Prävention und Sport

Auch wer sich nicht unbedingt mit Sport und Bewegung befasst, hat die Fußballspiele der Nationalmannschaft gesehen. Begeisterung brach nicht unbedingt aus. Und nun sind alle enttäuscht, suchen nach dem Sündenbock und nach einer Lösung. Die Lösung für unser Gesundheitssystem sind nicht Verschärfungen bei den Leistungen, sondern andere Leistungen, meint luckx – das magazin.

Unsere Gesellschaft

Wir wollen sind nicht auf die verquerren Sichtweisen des Bundeskanzlers auf die Leistungsbereitschaft und -Fähigkeit von uns Deutschen eingehen. Da scheint es nuancierte Unterschiede zu geben. Also greifen wir das Große und Ganze einmal an. Unbestritten ist, dass Prävention und Sport eine hohe Bedeutung für unsere Gesellschaft hat. Doch dem kommt unser Gesundheitssystem nicht nach. So werden zwar beispielsweise Klimawanderungen in Bayern gefördert und auch das Wandern in Hessen, weil es nachweislich erhebliche positive Auswirkungen auf die individuelle als auch gesamtgesellschaftliche Gesundheitsförderung hat. Denn es fördert das Herz-Kreislauf-System und beugt deren Erkrankungen vor. Herz-Kreislauf-Erkrankung sind übrigens die häufigste Todesursache und mit erheblichen Ausfallzeiten in der Berufswelt verbunden. Das betrifft aber nicht nur die „alten Knacker“, sondern schon 20-Jährige, die erst am Beginn ihrer Berufslaufbahn stehen. Wenn diese nicht rechtzeitig „auf den „Wanderweg“ gebracht werden“, ist es aus mit ihrem Beitrag zum Wohlstand, sondern der Gang ins Krankenlager ist vorprogrammiert. Nicht nur deshalb steht die Gesundheitsversorgung in Deutschland an einem Wendepunkt. Immer höhere Ausgaben zwingen zu immer rigideren Sparmaßnahmen. Gleichzeitig wird die Gesellschaft immer kränker. Es ist an der Zeit von einer „Verwaltung der Erkrankungen“ zu einer Prävention zu kommen.

Gesundheitsausgaben in Deutschland

Zahlen und Fakten sprechen für sich: Die Gesundheitsausgaben in Deutschland betragen inzwischen über 500 Milliarden Euro pro Jahr (>12% BIP). Die Kosten durch Tabakkonsum 97 Milliarden Euro, für Adipositas 63 Milliarden Euro. 80 Prozent der Krankheiten sind Zivilisationserkrankungen. Bewegungsmangel und körperliche Inaktivität sind vierthäufigster Risikofaktor für globale Mortalität. Im Public Health Index 2025 (vergleicht Umsetzungsgrad wissenschaftlich empfohlener Präventionsprogramme) belegt Deutschland Rang 17 von 18 Ländern Nord- und Zentral-Europas. Nur 26-29 % der Erwachsenen erfüllen die WHO-Empfehlungen von 150 Minuten moderater Aktivität pro Woche. Beim UNICEF „Kinderwohl-Index“ belegt Deutschland Platz 25 von 43 OECD- und EU-Ländern. Der Anteil übergewichtiger Kinder und Jugendlicher zwischen 11 und 17 Jahren liegt bei rund 38 Prozent, wovon rund 20 Prozent sogar adipös sind. Bei Erwachsenen leiden 50 Prozent an Übergewicht, 19 Prozent sind adipös. Das ist ein zentraler Risikofaktor für chronische Erkrankungen (Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bösartige Tumore) und schwererer Infektionsverläufe. Sl ist heute schon abzusehen, dass Deutschland zukünftig die Kosten für das Gesundheitssystem in Höhe von 500 Milliarden Euro nicht mehr ausgeben können wird. Die Profiteure des bisherigen Systems werden weiter versuchen an kranken Menschen zu verdienen. Die sogenannte „Krankenhausstrukturreform“ wird bei gleichbleibender Ausrichtung des Systems als Sozialabbau für den Bürger zu Leistungseinbußen führen.

Deutschland wieder fit machen

Deutschland wieder fit machen gelingt nicht, indem die Bürger beleidigt und beschimpft werden. Sie müssen ermutigt und begeistert werden, wie es Frankreich mit ihren Bürgern die zehn Jahre vor den Olympischen Spielen 2024 in Paris gemacht hat. Überall wurden Fitness- und Gesundheitszentren eingerichtet. Und diese wurden von den Franzosen sehr gut angenommen. Nur müssen die Hürden nicht durch zu viel Bürokratie aufgebaut werden, sondern niedrigschwllige Angebot aufgebaut werden. Dazu können Klima- und „normale“ Wanderungen ein erster Anreiz sein, um Menschen zu mehr Bewegung zu bewegen. Es ist also eine Änderung der Ausrichtung von einer rein kurativen zu einer präventiven Medizin zu finden. Sinnvolle Maßnahmen dafür sind beispielsweise Schaffung von Gesundheitskompetenz in der Schule durch Einführung des Faches „Gesundheit“ (Gesundheits-Aufklärung, gesunde Ernährung, Motivation zum lebenslangen Sporttreiben). Zusätzlich ist die Schaffung einer Umgebung, die das Gehen, Radfahren und aktives Unterwegssein im Alltag einfach und selbstverständlich macht. Die Steuern auf Nikotin und Alkohol müssen erhöht und bei Zucker eingeführt werden. Zusätzlich sollten umfassende Werbebeschränkungen bei Alkohol, Tabak und zuckerhaltigen Getränken festgesetzt werden. Das schafft eine Chancengleichheit für alle Kinder. Dazu sind 60 Minuten qualifizierter Sportunterricht pro Tag verbindlich gesetzlich festzulegen. Dazu gehört es dann auch wieder, dass die Bundesjugendspiele einen Wettkampfcharakter erfahren. Leistung – auch im Sportunterricht – muss zählen. Aber auch im Abiturjahrgang dürfen nicht Weltrekorde als Maßstab für 15 Punkte gelten, wie es heute ist. Wer so etwas festgelegt hat, war wohl immer an der ersten Hürde gescheitert. Dass dann auch Sportlehrer und Trainer eine kompetente Ausbildung und adäquate Bezahlung erhalten, ist selbstverständlich. Weiterhin braucht es eine Akzeptanz des Leistungssports und Unterstützung für Sportler außerhalb der Eliteschulen des Sports und an den Universitäten. Doch mit allem dem sieht es aktuell sehr schlecht aus in Deutschland. Wer als Millionenstadt wie Hamburg sich einer Teilnahme als Bewerber für eine Olympische Austragungsstätte verweigert, weil die Wohnungsnot dadurch ansteigen würde und die Veranstaltung Geld kostet, kommt nicht aus der heutigen Welt. Hamburg galt immer als eine Stadt des Sports und der Zukunft. Doch nun hat sie sich wie die gestern gescheiterte deutsche Fußballnationalmannschaft selbst ohne Not aus jeder Weltliga verabschiedet. Das Tor zur Welt wurde einfach zugeschlagen.