anderen Jahreszeiten. Insbesondere bei längeren Hitzeperioden mit Temperaturen über 25 Grad oder plötzlichen Wetterumschwüngen kann es bei Menschen mit Bluthochdruck vermehrt zu Kreislaufschwankungen kommen. Der Blutdruck sinkt, weil sich die Blutgefäße bei Hitze erweitern – eine natürliche Reaktion, die jedoch zu einem gefährlich niedrigen Blutdruck führen kann. Symptome wie Schwindel, Schwäche oder Kreislaufprobleme sind die Folge. Plötzliche Temperaturanstiege erhöhen zudem das Risiko für Herzinfarkte und Herzrhythmusstörungen. Auch Luftdruckveränderungen stellen eine zusätzliche Belastung für das Herz-Kreislaufsystem dar. Deshalb ist gerade in den Sommermonaten erhöhte Vorsicht für Betroffene geboten.

So empfiehlt die Deutsche Hochdruckliga Menschen mit Bluthochdruck, bei hohen Temperaturen besonders aufmerksam zu sein, da Hitze eine ernstzunehmende Herausforderung für das Herz-Kreislauf-System darstellt. Prof. Dr. Ott macht deutlich: „Aus meiner Erfahrung mit Patientinnen und Patienten weiß ich, wie wichtig es ist, das Thema ernst zu nehmen und offen anzusprechen, um gesundheitliche Risiken bei Hitze zu minimieren.“ Um den Kreislauf zu entlasten und gesundheitlichen Risiken vorzubeugen, sollten im Alltag wichtige Verhaltensregeln beachtet werden. Dazu zählen regelmäßige Blutdruckkontrollen, ein bewusster Umgang mit Medikamenten, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sowie eine angepasste Ernährung und Stressbewältigung. Mit diesen Maßnahmen lässt sich die Belastung durch hohe Temperaturen deutlich reduzieren.

Tipps für Menschen mit Bluthochdruck bei Hitze

Blutdruck regelmäßig messen: Besonders bei starker Hitze oder Symptomen wie Schwindel und Müdigkeit den Blutdruck kontrollieren und bei dauerhaft niedrigen Werten ärztlichen Rat einholen.

Ausreichend und richtig trinken: Viel stilles Wasser oder verdünnte Fruchtsäfte trinken, auf Elektrolyte achten. Eiskalte Getränke und kalte Duschen vermeiden, da sie den Kreislauf belasten können. Menschen mit Herzschwäche sollten die Trinkmenge mit dem Arzt absprechen.

Medikamente nicht eigenmächtig absetzen: Medikamente auch im Sommer wie verordnet einnehmen. Hitze kann Nebenwirkungen verstärken, daher bei Bedarf mit dem behandelnden Arzt Rücksprache halten.

Leichte und kleine Mahlzeiten bevorzugen: Statt großer, fettreicher Gerichte mehrere kleine, bekömmliche Portionen über den Tag verteilt essen, um den Kreislauf zu entlasten.

Stress reduzieren und passende Aktivitäten wählen: Im Sommer Ruhepausen einlegen, Spaziergänge in die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegen und körperliche Anstrengung in der Mittagshitze vermeiden.

Für Betroffene können das nur erste Hinweise und Tipps sein. Doch es muss mehr getan werden. In anderen Ländern werden „Kälteinseln“ vorgehalten oder die Gebäude entsprechend ertüchtigt. Krankenhäuser, Kliniken, Altenheime und viele weitere Unterkünfte müssen mit Jalousien und Vorhängen ausgestattet werden. Das gilt besonders für renommierte Herzzentren. Hier fehlen in den Krankenzimmern sogar die Vorhänge um nachts abzudunkeln. Betroffene müssen viel intensiver betreut werden. Hier hat die Gesundheitspolitik Zeichen zu setzen. Nicht weniger Leistung ist mehr, sondern eindeutig mehr Unterstützung für Betroffene. Das sollte den Kranken- und Pflegekassen vorgegeben werden. In der Verwaltung lässt sich dabei viel einsparen. Das wäre dann der wichtige Schritt zum Bürokratieabbau.