Es geht nichts über Gesundheit. Doch warum wird so etwas uns erst dann bewusst, wenn wir Älter geworden sind? Vielleicht, weil so manches Zipperlein erst mit zunehmenden Alter eintritt? Luckx – das magazin sucht nach Antworten.
Gesund älter werden
Die Frage aller Fragen ist wohl, wie wir unsere Gesundheit lebenslang erhalten können. Denn meist, von Ausnahmen abgesehen, kommen wir gesund auf die Welt. Und dann beginnt das „Drama“. Eine Erkrankung nach der anderen sucht regelrecht nach uns – und findet uns auch. Natürlich lässt sich natürlich vorbeugen. Die Griechen und Römer haben durch Sport und Bewegung uns vorgemacht, wie es funktionieren könnte. Auch unsere Vorfahren sind bei der Suche nach Nahrung durch den Wald gerannt. Heute fahren wir mit dem Auto zum Supermarkt. Wir haben aber nun auch das Thema Langlebigkeit für uns entdeckt. Das hat sich derzeit zu einem der großen Trendthemen entwickelt. Zwischen Nahrungsergänzungsmitteln, Biohacking und Anti-Aging-Versprechen entsteht leicht der Eindruck, gesundes Altern ließe sich durch einige wenige „Hacks“ beeinflussen. Doch die Altersforschung zeichnet ein anderes Bild. Nicht einzelne Wundermittel, sondern das Zusammenspiel von Bewegung, Ernährung, Stressregulation, Schlaf, sozialen Beziehungen, Naturkontakt und Sinnhaftigkeit entscheidet darüber, wie gesund wir altern. Nur etwa 20 bis 25 Prozent unserer Lebenserwartung sind genetisch bedingt – der weitaus größere Teil wird durch Lebensstil und Umwelt geprägt.
Körperlich und geistig aktiv bleiben
Wir wünschen uns alle gesund zu altern und bis zum Schluss körperlich und geistig aktiv zu bleiben. Doch wie bekommen wir das hin? Die Verlockung ist groß, uns in den sozialen Medien „schlauzumachen“, ein paar einfache Vorschläge mitzunehmen und diese im Alltag anzuwenden. Dabei merken wir schnell, dass ein paar Nahrungsergänzungsmittel doch nicht ausreichen, um gesund und fit zu bleiben. Also, was können wir tun? Eins der wichtigsten Forschungszentren für Alternsforschung sitzt in Köln – das Max-Planck-Institut für die Biologie des Alterns ist in Europa führend bei der Erforschung von molekularen Alterungsprozessen. Dort wird seit 2008 zu den Mechanismen des Alterns geforscht, beispielsweise zum Muskelstoffwechsel und Altern. Ziel ist es, zu verstehen, wie die Muskelgesundheit ein Leben lang erhalten und ein gesundes Altern gefördert werden kann. Dieses und andere Themen, zu denen das Institut forscht, tragen zu wichtigen Erkenntnissen über die Alterungsprozesse von Menschen bei und wodurch sie bestimmt werden. Andere Forschungsinstitute, wie die Harvard T.H. Chan School of Public Health, legen ihre Schwerpunkte auf Ernährung, Prävention und Gesundes Altern und auch die WHO betont gesundes Altern als gesellschaftliche Aufgabe.
Langlebigkeitsfaktoren
Dabei haben sich 9 große Langlebigkeitsfaktoren herauskristallisiert. Es ist nicht überraschend, dass Bewegung ist die stärkste Medizin für unseren Körper ist. Regelmäßige körperliche Aktivität gilt als der robusteste Faktor für gesundes Altern. Sie verbessert unsere Herz-Kreislauf-Gesundheit, Muskelmasse, Stoffwechsel, Gehirnleistung und das Immunsystem. Neuere Übersichtsarbeiten zeigen sogar Zusammenhänge zwischen Bewegung und biologischem Altern. Besonders gut untersucht sind bisher die mediterrane Ernährung, Gemüse und Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse und ausreichend Eiweiß. Schlaf ist für unseren Körper Reparaturzeit, wobei 7 – 9 Stunden als optimal gelten. Chronischer Schlafmangel erhöht nachweislich das Risiko für Herzerkrankungen, Diabetes, Depressionen und Demenz. Auch Dauerstress beschleunigt Alterungsprozesse. Um den Stress zu regulieren helfen Meditation, Yoga, Atemübungen, Naturaufenthalte und stabile soziale Beziehungen. Die Harvard Study of Adult Development ist die weltweit am längsten laufende wissenschaftliche Studie über Glück und Gesundheit. Seit 1938 begleitet sie über 80 Jahre lang das Leben tausender Menschen, um herauszufinden, was uns wirklich gesund und zufrieden macht.
Die wichtigste Botschaft der Studie lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Gute, verlässliche Beziehungen machen uns glücklicher und gesünder als Geld oder Ruhm. So bestätigen Studien, dass eine positive Lebenseinstellung und ein klares „Wofür“ wissenschaftlich belegte Schutzfaktoren sind. Menschen mit Sinn und Lebensfreude leben statistisch gesehen bis zu 15 % länger und haben bessere Chancen, ein hohes Alter zu erreichen. Menschen mit einem Gefühl für Sinnhaftigkeit leben gesünder, sind resilienter, erkranken seltener und altern langsamer.
Neuere Untersuchungen zeigen, dass kulturelle Aktivitäten nahezu so wichtig sein können wie Bewegung. Damit sind neben Lesen, Musizieren und Malen auch Museumsbesuche gemeint. Wenn dann noch eine neue Sprache oder ein Instrument lernt, sorgst für den perfekten Schutz für im Gehirn.
Motor des Alterns
Chronische, stille Entzündungen gelten heute als ein zentraler Motor des Alterns. Wir können sie positiv beeinflussen durch Ernährung, Schlaf, Bewegung, Stress und Umweltfaktoren. Die Forschung betrachtet Altern inzwischen als Ergebnis aller Umwelteinflüsse eines Lebens. Dazu gehören Luftqualität, soziale Beziehungen, Ernährung, Naturkontakt, Stress und Mikrobiom. Das sogenannte Exposom beschreibt die Gesamtheit aller nicht-genetischen, endogenen und exogenen Umwelteinflüsse, denen ein Mensch von der Empfängnis bis zum Tod ausgesetzt ist. Es ist zu einem Schlüsselbegriff der modernen Longevity Forschung geworden.
Die Natur ist mehr als Erholung
Nun darf aber Longevity nicht damit verstanden werden, dass es ein Weg „Zurück zur Natur“ geben sollte, wie Rousseau immer zitiert wird. Für ihn sind Natur, Kunst und Technik untrennbar miteinander verbunden. Das hatte er schon in seiner Abhandlung über die Wissenschaften und die Künste eingeräumt. Denn seiner Meinung nach strebt die Wissenschaften nach dem Wohl der Menschen, jedoch erscheint ihm die umfassende und wirksame Verbreitung der Einsichten der Gelehrten ausgeschlossen. Während Sparta und das frühe Rom durch moralische Tugend bei kultureller Rückständigkeit gekennzeichnet waren, benötigten die Gelehrten und Künstler seiner Zeit stets die Mächtigen zur Durchsetzung ihrer Ideen und die Muße und den Luxus als Grundlage der Entfaltung der Künste und Wissenschaften. Eine einfache Rückkehr in einen Naturzustand („Zurück zur Natur“) schließt Rousseau ausdrücklich aus, auch wenn seine Kritiker ihm das unterstellt haben.
Und das ist auch nicht das Anliegen von Longevity. Beispielsweise hat sich für die Akademie für Waldbaden und Gesundheit durch das Thema Langlebigkeit ein spannendes Feld eröffnet, welches nun verstärkt in den Fokus aufgenommen werden kann. Seit Jahren bietet die Akademie Ausbildungen im Naturkontext an, die sich gleichzeitig auf mehrere Langlebigkeitsfaktoren auswirken. Seit den 1970er Jahren gibt es wissenschaftliche Studien, dass Aufenthalte in der Natur Stress reduzieren und sich positiv auf Körper und Psyche auswirken. Besserer Schlaf, mehr Bewegung und soziale Verbundenheit. Erlebnisse in der Natur fördern die Achtsamkeit und das Bewusstsein für die eigene Gesundheit. Dieser systemischer Ansatz passt somit hervorragend zu den aktuellsten Longevity Erkenntnissen. Auch die Deutsche Longevity Gesellschaft empfiehlt das Waldbaden als besonders wertvoll: „Waldbaden bietet „passive“ Gesundheitsförderung ohne Anstrengung oder Disziplin. Für gestresste, urbane Populationen ist es eine der effektivsten Interventionen zur Stressreduktion und Parasympathikus-Aktivierung“.